HOME

Kunst-Ausstellung: Gründungsjubiläum der "Brücke"

Vier Dresdener Architekturstudenten schlossen sich vor 100 Jahren zur Künstlergemeinschaft "Brücke" zusammen, um neue Wege der Kunst zu beschreiten, und prägten damit den deutschen Expressionismus.

Zum 100-jährigen Gründungsjubiläum der Künstlergemeinschaft "Brücke", eine der bedeutendsten Vereinigungen des deutschen Expressionismus, zeigt das Bucerius Kunst Forum in Hamburg eine besondere Ausstellung: Erstmals werden Gemälde, Zeichnungen und Graphiken der "Brücke"-Künstler wie Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff Werke der Pioniere der Moderne wie Vincent van Gogh, Paul Gauguin und Edvard Munch gegenüber gestellt. Die Ausstellung "Die Brücke und die Moderne 1904- 1914" vom 17. Oktober bis zum 23. Januar umfasst 45 Gemälde, 100 Zeichnungen und Holzschnitte sowie weitere Objekte und Skizzenbücher.

Fortwirkendes künstlerisches Ereignis

"Der Zusammenschluss von vier jungen Künstlern zur Künstlergemeinschaft 'Brücke' vor 100 Jahren zählt zu den wichtigsten, lange fortwirkenden künstlerischen Ereignissen des frühen 20. Jahrhunderts", sagte der künstlerische Leiter, Prof. Heinz Spielmann, am Donnerstag in Hamburg. Die Künstler seien jedoch nicht, wie oft verbreitet, Autodidakten gewesen, sondern nahmen in ihren Arbeiten unterschiedlichste Anregungen auf. "Bereits während ihres Studiums in Dresden lernten die jungen Maler die dem französischen Impressionismus verpflichtete Freilichtmalerei kennen."

Aktzeichnungen von Gustav Klimt und die Zeichnungen von Auguste Rodin bestärkten die Maler in ihrem Verfahren des spontanen Zeichnens. Es entstanden die so genannten Viertelstundenakte, deren Unmittelbarkeit zu einer der wichtigsten Grundlagen des Expressionismus wurde. Auch der Einfluss Vincent van Goghs auf die Entwicklung der "Brücke" ist von grundlegender Bedeutung. Wie Fritz Schumacher, der Lehrer von Bleyl, Heckel und Kirchner, festhielt, gerieten seine Schüler "außer Rand und Band", als sie 1905 die Van Gogh-Ausstellung in Dresden sahen. Das Ergebnis spiegelt sich in der Leuchtkraft und im Malduktus der seitdem entstehenden Bilder.

Von der Südsee nach Fehmarn und Hiddensee

Die Begeisterung für die Südsee, die sie mit Paul Gauguin teilten, führte die Künstler in das Dresdner Völkerkunde-Museum. Ihre Besuche dort weckten unter ihnen auch das Interesse für die Skulptur Zentralafrikas. Sie verrät sich in Gemälden und Druckgrafik, vor allem auch in der Skulptur der "Brücke", welche die fremden Eindrücke mit der europäischen Tradition vereint. Was Gauguin in der Südsee gefunden hatte, suchten die Maler seit 1908 im Oldenburgischen Dangast, an den Moritzburger Teichen bei Dresden, auf Hiddensee, auf Fehmarn und an der Kurischen Nehrung: ein von der Zivilisation unberührtes Arkadien, ein Leben im Einklang mit der Natur.

DPA / DPA