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Erziehung Toxische Beziehung zu den eigenen Kindern: Diese Dinge sollten Eltern unbedingt vermeiden

Mutter schimpft mit Tochter, während sie sich gegenüber auf dem Boden sitzen
Gehört schimpfen schon zu einer toxischen Erziehung?
© skynesher / Getty Images
Niemand möchte seinen eigenen Kindern schaden. Dennoch gibt es Dinge, die zeigen, dass wir "toxisch" mit unseren Kindern umgehen. Aber wie kann man das am besten vermeiden?

Dieser Text erschien zuerst an dieser Stelle bei brigitte.de.

Es gibt Indikatoren, die die Art und Weise, wie man mit seinen Kindern umgeht, als "toxisch" kennzeichnen. Welche das sein können, woher sie kommen – und wie Eltern sich bessern können. 

Niemand ist perfekt, und obwohl sich alle große Mühe geben, machen auch Eltern Fehler. Oft, weil sie es nicht besser wissen. Aber auch unbewusst, weil sie es vielleicht nicht anders kennen. Der Duden definiert den Begriff "toxisch" unter anderem als "sehr bösartig, gefährlich, schädlich, zermürbend". Das kann für ein Rollenbild gelten, welches die Gesellschaft vermittelt, für eine Liebesbeziehung – und auch für einen Erziehungsstil. Wer die folgenden acht Verhaltensweisen vermeidet, tut seinen Kindern nur Gutes. 

1. Kinder nicht ernst nehmen

Keine Frage: Es ist keine gute Idee, direkt vor dem Einschlafen noch eine Cola zu trinken. Oder bei Minusgraden keine Mütze aufzusetzen. Oder sich nicht zu entschuldigen, wenn man der Freundin an den Haaren gezogen hat. Doch nur, weil Eltern mehr Lebenserfahrung haben, bedeutet das nicht, dass man auch automatisch alles besser weiß.

Die Kinder ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und ihnen Vertrauen zu schenken, macht eine wertvolle Beziehung aus. Denn nur so können Eltern und Kinder auf Augenhöhe miteinander leben.

2. Die eigenen negativen Gefühle auf die Kinder projizieren

Es ist nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen, auch Mama und Papa dürfen weinen, wütend sein und Angst haben. Und das auch mit ihren Kindern besprechen, offen sein, Gefühle zeigen. Das bedeutet aber nicht, dass Wut, Ärger oder Trauer auf die Kleinen abgewälzt werden dürfen – die können wahrscheinlich nicht einmal etwas dafür.

Wenn man sauer ist, weil es etwa im Job gerade nicht läuft, ist nicht das Kind daran schuld. Trotzdem behandelt man es manchmal so – das können Erwachsene oft verstehen und nachvollziehen, Kinder aber meist nicht. Bevor sie dann die Schuld für Mamas Traurigkeit bei sich selbst suchen, ist es besser, mit ihnen über die Situation zu sprechen. Damit alle Verständnis füreinander aufbringen können.

3. Kinder daran hindern, dass sie werden können, wer sie sein wollen

Jeder will nur das Beste für seine Kinder: Sie sollen keine Sorgen haben, als Erwachsene finanziell abgesichert sein, eine gute Bildung genießen können. Dabei sollte man aufpassen, dass man sich nicht nur auf das konzentriert, was man sich für seine Kinder wünscht.

Wenn sich das Kind auf dem Gymnasium nur quält und keine guten Noten schreibt, ist es dort vielleicht nicht gut aufgehoben. Wenn es das Kind der eigenen besten Freundin nicht mag, dann muss auch niemand zum Spiel-Date gezwungen werden. Und wenn sich der Sohn mit Glitzernagellack am schönsten fühlt, dann darf er den tragen, ganz egal, was die anderen sagen. Wer weiß, wofür es gut ist – die Kinder wissen es wahrscheinlich am besten. 

4. Die eigenen Interessen auf die Kinder übertragen

Wer hat sie nicht: die unerfüllten Kindheitswünsche. Egal, ob es ein Hund, Ballettunterricht oder ein Geschwisterchen war – unerfüllte Träume begleiten bis ins Erwachsenenalter. Und wenn man dann selbst zu alt ist, um nochmal eine Fußballkarriere zu starten oder Reitstunden zu nehmen, freuen sich bestimmt die Kinder! Oder?

Vielleicht mag das so sein. Vielleicht wollen die Kleinen aber auch ganz andere Dinge – den Kindern das zu ermöglichen, was einem selbst verwehrt geblieben ist, ist ein netter Grundgedanke. Aber niemand möchte sich durch acht Jahre Klavierunterricht quälen, egal, wie stolz Mama auch ist. Deshalb sollten nicht vergessen werden, dass jeder ein Recht auf eigene Träume hat. 

5. Wenig Empathie zeigen

"Augen zu und durch", "Ein Indianer kennt keinen Schmerz" oder "Nun reiß' dich mal zusammen": Wer verdreht bei diesen Sätzen auch die Augen? Niemand öffnet sich gern seinen Mitmenschen, um dann nur abgedroschene Phrasen an den Kopf geworfen zu bekommen. Gleiches gilt auch für die Kinder. Auch, wenn es schwer vorstellbar ist: 2021 ein Kind zu sein, ist etwas ganz anderes, als es damals war.

Was damals schwergefallen ist, kann für die Kinder heute – wortwörtlich – ein Kinderspiel sein. Und andersrum genauso. Egal, wie lapidar die Sorgen der Kleinen scheinen mögen, man darf nicht einfach abwinken. Denn dann lernen sie, dass ihre Probleme bei den Eltern nicht gut aufgehoben sind – und das Vertrauen schwindet.

6. Viel zu kritisch sein

Das Kind schreibt eine hart erkämpfte gute Note, sie ist aber trotzdem nicht gut genug? Ständig auf das zu pochen, was noch besser geht, kleinste Fehler zu suchen und Vergleiche mit anderen Kindern zu ziehen, zermürbt den Nachwuchs. Denn wer schon von klein auf lernt, dass er nie gut genug sein kann, versucht es irgendwann vielleicht gar nicht mehr. Oder entwickelt ein falsches Selbstbild, unterschätzt sich am laufenden Band, wird krankhaft ehrgeizig.

Natürlich sollte man die Kinder motivieren und sich nicht immer mit allem zufriedengeben. Aber: Die Dosis macht das Gift. Und manchmal muss man die Erwartungen auch einfach runterschrauben – nur, um dann wieder positiv überrascht zu werden. Wer weiß?

7. Sich nur um sich selbst kümmern

Me-Time, Self-Care, zu sich selbst finden, durchatmen: Im hektischen Alltag ist es oft nicht leicht, sich um sich selbst zu kümmern. Trotzdem stellt man die eigenen Bedürfnisse manchmal unbewusst in den Vordergrund. Fährt man im Urlaub nach Portugal, weil sich alle Familienmitglieder darauf einigen konnten, oder weil man selbst es unbedingt wollte? Muss das Kind heute früher ins Bett, weil es müde ist, oder weil man selbst Ruhe will?

Toxisch wird es dann, wenn man nicht einmal mehr bemerkt, dass sich alles nur noch um einen selbst dreht. Denn dann vernachlässigt man die Bedürfnisse der Kinder dauerhaft. Also: Lieber einmal mehr innehalten und die Lieben in den Arm nehmen. Dann braucht man auch kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man sich für einen Abend mit einem guten Buch zurückzieht. 

Erzieher in Deutschland

Lieber einmal öfter hinterfragen, als einfach weitermachen wie gewohnt

Nur, weil jemand die angeführten Verhaltensmuster zeigt, muss das nicht bedeuten, dass die Person das bewusst macht, es böse meint oder den Kindern etwas Schlechtes will. Oft orientiert man sich im Erziehungsstil an dem, was man von den eigenen Eltern kennt.

Dabei darf man aber nicht vergessen, dass sich die Zeiten geändert haben und die Pädagogik sich zum Wohl der Kinder weiterentwickelt hat. Deswegen gilt: Es schadet nicht, das eigene Verhalten als Elternteil immer wieder zu hinterfragen und nicht aufzuhören, an sich zu arbeiten.

Verwendete Quellen: "Self Care Advocates" via instagram.com


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