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SEXGEFLÜSTER: Von Salatgurken, Spargel und Radieschen

Die Größe und Dicke des besten Stückes ist für jeden Mann ein unerschöpfliches Thema. Für Frauen auch ? aber wahrscheinlich in ganz anderer Hinsicht, als sich die Herren vorstellen können.

Es war einmal, da trafen sich die Wölfe des Waldes auf einer Lichtung am Fluss, um miteinander ihre Schwänze zu vergleichen. Wer hat die längste, die dickste, die buschigste Rute? Wer kann am schnellsten mit dem Schwanz wedeln, welcher Anhang ist am gleichmäßigsten bewachsen, welcher Schweif weist gar eine kecke Krümmung auf? Nach vollzogenem Vergleich wurde das Rudel neu sortiert. Obwohl er nicht im geringsten über Führungspersönlichkeit verfügte, überließen die durchschnittlich ausgestatteten Tiere dem Wolf mit dem dicksten und längsten Schwanz von nun an die Leitung. Triumphierend stolzierte der herum, präsentierte pausenlos seinen naturgegebenen Giganten und brachte durch diesen Anblick ein gutes Drittel des Rudels dazu, gedemütigt winselnd auf dem Bauche davon zu kriechen.

Was aus ihnen geworden ist, werden wir wohl nie erfahren. Wahrscheinlich war für diese Zu-kurz-Gekommenen der Appetit auf die Rotkäppchen dieser Welt nun ein für alle mal gestorben oder konnte nur nach jahrelanger Therapie beim Uhu wieder hervorgekitzelt werden. Einige der Bürzelträger werden sich wahrscheinlich von vorn herein nur noch an Großmütter gehalten haben. Andere entsagten den Freuden des Wolfseins ganz und mutierten zum Rehpinscher. Und obwohl sie die Sehnsucht nach dem aufregenden Wald quälte, waren sie der festen Überzeugung, ihm nicht gewachsen zu sein. Sie wurden zu trägen, lustlosen Schoßhündchen und starben früh an Frustrationen und Magengeschwüren.

Nur ganz wenige der überführten Kurzschwänzer dachten über die Vergleichsaktion nach. Und kamen zu dem Schluss, dass sie solange vollwertige Wölfe wären, wie sie geschmeidige Muskeln, Klugheit und feste Zähne besäßen. Sie führten ein ausgefülltes, freudvolles Leben in einem anderen Wald. Und wenn sie nicht gestorben sind...

Was für eine Geschichte! Absurd und lächerlich, nicht wahr? Keinem Wolf würde es je einfallen, seinen Körperbau mit anderen zu vergleichen und im wahrsten Sinne des Wortes den »Schwanz einzuziehen«, wenn dieser Vergleich für ihn nicht zufriedenstellend ausfällt. Männliche Menschen jedoch ? die vernunftbegabtesten Tiere ? beäugen die Brust- und Schambehaarung sowie die Schwanzgröße ihrer Geschlechtsgenossen und vergleichen sie mit der eigenen Ausstattung. Da wird über Kleines gewitzelt, Länge und Prallheit neidvoll bestaunt und Status neu vergeben.

Sehen wir mal von der Tatsache ab, dass diese Duschraum-Aktivitäten komplett sinnfrei sind, wären sie ja theoretisch kein Problem. Wenn sie praktisch nicht solche Auswirkungen hätten, insbesondere auf uns Frauen.

Fragen Sie sich jetzt, welche Auswirkungen?! Na ganz klar: Frauen legen nun mal im Normalfall viel Wert auf ein unverklemmtes, gesundes, erfülltes und befriedigendes Liebesleben. Und wenn sie hetero sind, wollen sie das mit einem Mann... Wohlbemerkt einem MANN, keinem Schwanzträger. Doch wer seine Sexualität an der Schwanzgröße misst, dem fehlt zum Mannsein jede Menge. Was uns dann wiederum unzufrieden macht. Fazit: Fein, dass jeder Mann einen Penis hat. Aber damit ist es ja noch lange nicht getan.

Natürlich habe ich in meinem Leben auch mit den unterschiedlichsten Penisgrößen zu tun bekommen und die verschiedensten Erfahrungen gemacht.

Was nutzte mir beispielsweise der gigantische Schwanz von Harry, wenn er dachte, allein sein Anblick reiche schon, um mir die orgiastischsten Freudentränen in die Augen zu treiben? Mal ganz davon abgesehen, dass er keine Veranlassung sah, im Liebesspiel irgend etwas anderes als seine Salatgurke zum Einsatz zu bringen, konnte er mit ihr auch nicht umgehen. Beim Sex rammelte er einfallslos und unsensibel drauf los, was dazu führte, dass sein Riesenteil während dieser Presslufthammerattacken immer an meinen Muttermund stieß. Und das tut schlicht und ergreifend weh. So schickte ich Harry samt seinem nutzlosem Schwanz wieder zurück in den Duschraum, wo er sich wahrscheinlich heute noch sinnlos spreizt.

Auch Micha war reichlich bestückt, doch er hatte gelernt, wie man dem Körper einer Frau Lust bereitet. Durch intensives, gefühlvolles Vorspiel vorbereitet, nahm meine Muschi seinen Prachtpenis schmerzlos auf und genoss das Gefühl des »sich vollständig ausgefüllt Fühlens«. Da Micha auch mein Perlchen nicht links liegen ließ, war alles schön. Allerdings gab es auch hier Wermutstropfen: Mit einem solch kolossalen Penis kommen einige Stellungen einfach nicht in Frage. Und ausgiebiges Fellatio gestaltete sich zu einer schwierigen Angelegenheit, denn der Mund ist leider nicht so dehnbar wie die Scheide. Oft protestierte schon nach kurzer Zeit der Kiefer, meine Mundwinkel rissen ein und die Geschichte mit dem Würgereflex trug auch nicht zur prallen Freude bei.

Stefans Schwanz war eher von der kleinen, aber dicken Sorte. Wie er mir anvertraute, gehörte er zu denen, die seit frühester Pubertät mit dummen Bemerkungen zu kämpfen gehabt haben. Doch bei ihm führten die Hänseleien erfreulicherweise nicht zu Komplexen, sondern zur Virtuosität. Dieser Mann konnte mit Händen, Lippen, Zunge und seinem besten Freund zaubern, dass mir Hören und Sehen verging. Muss ich erwähnen, dass ich dieses Radieschen nicht nur unglaublich delikat, sondern auch wunderschön fand?

Dann gab es noch Mirko. Mirkos Handicap war ein zwar langer, aber sehr dünner Penis. Als wir das erste Mal miteinander geschlafen hatten, spürte ich wirklich nicht, ob er schon in mir war oder nicht - was uns beide natürlich zunächst einmal verunsicherte. Doch was soll?s? Ich war bis über beide Ohren in diesen Mann verliebt und dementsprechend motiviert, auch hier das Beste draus zu machen. Und es ging: Mein Anteil war verstärktes Training des PC-Muskels, seiner bestand darin, den optimalen Umgang mit meinem Kitzler zu lernen, während er in mir war - was wiederum zu verstärktem unwillkürlichen Zusammenziehen meiner Beckenmuskeln führte. Wir hatten Spaß ? und was für welchen!! Im Laufe unserer Beziehung blühte der vormals komplexbehaftete Mirko auf und konnte bald sogar herzhaft über den Spitznamen lachen, den ich seinem Schwanz liebevoll angedeihen ließ: Mein Spargeltarzan.

Natürlich sind die meisten Männer sehr durchschnittlich bestückt, wobei auch diese Angaben noch variieren. Laut Kinsey-Studie liegt die Penisgröße bei durchschnittlich 15,2 cm. Aus eigener Erfahrung würde ich sogar noch etwas heruntergehen und sehe den Durchschnitt eher bei erigierten 14 cm. Doch ob 12 oder 19 cm ist einfach mal schnurzegal. Hauptsache, das »Gesamtkunstwerk Mann« weiß, wie er mit Haut, Haar, Hirn, Händen, Lippen, Zunge und natürlich dem naturgegebenem besten Stück Freude spenden kann. Das einzige, das wirklich gnadenlos abtörnt, ist ein verklemmter, komplexbeladener Kerl, der am besten noch schamhaft im Dunkeln unter die Bettdecke schlüpft und nicht weiß, was er dort mit uns Frauen anstellen soll. Warum ist das für viele Männer so schwer zu begreifen?

Natürlich war ich neugierig und bin in Vorbereitung dieser Kolumne durch die unterschiedlichsten Internetforen gesurft. Und was musste ich da lesen? Immer wieder tauchten die verzweifelten, sorgenvollen Anfragen wegen zu kleiner Penisse auf. Hemmungen über Hemmungen, wohin ich auch schaute. Ein ganz Gramgebeutelter hat sogar seinen Selbstmord angekündigt ? nicht zu fassen! Andererseits gab es da die Offerten für den PeniStretcher, Programme, die für viel Geldeinsatz 25 cm in Aussicht stellen, Angebote für Verlängerungsoperationen und andere Unsäglichkeiten.

Liebe Männer!

Ich fordere Euch jetzt bewusst nicht dazu auf, darüber nachzudenken, warum wir Weiber keine Vergleiche über Form, Länge, Farbe und Dicke unserer Schamlippen anstellen. Sicher, wir sind nicht frei von Gegenüberstellungen - aber das ist eine andere Kolumne.

Doch ich bitte Euch sehr, Eure Nerven, Eure Kraft, Eure Zeit und Euren Ehrgeiz nicht mehr mit Gedanken über die Penisgröße zu verschwenden. Weder gibt es Veranlassung, auf eine »Salatgurke« stolz zu sein, noch Grund für geringes Selbstwertgefühl, wenn Ihr ein »Radieschen« Euer eigen nennt oder als »Spargel« ausgestattet seid. So hat Euch - ohne Eigenverschulden - die Natur nun mal geschaffen, ob es Euch nun passt oder nicht. Freut Euch doch viel lieber darüber, dass Ihr überhaupt so ein faszinierendes Teil habt und welche schönen Gefühle es bescheren kann!

Außerdem ist die Größe, Breite, Höhe und Krümmung uns Frauen meist ziemlich egal, solange Ihr auch mit dem Rest Eures Leibes und vor allem mit uns umzugehen versteht. Wir wollen Feuerwerk - und um das zu entfachen, braucht es so viel mehr als einen Schwanz!

Last but not least habe ich nicht umsonst die Gemüse-Metapher gewählt: Ob Gurke, Radieschen oder Spargel, alles ist gesund, kann abwechslungsreich zubereitet werden und ist sehr lecker - wenn gewaschen und gepflegt.

In freudiger Erwartung auf Ihre Meinungen und Abenteuer verbleibt bis zur nächsten Woche

Ihre Hannah Garbaty

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