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Tarifverhandlung für Kita-Betreuer: 27 Gründe, warum Erzieher mehr Geld verdienen sollten

Das Arbeiten in Kitas wird anspruchsvoller, die Anforderungen an die Erzieher steigen - ihr Gehalt aber nicht. Es wird gestreikt, verhandelt, gestreikt. Wir haben Argumente für die Erzieher gesammelt.

Sie fiebern mit, sie lieben ihren Job, sie sind unseren Kindern enge Vertraute: Erzieher haben mehr Geld verdient!

Sie fiebern mit, sie lieben ihren Job, sie sind unseren Kindern enge Vertraute: Erzieher haben mehr Geld verdient!

Die Arbeit von Erzieherinnen wird zu gering bewertet und dementsprechend auch zu gering bezahlt, findet Verdi. Die Gewerkschaft droht deshalb wieder mit Streiks in den Kitas. Eltern und Kinder hätten das Nachsehen: Sie müssten entweder zu Hause bleiben oder mit Notgruppen auskommen. Doch viele Eltern haben Verständnis für den Kampf um mehr Geld. Sie wissen genau, wie kostbar die Erzieher für ihre Kinder sind. Und dass sie mehr tun, als den ganzen Tag zu spielen und zu basteln.

Das Anforderungsprofil für Erzieher entspricht inzwischen dem für Grundschullehrer, die Bezahlung allerdings bleibt deutlich dahinter zurück, sagt auch Anette Stein, die bei der Bertelsmann Stiftung Direktorin des Programms Bildungsinvestitionen ist. Wir haben uns deshalb umgehört und 27 Gründe zusammengetragen, warum die Erzieher unserer Kinder mehr Geld verdient haben.

Die Erzieher streiken zu Recht, weil ...

... sie ihr Leben auf zu kleinen Stühlen verbringen und es schaffen, dabei ihre Würde zu wahren

... sie immer wissen, wo sich der zweite Hausschuh versteckt hat

... sie im Osten Deutschlands noch weniger bekommen, aber viel mehr Kinder betreuen

... wenigstens sie den Kindern beibringen, "danke" und "bitte" zu sagen

... sie jeden Schnupfen abkriegen

... sie oft mehr Zeit mit fremden als mit den eigenen Kindern verbringen

... sie wissen, wie man das plötzliche Ableben der Kita-Schildkröte verschleiern kann

... sie Sachen sagen wie "Ey Leute, bisschen mehr Respekt!". Zu Vierjährigen.

... sie Lärm aushalten müssen, als würden sie acht Stunden täglich neben einer Motorsäge stehen

... sie nach dem Essen 473 Erbsen und 2089 Reiskörner auffegen

... sie den Text aller Laterne-Lieder kennen

... sie es schaffen konsequent zu bleiben, wo man als Eltern schon längst resigniert hat

... sie jedes Jahr ein Faschingsfest für die Kinder machen und so tun, als wüssten sie nicht, wer sich hinter Pipi oder dem Dinomaul verbirgt

... sie eine wichtige Bezugsperson sind - für das Liebste, was wir haben

... sie selbstlos ihren Urlaub verschieben, damit die Kleinsten wegen Personalmangels nicht nur fremde Gesichter sehen müssen

... sie bei jedem Schietwetter allen Kindern Regenhosen überziehen und nach draußen gehen

... sie die Kinder jeden Tag zum Mittagsschlaf bekommen

... sie die Kinder essen lassen, wie sie wollen - und die so ganz schnell selbst lernen, wie der Löffel zu halten ist, damit nicht alles daneben geht

... sie auch beim sechsten "Ich muss mal groß" noch die Fassung wahren

... sie mit total aufgeregten Kindern im Kindergarten übernachten und dabei kein Auge zu tun

... sie auch auf verseuchtem Terrain die Stellung halten - bei Kita-Keimen und Läusen

... sie als Zugpferde von vollbepackten Wagen mit kleinen Kindern durch die Stadt ziehen und Ausflüge machen

... ihr Erfahrungsschatz nach Hunderten von Kindern, die sie in ihrer Entwicklung begleitet haben, unbezahlbar ist

... sie genau erkennen, und die Eltern regelmäßig darüber informieren, wo ihre Kinder in ihrer Entwicklung stehen

... sie den Kindern das Streiten und Vertragen beibringen

... sie den Kindern das Singen beibringen und die Freude daran

... sie mit diesem Beruf ihrem Talent und ihren Interessen folgen und ihn nicht nur als reinen Broterwerb ansehen

bal
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