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Kunst: "Junge Frau am Virginal" sorgt für Sensation

Nach jahrelangem Expertenstreit über die Echtheit des Bildes, ist die "Junge Frau am Virginal" von Johannes Vermeer für 24,26 Millionen an einen anonymen Käufer versteigert wurden.

Das wegen seiner Echtheit heftig umstrittene Gemälde "Junge Frau am Virginal" von Johannes Vermeer (1632-1675) sorgte bei Sotheby’s in London für eine kleine Sensation: Das nur 20 mal 25 Zentimeter große Bild des holländischen Meisters wurde nach einem heftigen Bietergefecht am Mittwochabend für 24,26 Millionen Euro einem anonymen Käufer zugeschlagen. Damit wurde der Schätzpreises von 4,5 Millionen Euro um mehr als ein Fünffaches übertroffen. "Ich bin hocherfreut, dass der Markt die Begeisterung der Experten teilt", sagte Sotheby’s Experte Gregory Rubinstein.

Dritthöchster je erzielter Preis

Insgesamt sieben Interessenten hatten laut Sotheby’s für das Werk geboten. Der gesetzte Mindestpreis war schon in wenigen Minuten überschritten. Als der Hammer fiel, hatte der "kleine Vermeer" den dritthöchsten Preis erreicht, der jemals weltweit für einen Alten Meister erzielt wurde. Zum letzten Mal war 1921 ein Gemälde von Vermeer zur Auktion gekommen, aber nicht versteigert worden. "Es ist höchstwahrscheinlich, dass in Zukunft nie wieder ein Vermeer zur Auktion gelangt", schrieb der "Guardian" (Donnerstagausgabe). Von dem holländischen Meister, der mit 43 Jahren starb, sind insgesamt nur 36 Werke überliefert.

Das Gemälde, das eine junge Frau an einem Musikinstrument sitzend zeigt, war das letzte Werk von Vermeer, das sich noch in Privatbesitz befand. Henry Wyndham, Präsident von Sotheby’s und Auktionator des Abends, zeigte sich "sehr zufrieden" mit dem Ergebnis, das "schwer vorherzusagen" gewesen sei. "Gute Bilder verkaufen sich eben immer", meinte der unterbotene holländische Kunsthändler Robert Noortman in London.

Ist das Bild echt?

Um die Echtheit des Gemäldes hatte es einen jahrelangen Expertenstreit gegeben. Erst vor wenigen Monaten schrieb eine achtköpfige Expertenkommission das Bild eindeutig Vermeer zu. Es war in Verruf geraten, nachdem der Meisterfälscher Han van Meegeren zugegeben hatte, während des Zweiten Weltkriegs sieben gefälschte Vermeers an Sammlungen in alle Welt verkauft zu haben. Der belgische Baron Frédéric Rolin hatte das Gemälde 1960 in London dennoch gegen vier Werke von Klee, Bonnard, Signac und Riopelle getauscht und es 1993 zu Rubinstein gebracht. Es hatte sich zuvor vorübergehend im Besitz des irischen Sammlers Alfred Beit befunden.

Bei den akribischen wissenschaftlichen Analysen wurde das kaum DIN A4-große Bild mit anderen Vermeers in der Londoner National Gallery verglichen. Experten der Universität London nahmen umfangreiche Farb- und Leinwandanlysen vor. Schließlich wurde das Gemälde von Martin Bijl vom Rijksmuseum in Amsterdam restauriert. Nach Ansicht der Experten sprach für einen echten Vermeer zum Beispiel die Verwendung von Ultramarin, hergestellt aus dem teuren Lapislazuli.

Während andere Maler die wertvollen blauen Pigmente nur an auffälligen Stellen einsetzen, verwendete es Vermeer auch als Grundlage. Für Zweifel an der Echtheit des Bildes hatten unter anderem qualitativ angeblich nicht an Vermeer heranreichende Partien in dem gelben Schal der jungen Frau gesorgt. Im Vergleich zu ihrem Rock hielten Kunstexperten die Falten des Schals für "wenig differenziert" gemalt.

Die Liste der teuersten Gemälde Alter Meister wird nach wie vor von Peter Paul Rubens angeführt, dessen Bild "Massaker an den Unschuldigen" vor zwei Jahren ebenfalls bei Sotheby’s in London für 77 Millionen versteigert worden war. Der Gesamterlös der Auktion Alter Meister vom Mittwochabend betrug laut Sotheby’s 44,5 Millionen Euro.

Laura Sunder-Plassmann / DPA / DPA