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Kunstmuseum: Das MoMA hat ein neues Zuhause

Rund eine halbe Milliarde Dollar hat die Modernisierung und Erweiterung des MoMA gekostet. Am kommenden Samstag öffnet das berühmte Kunstmuseum in New York seine Pforten.

Manhattan als Mikrokosmos. So beschreibt der japanische Architekt Yoshio Taniguchi sein jüngstes Werk. "Nichts anderes als Manhattan selbst" sei das Modell für das neu gestaltete Museum of Modern Art, das nach dreijähriger Bauzeit nun wieder seine Pforten öffnet. "Der Skulpturengarten im Zentrum des MoMA steht für den Central Park, und die Museumsbauten ringsherum stehen für die Häuser der City mit ihren verschiedensten Formen und Funktionen."

Nahezu eine halbe Milliarde Dollar (rund 400 Millionen Euro) hat die grundlegende Modernisierung und Erweiterung des MoMA gekostet. Für New York wäre es völlig normal, wenn sich bei einem Projekt dieser Größenordnung auch jede Menge Kritiker zu Wort melden würden. Doch die neue Heimstatt der größten und bedeutendsten Kunstkollektion des 20. Jahrhunderts wird nahezu einhellig bejubelt.

Neuer, erhabener Glanz

Taniguchi habe das Museum nicht einfach renoviert, sondern "nahezu neu erfunden", schrieb das Stadtmagazin "New York". Er habe dem Gebäudekomplex zwischen der 53. und 54. Straße im Zentrum Manhattans einen neuen, erhabenen Glanz verliehen. Allgemein wird gelobt, dass es dem Japaner gelungen sei, die unterschiedlichen Bauten aus den Anfangsjahren mit jenen der zwei Erweiterungsphasen in den Sechzigern und Achtzigern und den jetzt hinzu gekommenen Gebäuden trotz aller Unterschiedlichkeit nahtlos und harmonisch miteinander zu verbinden.

Die Schaffung des MoMA verdankt New York einer Gruppe von ebenso fortschrittsgläubigen wie finanzkräftigen Mäzenen um John D. Rockefeller Jr., die eine neuzeitliche Alternative zum damals vorherrschenden konservativ-traditionellen Kunstbetrieb anstrebten. Als das erste MoMA-Haus am 7. November 1929 eröffnet wurde, beschrieb Gründungsdirektor Alfred H. Barr Jr. dessen Mission so: Den Menschen solle geholfen werden, nicht nur die Bildenden Künste der Vergangenheit, sondern vor allem jene ihrer eigenen Zeit verstehen und genießen zu können.

Daran, sagt MoMA-Direktor Glenn D. Lowry, habe sich ebenso wenig geändert wie am "Konzept der ständigen Evolution". "Genau wie das alte wird auch das neue MoMA ein Werk in dauernder Veränderung sein, zu dessen Mitgestaltung die Öffentlichkeit eingeladen ist."

Riesenerfolg in Berlin

Schon in den Anfangsjahren war die Reaktion des Publikums überwältigend. Tausende drängten sich vor den Toren, um Werke von Monet, Van Gogh oder Picasso, von Matisse, Kandinsky oder auch der Amerikaner Edward Hopper und Jackson Pollock zu sehen. Wie stark die Magnetwirkung Moderner Kunst auch Jahrzehnte danach ist, zeigte im Sommer die Resonanz auf die Ausstellung von rund 200 Meisterwerken aus dem MoMA in der Berliner Neuen Nationalgalerie. Mehr als 1,2 Millionen Berliner und Gäste der Stadt machten sie zu einer der erfolgreichsten Ausstellungen weltweit.

Über Ströme von Besuchern aus aller Welt konnte sich seit Juni 2002 auch die neue zweite Heimatstatt des MoMA im New Yorker Stadtteil Queens freuen, die in alten Fabrikgebäuden eingerichtet worden war. Doch selbst zusammengenommen konnten das "MoMA Queens" und die Neue Nationalgalerie nicht annähernd so viel Kunst zeigen, wie das nun im erneuerten MoMA in Manhattan möglich ist. Es ist nicht nur heller, schöner und besser klimatisiert, sondern bietet mit 58.500 Quadratmetern auch rund 50 Prozent mehr Ausstellungsfläche als das bisherige MoMA.

Dafür wurde der Museumskomplex an seiner Westseite mit einem völlig neuen Ausstellungsgebäude verbunden. Der Skulpturengarten wurde ausgedehnt, und an der Ostseite entstand in vorhandenen Bauten, die dazugekauft wurden, ein Studien- und Forschungszentrum. Parallel dazu wurde in der Regie Taniguchis das MoMA-Hauptgebäude neu gestaltet, das 1939 nach Entwürfen von Edward Durell Stone fertig gestellt und seitdem bereits drei Mal umgebaut worden war.

Freilich kann der Glanz der Einweihungsparty, zu der am 20. November Tausende New Yorker freien Eintritt haben sollen, kaum darüber hinwegtäuschen, dass auch künftig nur ein Teil der mehr als 100.000 Gemälde, Skulpturen, Grafiken, Fotos, Design-Objekte und Architektur-Modelle umfassenden Sammlung gezeigt werden kann. Allerdings bietet der stetig wachsende MoMA-Fundus, der vor 75 Jahren mit ganzen acht Kunstdrucken und einer Zeichnung begann, beste Möglichkeiten für wechselnde Themenausstellungen und damit Anreize für immer neue Besuche.

Thomas Burmeister/DPA / DPA
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