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Fragwürdige Erziehungsmaßnahme: "Weil wir gemein waren": Mutter lässt Söhne sieben Kilometer zur Schule laufen

Eine Mutter hat sich zu einer ungewöhnlichen Erziehungsmaßnahme entschlossen und damit eine Debatte ausgelöst: Weil ihre Söhne ungezogen zum Busfahrer waren, mussten die beiden zwei Stunden zur Schule laufen.

Von Kyra Funk

Kinder vor einem gelben Schulbus

Heute fährt der Schulbus ohne sie: Brüder aus Kanada erwartete als Strafe für ihr ungezogenes Verhalten gegenüber ihrem Busfahrer ein sieben Kilometer langer Fußmarsch (Symbolbild)

Getty Images

Was machen, wenn herkömmliche Erziehungsmaßnahmen nicht wirken? Im südkanadischen Harrow hat eine Mutter auf Facebook eine Debatte über angemessene Strafen in der Kindererziehung entfacht. Als die Kanadierin einen Anruf von der Schule ihrer zwei Söhne erhält, bei dem sie über ihr ungezogenes Verhalten gegenüber dem Busfahrer informiert wird, entschließt sie sich zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. So berichtet es der kanadische Sender "CBC News". Statt Fernsehverbot oder Süßigkeiten-Entzug lässt die Mutter ihre Kinder sieben Kilometer zu Fuß zur Schule laufen – und veröffentlicht die Geschichte samt Foto auch noch auf ihrem Facebook-Profil. 

"Weil wir böse und gemein zu unserem Busfahrer waren"

Während des knapp zweistündigen Fußmarsches sorgt die Mutter außerdem dafür, dass jeder weiß, warum ihre Jungs heute zu Fuß laufen, statt bequem mit dem Schulbus gefahren zu werden. Der Post auf Facebook zeigt die beiden Kinder mit einem Schild in der Hand: "Weil wir böse und gemein zu unserem Busfahrer waren, lässt uns Mama zu Fuß gehen."

Die Mutter begleitete ihre Söhne bei dem Fußmarsch. Die Strafe sei nötig gewesen, "um ihnen zu zeigen, wie jeder Tag für sie sein wird, wenn sie aus dem Schulbus rausgeschmissen werden", erklärt die Frau in ihrem Post. Die Reaktionen auf Facebook waren zahlreich und heftig: Mehr als 38.000 Mal wurde der Post geteilt, mehr als 28.000 Mal gelikt.

Debatte: Ist die Strafe angemessen?

Die ungewöhnliche Erziehungsmaßnahme hat in den sozialen Netzwerken eine Debatte über angemessene Strafen in der Kindererziehung ausgelöst. Viele sind begeistert von der Aktion, andere halten sie für total falsch. Aufgrund der sich anbahnenden Kontroverse, wandte sich die Kanadierin deshalb an eine Kinder-Hilfs-Organisation und erklärte ihre Sicht der Dinge.

Tina Gatt von der Children's Aid Society hält die Strafe der Kanadierin grundsätzlich nicht für problematisch. Dass die Kinder aufgrund ihres unhöflichen Verhaltens bestraft würden, sei eine "logische Konsequenz", sagte Gatt gegenüber CBC. Als falsch beurteilt sie allerdings die öffentliche Bloßstellung der Kinder und meint damit die öffentliche Zurschaustellung. Gatt sagte dem Sender: "Ich will nicht sagen, dass ich die Situation der Mutter bis ins Detail kenne, aber bevor man die Kinder mit einem solchen Schild rumlaufen lässt, muss man sich das gut überlegen."

Ähnlicher Fall: "Kleiner Tyrann" muss zur Schule joggen

Die Geschichte reiht sich ein in eine Serie von umstrittenen Erziehungsmaßnahmen, die Eltern in sozialen Netzwerken publik machen. So ließ Bryan Thornhill aus Virginia in den USA seinen zehnjährigen Sohn zur Schule joggen, weil er andere Kinder im Schulbus gemobbt hatte. In einem Video, was Thornhill auf seinem Facebook-Profil veröffentlichte, sieht man den Jungen vor dem Auto seines Vaters zur Schule joggen. Der Amerikaner erklärt die Strafe damit, dass sein Sohn "ein kleiner Tyrann" gewesen sei. Das würde er weder tolerieren noch leiden können. Deshalb müsse sein Sohn nun eine ganze Woche zur Schule rennen, so der Vater des Zehnjährigen.

Gepostet von Bryan Thornhill am Dienstag, 6. März 2018

Die Strafe trage bereits Früchte, erklärt Thornhill in seinem Video weiter: "Ironischerweise ist sein Verhalten viel besser geworden, seit er zur Schule joggt." Das Laufen sei sowohl eine angemessene als auch eine gesunde Strafe für seinen Sohn. Die Kommentare unter dem Video sind meist positiv und gratulieren Thornhill zu seiner kreativen Erziehungsmaßnahme. Andere halten den Vater selbst für einen Tyrann.

Fest steht: Erziehungsmaßnahmen auf Facebook zu diskutieren, kann Eltern manchmal bei der Entscheidung helfen, wie sie Kindern ihr Fehlverhalten erklären können. Fotos oder Videos ihrer Bestrafung zu veröffentlichen, ist hingegen eine Zurschaustellung der Kinder, die Eltern unterlassen sollten.

Queen Elisabeth

  

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