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Nach 15 Wochen Super-Besäufnis befürchtet: In Großbritannien dürfen die Pubs seit heute morgen wieder öffnen

Sehen Sie im Video: Nach 15 Wochen Corona-Zwangspause: Briten dürfen wieder in den Pub. Für viele Briten ist der Besuch im Pub ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens. Nach langen Wochen des Verzichts aufgrund der Coronavirus-Pandemie dürfen am Samstag die Kneipen auf der Insel wieder öffnen. Prinz William besuchte vorab einen Pub in der Nähe seines Landsitzes in Ostengland und ließ sich von Besitzer Anthony Goodrich erklären, wie er eine Ausbreitung von Covid-19 trotz geselliger Runden verhindern will. Im ganzen Land gilt: Tische müssen reduziert und im Vorhinein reserviert werden, damit das Social Distancing eingehalten werden kann. Außerdem müssen die Gastwirte eine Gästeliste führen um eventuelle Infektionsketten nachverfolgen zu können. In Arlecdon haben die Inhaber des Hound Inn ihren Pub zur Vorbereitung der Wiedereröffnung in Wolken aus Desinfektionsmitteln gehüllt. Auch nach der Öffnung würden sie besondere Reinigungsmaßnahmen einhalten, informierten die Inhaber auf ihrer Facebookseite. Seit März waren die Pubs in Großbritannien geschlossen, bei vielen Stammgästen dürfte die Vorfreude dementsprechend groß sein. Premierminister Boris Johnson hat in einem Interview an die Bevölkerung appelliert, es jetzt nicht zu vermasseln und sich verantwortungsvoll zu verhalten. Zuletzt war es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Polizisten und feiernden Gruppen an öffentlichen Plätzen gekommen.
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Um die Corona-Pandemie einzudämmen, mussten Ende März die britischen Pubs schließen. Nach 15 Wochen Lockdown dürfen sie heute wieder öffnen - und die ersten Gäste gönnten sich schon am frühen Morgen das erste Bier. Die Polizei ist alarmiert.

Schon seit dem Morgengrauen sind Bar- und Pubbetreiber in Großbritannien im Einsatz. Fässer anschließen, Theke wischen, Stühle aufstellen: Nach 15 Wochen Lockdown dürfen Pubs in Großbritannien wieder öffnen. Und das seit den Morgenstunden. Und laut britischen Medien nutzten bereits einige trinkfreudige Kunden dieses Angebot. Die Polizei und der staatliche Gesundheitsdienst NHS bereiten sich aufs Schlimmste vor: Das große Besäufnis, samt Nebenerscheinungen wie Schlägereien und Co.

Seit sechs Uhr Ortszeit dürfen Pubs in Großbritannien öffnen. Premierminister Boris Johnson hatte die Bars und Kneipen am 20. März in den Lockdown geschickt, noch vor der offiziellen Ausgangssperre. Ein besonders harter Einschnitt, Pubs gehören in Großbritannien als feste Institution zum öffentlichen Leben dazu. "Ich weiß, dass wir etwas Außergewöhnliches machen, wir nehmen das uralte und unveräußerliche Recht frei geborener Menschen, in den Pub zu gehen, weg", sagte der Politiker damals. 

Nun erwarten die rund 23.000 Pubs einen Ansturm. Die britische Presse spricht vom "Pub-Agedon", also einem apokalyptischen Ansturm auf die Kneipen. Experten erwarten, dass allein heute 15 Millionen Pints (Etwas mehr als ein halber Liter Bier) ausgeschenkt werden. 

Coronaregeln in den Pubs

Allerdings müssen sich die Pub-Gänger auf Änderungen einstellen. Vor allem die Preise wurden ordentlich angezogen, um die Verluste der vergangenen Wochen aufzufangen, so britische Medien. Laut der "Daily Mail" verteuert sich das Pint um bis zu einem Pfund. "Es ist eine verdammte Preiserhöhung - ich weiß nicht, wie ich es den Kunden erklären soll. Die Wiedereröffnung nach dem Sperren wird nicht einfacher", so ein Pubbetreiber zur Zeitung. Aber nicht nur der Preis ist anders, auch die Abstands- und Hygieneregeln sollen weiterhin gelten. Allerdings wurden Pubs von der Vorgabe, dass nur 30 Personen versammelt sein dürfen, ausgenommen - solange sie ich an alle anderen Corona-Auflagen halten. Die Daten der Pub-Besucher müssen erfasst werden, enges Gedränge am Tresen soll es nicht geben. Statt dessen werden die Kunden am Tisch bedient. Wenn möglich soll per App bestellt werden. 

Illinois: Bier trinkend am Steuer – und das mit Schulkindern an Bord. Michelle Passley fährt beruflich Kinder zur Schule. Als sie ihre erste Fahrt am Morgen des 15. November beendet hat, kauft sich die 44-Jährige zwei Bier in einem Supermarkt. Zunächst nichts Ungewöhnliches: Doch dann beobachtet der Verkäufer, wie die Frau mit dem Bier in einen Schulbus steigt und losfährt – um 7 Uhr morgens. Denn die nächsten Kinder warten darauf, zur Schule gebracht zu werden. Um während der Fahrt nicht aufzufallen, wickelt Passley Papier um die Bierdose. Im Schulbus sind 32 Kinder. Glücklicherweise meldet sich der Verkäufer mit seinen Beobachtungen bei der Polizei in Aurora. Durch die Überwachungsaufnahmen kann die Amerikanerin eindeutig überführt werden. Die Polizei verhaftet die Verdächtige. Ihr wird vorgeworfen, das Leben der Kinder gefährdet zu haben. Gegen 100 Dollar Kaution darf Passley das Polizeirevier verlassen. Am 27. Dezember wird sie dem Haftrichter vorgeführt.
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Polizei und Kliniken sehen die Öffnung kritisch. David Jamieson, Polizeibeauftragter der Region West Midlands, bezeichnet die Pub-Öffnung als "reinen Wahnsinn". Einige Kliniken sollen Zelte aufgebaut haben, um dort Patienten aus Kneipenschlägereien zunächst behandeln zu können.

Cressida Dick, Polizeipräsidentin der Metropolitan Police in London, machte klar: "Meine Botschaft, falls Sie am Samstag ausgehen, bewahren Sie Ruhe, seien Sie vernünftig. Denken Sie an sich, denken Sie an Ihre Familie. Wir befinden uns immer noch mitten in einer globalen Pandemie."

kg

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