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Ein Bild und seine Geschichte: Überleben mit Aids

Mariam und ihr Mann sind HIV positiv. Auch Kassi, der jüngste von drei Söhnen des Paares aus Mali, trägt das Virus in sich. Eine internationale Hilfsorganisation verschafft ihm besondere Medikamente. Der Dreijährige ist nicht geheilt, aber er lebt. Die Bilder von Paolo Pellegrin erzählen vom Überleben.

Von Philipp Gülland

Kassis Schatten fällt auf die kahle Wand, an der er lehnt. Fensterlicht streift über das kleine Gesicht des Jungen, lässt seine großen Augen glänzen und die linke Wange im Dunkel verschwinden. Die vollen Lippen unter der Kindernase formen einen ernsten Mund. Im Hintergrund wogen die Falten eines geblümten Vorhangs. Ein Moment der Stille. Einer jener Momente die ahnen lassen, dass Kassi Keita kämpft.

"Kassi wurde krank", erzählt Mutter Mariam. "Er hatte viel Fieber und Durchfall. Im Krankenhaus haben sie viele Untersuchungen und Tests durchgeführt." Die Diagnose ist niederschmetternd: Der Junge hat Aids. Zwei Prozent der zwölf Millionen Einwohner Malis leiden daran. Kassi ist einer von 240.000.

Die Hälfte seines kurzen Lebens war der Dreijährige für alles zu schwach: für den Alltag, um zu spielen, die Welt zu entdecken, zu lachen. Doch jetzt ist es besser geworden, er bekommt Medikamente, die die Aubreitung des Virus im Körper verhindern. Kassis Krankheit ist nicht heilbar, zu geschickt versteckt sich das HI-Virus im Körper und verändert sich immer wieder. Aber die Behandlung schenkt dem Jungen jene Lebensqualität, die das Virus ihm nahm.

Lebensqualität

Aus der Krankheit, die zu viele Menschen seit ihrem gehäuften Auftreten vor rund 25 Jahren noch immer als Problem von Homosexuellen und Drogenabhängigen abtun, ist längst eine Pandemie geworden - eine weltumspannende Seuche. Mehr als 30 Millionen Todesopfer hat die Immunschwäche im zurückliegenden Vierteljahrhundert gefordert. Besonders schlimm trifft es Afrika. Südlich der Sahara tragen mehr als 20 Millionen Menschen das Virus in sich. Mali, im Herzen des schwarzen Kontinents, ist eines jener von der Seuche gezeichneten Länder. Armut und Unwissenheit bieten der Krankheit fatalen Nährboden.

Die Präsidialrepublik gilt als Musterbeispiel für gelungene Demokratisierung, zählt jedoch gleichzeitig zu den ärmsten Ländern der Welt. In Mali, wie überall in Afrika, kämpft man gegen die rasende Verbreitung des HI-Virus: Mit Aufklärungskampagnen, Gratis-Kondomen, Tests und virushemmenden Medikamenten will man die Seuche aufhalten, der unter anderem traditionelle Polygamie den Weg bereitet.

Stigma und Emotionen

Es ist ein schwieriger, auch immer wieder aussichtslos scheinender Kampf, den der Fotograf Paolo Pellegrin dokumentiert. Acht Menschen begleitet er vor der Behandlung mit den lebensrettenden antiretroviralen Medikamenten und vier Monate später. "Was ich in Mali gesehen habe, ist so ein riesiger Sprung nach vorne, wie es nur vor ein paar Jahren noch völlig undenkbar war", fasst er seine Eindrücke zusammen.

Aids sei immer noch ein Stigma. Viele der Betroffenen weigern sich, draußen fotografiert zu werden. Die Ausbreitung des Virus zu verhindern, sei eine große Herausforderung. Auch, weil die Vielehe in Mali eine lange Tradition habe. "Wenn man als Fotograf unter solchen Umständen arbeitet, dreht sich alles um Emotionen", so Pellegrin später. "In Kassis Fall waren diese Gefühle besonders stark, weil er so ein kleines, niedliches Kind war."

Manchmal gebe es so eine eigenartige unmittelbare Verbindung mit einem anderen Menschen, sagt der Magnum-Fotograf. Von den Menschen, die Pellegrin für die Hilfsorganisation Global Fund im Rahmen des Projektes "Access To Life" porträtiert hat, sei das bei Kassi und seinem Vater der Fall gewesen: "Obwohl wir - zumindest verbal - kaum kommunizieren konnten, hatte ich sofort große Empathie für dieses Kind, diesen jungen Mann."

Jetzt können wir spielen

"Ich wollte, dass Kassi in die Schule geht, sobald er drei ist", erzählt Kassis Mutter Mariam. Aber aufgrund seines Gesundheitszustandes habe er nicht gehen können. "Jetzt, wo er sich besser fühlt, möchte ich, dass er geht. Das ist mir sehr wichtig." Vor der Behandlung sei er sehr schwach gewesen. "Er hat immer an mir gehangen und kaum das Bett verlassen können. Sie könne sich noch genau an den Tag erinnern, als Kassi wieder zu spielen begann: "Bei meiner Mutter in Djilebougou hat er ein Fahrrad gesehen und gesagt, 'Mama, kaufst Du mir ein Fahrrad?' Ich fragte, 'Hey, du kannst Fahrrad fahren?', und er sagte 'Ja, kann ich ich. Ich möchte ein Fahrrad.' Dann hat er bis zum frühen Abend mit seinen Cousins gespielt." Sehr glücklich habe sie das gemacht.

Kassis großer Bruder Souleymane, neun, sagt: "Vorher war Kassi krank. Er konnte nicht mit uns spielen. Jetzt geht es Kassi gut. Jetzt können wir spielen." Die Medikamente bewirken bei Kassi ein kleines Wunder, der kleine Junge genießt in Riesenschritten seine Kindheit.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(