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USA Lehrer wollen Shakespeare aus dem Lehrplan streichen – wegen Frauenfeindlichkeit und Rassismus

Der britische Dramatiker William Shakespeare
Der britische Dramatiker William Shakespeare
© akg-images / Picture Alliance
Shakespeare – im Englischunterricht eigentlich Pflicht. Das wurde zumindest einige Jahrhunderte lang so gesehen. Doch inzwischen stellen zahlreiche amerikanische Pädagogen den "Barden" infrage.

"Romeo und Julia", "Hamlet", "Othello" – alles Klassiker, Weltliteratur, Werke von denen man definitiv schon mal gehört haben muss? Das stellen immer mehr US-amerikanische Lehrer*innen inzwischen infrage. Denn die Dramen, die William Shakespeare im 16. und frühen 17. Jahrhundert schrieb, würden jungen Leser*innen von heute nicht mehr die richtige Botschaft vermitteln.

Während unter Pädagog*innen noch eifrig diskutiert wird, ob und wie wichtig Shakespeare für junge Menschen ist, haben einige amerikanische Lehrer*innen bereits für sich eine Entscheidung getroffen und ihn aus dem Lehrplan verbannt. Eine Lehrerin aus Washington etwa: Claire Bruncke übergeht ihn mittlerweile im Unterricht, um "davon wegzukommen, die Sichtweise weißer, cisgender, heterosexueller Männer in den Mittelpunkt zu stellen", erklärt sie im amerikanischen Fachmagzin "SLJ". "Shakespeare zu streichen, das war ein Schritt, den ich leicht machen konnte, um diesem Ziel näher zu kommen. Für meine Schüler war das bereichernd." 

Ist Shakespeare nur für ein weißes Publikum relevant?

Jeffrey Austin, Englisch-Fachbereichsleiter an einer High School in Michigan, sagt, man müsse die Ansicht, Shakespeares Werke seien "universell" wichtig, "hinterfragen und beachten, dass das ein sehr weißer Standpunkt ist". Dennoch halten viele Englischlehrer*innen den britischen Dramatiker weiterhin für ein literarisches Genie. Shakespeare sei ein "genialer Poet", der "meisterhafte Wortspiele, kreative Benutzung von Sprache, bissige Scharfsinnigkeit, Doppeldeutigkeiten und innovative Figuren" in seinen Werken hinterlassen habe – das sagt beispielsweise "SLJ"-Autorin Amanda MacGregor.

Lehren oder Nichtlehren – das ist hier die Frage. Vielleicht ist eine umsichtige Herangehensweise wie die, die Sarah Mulhern Gross, eine Lehrerin aus New Jersey, praktiziert, eine gute Lösung. Sie nimmt mit ihrer Klasse "Romeo und Julia" durch, weil sie Shakespeare und seine Werke wichtig findet, und thematisiert "als Beilage direkt Toxic Masculinity". So lernen die Schüler*innen das wohl berühmteste Drama des "Barden" kennen, werden aber auch auf heutzutage problematische Haltungen aufmerksam gemacht.

Quellen:   "New York Post""SLJ"

wt

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