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Corona-Aus "Der Kanarienvogel in der Kohlemine": Einer der ältesten Pubs der Welt muss wegen Corona schließen

The Lamb & Flag
Der historische Pub Lamb & Flag musste nach mehr als vier Jahrhunderten den Ausschank einstellen.
© Tess Derry / PA Wire / dpa
Mehr als vier Jahrhunderte lang wurde im Lamb & Flag in Oxford Bier ausgeschenkt. Dichter und Denker gingen in dem historischen Pub ein und aus. Jetzt ist Schluss. Die Corona-Pandemie brachte das Aus.

Das Lamb & Flag gehörte zu den ältesten Pubs der Welt. 1566 öffnete es in Oxford erstmals seine Tore. Eine Zeit, in der Königin Elisabeth I das Land regierte und William Shakespeare noch in den Windeln lag. Rund 450 Jahre war der britische Pub Anlaufstelle für durstige Kehlen der Stadt, das Bier floss jahrhundertelang in Strömen. Die Kneipe überstand die Große Pest, hielt Kriegen stand - doch die Corona-Pandemie sorgte nun dafür, das die Lichter aus, die Türen verrammelt sind. Das Lamb & Flag hat den Betrieb eingestellt.

Autoren wie J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis, die Köpfe hinter "Herr der Ringe" und "Die Chroniken von Narnia", arbeiteten dort regelmäßig am Glas, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton soll dort genauso gepichelt haben wie der einstige Premierminister der Insel Tony Blair. Bis zuletzt war das Lamb & Flag ein Ort, an dem miteinander gesprochen wurde, das weder Fernseher noch Jukebox nötig hatte.

Aus nach rund 450 Jahren

Wie so viele gastronomische Betriebe konnte der Pub der Corona-Krise nicht trotzen und musste nun die Pforten zum Februar schließen. Das Lamb & Flag gehört dem St. John's College, das Teil der renommierten Oxford Universität ist. Trotz aller Bemühungen der Mitarbeiter sei die wirtschaftliche Lage des Pubs in den vergangenen zwölf Monaten so schlecht gewesen, dass es nicht mehr "überlebensfähig" gewesen sei, so Steve Elston, stellvertretender Finanzverwalter des College in einer Erklärung.  Man sei "leider gezwungen, den Pub zu schließen". Wie es weitergehen wird, ist noch offen. Das Gebäude, in welchem das Lamb & Flag sein zweites und dauerhaftes Domizil fand, steht unter Denkmalschutz. 

Es sei sehr enttäuschend zu sehen, dass St. John's einen der historischsten Pubs in Oxford aufgebe, zitiert die "Dailymail" Dave Richardson von Campaign for Real Ale (CAMRA). Er meldete an, dass die Organisation Einspruch erheben wolle, sollte der Stadtrat versuchen, das Gebäude künftig für etwas anderes als einen Pub zu nutzen. Das Lamb & Flag sei nicht nur eine Studentenkneipe und bei den Bewohnern der Stadt sehr beliebt. "Viele Leute machen es zu ihrer ersten Station, wenn sie Oxford besuchen", sagte Richardson.

Corona-Aus: "Der Kanarienvogel in der Kohlemine": Einer der ältesten Pubs der Welt muss wegen Corona schließen

Layla Moran, Abgeordnete der Liberaldemokraten in Oxford West und Abingdon, sagte dem Blatt: " Es besteht die reale Gefahr, dass dies nur der Kanarienvogel in der Kohlemine ist und bald weitere lokale Pubs schließen werden". Sie forderte vom britischen Finanzminister Rishi Sunak mehr finanzielle Unterstützung für die lokalen Pubs. Die Regierung habe die Macht, das Desaster zu stoppen und doch höre sie nicht zu, meinte Moran.

Quellen: Food and Wine, Dailymail, Oxford Mail

tpo

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