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Lebensweisheiten zum 18. Geburtstag: "Trink ruhig Alkohol (aber nicht so viel wie ich!)"

Was schenkt man seinem Kind zum 18. Geburtstag? Kleidung? Ein Haustier? Eine große Party? Peter Johns hat sich für etwas ganz Persönliches entschieden – und schrieb seiner Tochter Meg ein Buch. Zwei Jahre später kommt es nun in den Handel.

Peter Johns und seine Tochter Meg lächeln in die Kamera

Peter Johns und seine Tochter Meg: Nach ihrer überstandenen Krebserkrankung wollte der Vater Meg etwas Besonderes zum 18. Geburtstag schenken – und schrieb ein Buch, das nun erscheint

Inzwischen ist Meg eine ganz gesunde junge Frau, doch das war nicht immer so. Mit neun Jahren wurde bei ihr Krebs diagnostiziert. Der Tumor war damals bereits so groß, dass er fast den gesamten Bauchraum ausfüllte. Die Chancen auf Heilung standen nicht gut – und verschlechterten sich sogar noch, als nach monatelanger Chemotherapie ein zweiter Tumor zu wachsen begann. Die Ärzte machten den Eltern keine Hoffnung, in der Regel überleben Kinder diese schwere Erkrankung nicht.

Doch Meg hatte Glück: eine Knochenmarkstransplantation und lange Sitzungen mit Ganz-Körper-Bestrahlung schlugen an. So unwahrscheinlich die Ärzte den Ausgang eingeschätzt hatten, so groß die Anfangsresistenz auf die Behandlung war, brachte sie schließlich doch den ersehnten Erfolg. Meg wurde gesund, sie ist inzwischen 20 Jahre alt.

Der 18. Geburtstag

Wenn das eigene Kind eine so schwere Krankheit überlebt hat, denkt man als Elternteil wahrscheinlich noch mal ganz anders über ein Geburtstagsgeschenk nach. Schließlich ist jedes weitere Jahr auch für die Eltern ein Geschenk, auf das sie lange Zeit nicht zu hoffen gewagt hatten. Peter Johns zumindest erging es so. Der Brite und Vater von vier Kindern arbeitete früher als Investmentbanker, ist seit 2008 im Ruhestand, arbeitet jedoch als privater Investor weiter und sitzt im Vorstand diverser Start-ups und Jungunternehmer. Der Vater von vier Kindern ist ebenfalls Gründungsmitglied der größten britischen Organisation für Autismusforschung, sein jüngster Sohn ist selbst betroffen.

Obwohl er nie etwas anderes als Finanzberichte geschrieben hatte, wie er der "Daily Mail" sagte, beschloss Johns, seine Gedanken und Erfahrungen an seine Tochter weiterzugeben – als persönliche Anleitung zum Glücklichsein auf dem Weg ins Erwachsenwerden.

Meg und ihre Brüder

Meg (r.) und ihre Brüder

Acht Ratschläge für alle Lebenslagen von Peter Johns

Hab Sex mit jemandem, den du liebst

Kein Buch mit dem Titel "How To Live" kommt um das Thema Sex herum. Ich habe versprochen, keine Moralpredigten zu halten, also beschränke ich mich auf zwei Beobachtungen aus meinen eigenen Erfahrungen: Sex mit jemandem, den du nicht kennst oder besonders magst, ist selten befriedigend. Sex mit jemandem, den du liebst und der dich liebt, ist normalerweise großartig, manchmal sogar überirdisch. Alles dazwischen liegt bei dir.

Trink ruhig Alkohol (aber nicht so viel wie ich!)

Als begeisterter und regelmäßiger Alkoholkonsument, bin ich krankheitsberechtigt kompetent, zu diesem Thema ein paar leidenschaftslose Ratschläge zu geben. Ein paar Gründe, warum es nicht okay ist, regelmäßig oder übermäßig zu trinken: Was du betrunken getan hast, kann dich verlegen machen oder beschämen; das Risiko von physischer Gewalt und nicht-einvernehmlichem Sex erhöht sich; Trunkenheit und ihr naher Verwandter, der Kater, erschweren die anderen Verpflichtungen im Leben sowie bei der Karriere; zudem besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass du früher stirbst ohne übermäßigen Konsum. [...]

Heiße das Scheitern willkommen – es kann Erfolg nach sich ziehen

Hab keine Angst vor Misserfolg. Sei sogar stolz darauf. Ein Mensch, der nie gescheitert ist, hat auch nie etwas gewagt. Erfolgreiche Menschen umschiffen nicht den Misserfolg, sie haben Erfolg, weil sie nicht aufgeben. Wir lernen aus unseren Fehlern und ohne zu verstehen, warum etwas schiefging, können wir letztendlich unmöglich gewinnen. [...]

Nutze die Chancen, die das Leben dir bietet

Wann immer sich dir Gelegenheiten bieten, nutze sie. Sich sie entgehen zu lassen, verschließt gleichzeitig Türen – meist für immer. Als ich 32 Jahre alt war, wurde ich gefragt, ob ich aus unserem Londoner Büro in die neue Niederlassung nach Hongkong übersiedeln würde. Damals erschien die Welt viel größer, die Menschen waren provinzieller. Viele hätten einen Umzug nach Asien als zu riskant und exotisch abgelehnt – glücklicherweise tat einer meiner Kollegen genau das. Also wurde ich gefragt.
Der Tag meiner Abreise war ein Wendepunkt für mein ganzes Leben. Von da an wurde alles anders. Fast alles, was ich bis dahin getan oder erreicht hatte, war mittelmäßig oder schlechter. Fast alles danach schien von Erfolg gekrönt. Hätte mein Kollege sich nicht gegen diese Chance entschieden, wäre mein Leben ganz anders verlaufen. Unter anderem wäre ich deiner Mutter nie begegnet und du wärst nicht auf der Welt.

Wenn es sich richtig anfühlt, gib alles

Deiner Mutter bin ich das erste Mal beim Abendessen in der Wohnung eines Freundes in Hongkong begegnet. Sie war erst kürzlich angereist und kannte kaum jemanden. Sie schaute sich um und fragte, ob jemand Tennis spiele. Meine Hand war schon in der Luft, bevor sie den Satz zu Ende gesprochen hatte.
Nun, eigentlich spielte ich gar kein Tennis – jedenfalls nicht seit meinen Kindertagen – deshalb musste ich mir vor unserem ersten Match neue Sportkleidung und einen Schläger kaufen. Der Zufall wollte es, dass deine Mutter ihren Schläger nicht mit nach Hongkong gebracht hatte – also kaufte ich auch einen für sie. Du magst jetzt glauben, dass seien aber ganz schön hohe Ausgaben gewesen, zwei Tennisschläger und ein Outfit, doch keine Investition hat mir jemals so einen hübschen Gewinn eingebracht.
Wenn du also glaubst, etwas sei das Richtige für dich, gib alles. Wenn du die Gelegenheit nicht ergreifst, wenn sie sich bietet, verlierst du es womöglich für immer.

Beginne jeden Tag mit einem positiven Gedanken

Im Laufe des Lebens erlebt jeder Mensch schlimme Dinge. Sie bringen Trauer mit sich und das Gefühl, damit nicht fertig zu werden. Manchmal fällt nicht nur das Herz in ein schwarzes Loch, sondern der Kopf, der Magen und die Knie folgen.
Solche Zeiten habe ich mit dir erlebt. Zum ersten Mal, als bei dir mit neun Jahren ein malignes Lymphom diagnostiziert wurde. Zum zweiten Mal, als wir erfuhren, dass ein zweiter Tumor wuchs und nicht erwarten durften, dass du überlebst. Uns wurde gesagt, dass du in deinen letzten Tagen die beste verfügbare Palliativmedizin bekommen würdest.

Ich kann mich nicht an alles erinnern, was ich in dieser schrecklichen Zeit gedacht habe. Ich weiß, dass Trauer zum Leben gehört und dass wir alle zu viel erleiden müssen, bevor wir sterben. [...] Positives Denken gehört auch zu unserem inneren Dialog. Du musst versuchen, dich selbst davon zu überzeugen, dass deine Taten positive Auswirkungen haben und dass du für dein Glück verantwortlich bist.

Such dir ein Vorbild und mach es wie er

Du magst dich fragen, wie ich meine Karriereziele erreicht habe. Ein Weg war Beobachtung. Ich schaute mir an, was die erfolgreichsten Menschen in der Bank trugen, wie sie aussahen, was sie dachten, wie sie redeten und sich benahmen. Ich habe das kopiert.
Meine Anzüge waren immer dunkelblau oder dunkelgrau und die meisten Hemden für die Arbeit weiß – denn vor 35 Jahren habe ich mich entschieden, eine erfolgreiche Person, mit der ich arbeitete, als meinen Lehrmeister zu betrachten und kopierte seinen Kleidungsstil. Dieser Mensch machte Karriere und wurde eine Person des öffentlichen Lebens und Mitglied des Oberhauses.

Freundschaft ist mehr als Facebook

Viele Leute deines Alters bleiben über soziale Medien in Verbindung, wo auch immer in der Welt sie gerade sind. Wir dagegen hatten damals Festnetz und Briefe. Das hatte zur Folge, dass ich, zu meinem größten Bedauern, den Kontakt zu vielen engen Freunden aus meinem früheren Leben verloren habe. Mit drei anderen verabredete ich, dass wir uns jeden ersten Freitag im Monat auf einen Drink treffen. Wir hofften, dass unsere monatliche Routine kombiniert mit Strafzahlungen bei Nichterscheinen, die ein jährliches Ausflugswochenende im Oktober finanzieren sollten, wenigstens für ein paar Jahre tragfähig wäre. Vierzig Jahre später ist nicht ein einziges Treffen ausgefallen. Ich würde dir nicht unbedingt die gleiche Strategie empfehlen, aber ich bin überzeugt davon, dass mehr dazu gehört, Freundschaften zu erhalten als Facebook-Nachrichten auszutauschen.

Peter Johns hat noch viele weitere Tipps für seine Tochter, sie erscheinen am 13. September 2016 in seinem Buch "How To Live – A User's Guide" auf Englisch im Verlag Clink Street Publishing. Für 8,62 Euro hier bestellbar.

bal

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