Foto-Wettbewerb Der Karriere-Klick


Ein gängiges Klischee lautet: Von Kunst kann man nicht leben. Die Sieger des Foto-Wettbewerbes "gute aussichten" wollen das Gegenteil beweisen. Ihre Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen soll ein Karrieresprungbrett sein.
Von Kai Behrmann

Im Volksmund wird Kunst häufig als brotlos bezeichnet. Der Anteil der freischaffenden Künstler, die von ihrer Arbeit tatsächlich leben können, ist sehr gering. Das gilt auch für den Bereich Fotografie und Grafik-Design. "Von den jährlich ca. 1000-1500 Hochschulabgängern schaffen es vielleicht 5 Prozent, sich in der Kunstszene einen Namen zu machen", sagt Ingo Taubhorn von den Deichtorhallen in Hamburg. Alles andere als gute Aussichten also für junge Nachwuchs-Künstler, deren Ziel es nicht ist, später Fotos für Versandhaus-Kataloge zu machen.

Neben einer qualifizierten Ausbildung gehört auch eine gehörige Portion Glück zu einem erfolgreichen Start ins Berufsleben. Bei den zehn Kunsthochschulabgängern, die ihre Arbeiten ab heute zwei Wochen lang in den Deichtorhallen in Hamburg ausstellen dürfen, kommt beides zusammen.

Eine Expertenjury hatte sie zuvor im Rahmen des zum ersten Mal ausgeschriebenen Wettbewerbs "gute aussichten - junge deutsche fotografie 2004/2005" aus zahlreichen Einsendungen ausgewählt. Wie die Initiatorin des Projektes und Jurorin Josefine Raab betonte, sei die Qualität aller Beiträge außergewöhnlich hoch gewesen. Am Ende hätten Kleinigkeiten den Ausschlag gegeben, für wen die Jury den Daumen gehoben hat und für wen nicht.

Zwei der Auserwählten heißen Bianca Gutberlet (31) und Andreas Rose (30). Beide haben vor kurzem die schützenden Mauern ihrer Hochschulen in Dortmund und Bielefeld verlassen und müssen sich jetzt auf dem hart umkämpften Kunstmarkt durchboxen. "Es wird immer schwieriger, talentierte Künstler an den Hochschulen davon zu überzeugen, eine Karriere als freischaffende Künstler einzuschlagen", verrät Josefine Raab. Häufig locke das schnelle Geld von zahlungskräftigen Auftraggebern aus den Medien oder der Werbung.

Eine Chance für den Nachwuchs

Mit dem Enthusiasmus und der Energie eines frischgebackenen Hochschulabschlusses sei der Start ins Arbeitsleben meistens auch nicht besonders schwierig, erklärte Raab. Das Schwierige sei allerdings, sich seine Kreativität über einen längeren Zeitraum zu erhalten. Um das Ausbrennen junger Talente zu verhindern, möchte das Projekt "gute aussichten" dem Nachwuchs eine Plattform bieten, sich frei zu entfalten und ihre Arbeiten einem breiten Publikum zu präsentieren.

Andreas Rose ist sich dieser Probleme bewusst. Trotz düsterer Prognosen blickt er jedoch optimistisch in die Zukunft. Er sei sich darüber im Klaren, dass er einen langen Atem brauchen werde, um sich in der Kunstszene einen Namen zu machen. Der Anfang sei allerdings durch die Ausstellung seiner Abschlussarbeit "alles bleibt; anders" in den Hamburger Deichtorhallen gemacht. "Es macht mich schon stolz, meine Arbeit in dieser Form einer breiten Öffentlichkeit zeigen zu dürfen", so der 30-Jährige. "Wie in jedem anderen Beruf sind auch in der Kunstbranche gute Referenzen das A und O für den Erfolg."

Im Vergleich zu den anderen Gewinnern des Wettbewerbs "gute aussichten" sieht sich Rose als eine Art Exot. Sein Thema "alles bleibt; anders" hat er nicht fotografisch umgesetzt, sondern per Videoinstallation. Auf verschiedenen Monitoren wird jeweils eine Szene dargestellt, in der Langsamkeit und Stillstand in einer ansonsten immer schneller werdenden Welt symbolisiert wird. "Das Gefühl in meiner Arbeit ist vergleichbar mit der Situation, wie ich sie insgesamt in Deutschland seit Jahren wahrnehme. Der Fluss ist raus, nichts scheint sich mehr zu bewegen", erklärte Rose.

Mehr Möglichkeiten durch Flexibilität

Die Videoinstallation sei zwar als Kunstform schwerer zu verkaufen und auszustellen als Fotografien. Allerdings liege in seiner Flexibilität, mit verschiedenen Medien arbeiten zu können, auch ein großer Vorteil. Ihm eröffnen sich dadurch mehr Möglichkeiten. "Ich arbeite medienunabhängig. Entscheidend ist, welches Medium sich am besten dazu eignet, ein bestimmtes Thema angemessen umzusetzen und darzustellen", beschreibt der junge Künstler seinen Arbeitsstil.

Bianca Gutlebert teilt die Meinung von Andreas Rose, dass die Ausstellung in den Deichtorhallen ein gutes Karrieresprungbrett sei. "Dadurch hebt man sich von der Masse ab und kann auf sich aufmerksam machen", sagt die 31-jährige Absolventin des Fachbereichs Fotodesigns der Fachhochschule Dortmund. Obwohl sie am Liebsten mit dem Medium Fotografie arbeitet, ist auch für Gutlebert das Medium zweitrangig. "Am wichtigsten ist es, dass die Idee angemessen transportiert wird." Besonders fasziniert ist die in Paris lebende Künstlerin von Themen über Glück und Idylle in der Gesellschaft.

Realistische Idealisten

Diese hat Gutberlets auch in ihrem Ausstellungsbeitrag mit dem Titel "Lubberland", Schlaraffenland, verarbeitet. Ihre Fotografien zeigen den Mythos vom Schlaraffenland anhand von Szenen aus dem alltäglichen Leben. "Ich habe versucht, die heutige Konsumwelt an Beispielen wie Essen, Vergnügung oder Spiel als modernes Schlaraffenland darzustellen", gibt Gutlebert einen Einblick in ihre Arbeit.

Bei allem Idealismus, sich als freischaffende Künstler auf dem Kunstmarkt etablieren zu wollen, haben die beiden Nachwuchskünstler den Blick für die Wirklichkeit nicht verloren. "Natürlich ist es das Ziel, seine Kunst nach eigenen Vorstellungen umsetzen und ausstellen zu können", so Rose. Der finanzielle Aspekt müsse allerdings auch stimmen.

Ausstellungsort: "Internationales Haus der Photographie", Deichtorhallen/Hamburg
Zeitraum: 7. bis 20. Januar 2005
Öffnungszeiten: Di-Do 11.00 - 18.00 Uhr
Eintrittspreise: 7,- Euro, ermäßigt 5,- Euro, Familienkarte 9,50 Euro
Homepage: www.guteaussichten.org


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