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"One Woman Show" New Yorker Museum feiert Yoko Ono


Yoko Ono ist nicht nur die Witwe von John Lennon, sondern auch Künstlerin. In den 60er Jahren sei sie "bahnbrechend" gewesen, sagt das New Yorker Museum of Modern Art und widmet ihr eine Ausstellung.

Eigentlich hatte Yoko Ono schon einmal eine Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA). Problem war nur: Das MoMA wusste nichts davon. Per Zeitungsanzeige lud die Künstlerin Ende 1971 zu einer 15-tägigen "One Woman Show". Auf dem dazugehörigen Foto fügte sie ein "F" ein und machte die renommierte Ausstellungshalle so zum "Museum of Modern FArt" - zum Museum des modernen Furzes. Vor Ort fanden Besucher dann jedoch keine Werke von Ono, sondern lediglich einen Mann mit einem Schild. Die Künstlerin habe Fliegen ausgesetzt, stand darauf, und die Menschen seien eingeladen, diesen nachzuspüren.

"Yoko hat 1971 eine Art konzeptionelles Projekt hier veranstaltet", sagt MoMA-Direktor Glenn Lowry. "Aber ich muss dazu sagen: Wir hatten keine Ahnung davon. Sie hat es einfach veranstaltet." Mehr als 40 Jahre später ehrt das Museum die 1933 in Japan geborene Künstlerin nun ab Sonntag (17. Mai) mit ihrer ersten offiziellen Werkschau. "Als Ausgangspunkt dafür haben wir die Ausstellung genommen, die sie hier 1971 hätte haben können, wenn wir vorausschauender gewesen wären und sie damals schon eingeladen hätten. Wir sind so glücklich, dass sie uns so viele Jahre später erlaubt hat, mit ihr zu arbeiten."

"Ich bin so eine Optimistin"

Nur wenige Menschen hätten ihre MoMA-Schau 1971 überhaupt mitbekommen, sagt die zierliche Witwe von Beatles-Sänger John Lennon, die zur Pressekonferenz wie immer in schwarzer Kleidung, mit schräg aufgesetzter Sonnenbrille und mit Hut erschienen ist und vor Beginn die rechte Hand rasch noch zum Peace-Zeichen in die Höhe reckt. "Dabei hatte ich sogar einen ausführlichen Katalog erstellt und dachte, die Menschen würden den kaufen - ich bin so eine Optimistin."

Aber dann bekam das MoMA vor einigen Jahren eine umfangreiche Fluxus-Sammlung geschenkt - die Kunstrichtung, der auch Ono angehört, und bei der es vor allem um die schöpferische Idee geht. "Dieses Geschenk hat die Fluxus-Sammlung des MoMA, die bis dahin schlecht bis nicht vorhanden war, zu einer der herausragendsten in Nordamerika, wenn nicht der Welt gemacht", sagt Direktor Lowry. "Und darüber wurde uns die einzigartige Rolle und Bedeutung von Yoko Ono klar."

Ein Apfel muss ersetzt werden

Wenig später klingelte in Onos Wohnung im berühmten Dakota-Gebäude am Central Park das Telefon. "Das MoMA war dran und fragte: "Wir haben hier Aufzeichnungen, dass Sie mal eine Ausstellung bei uns gemacht haben. Würden Sie uns bitte sagen, worum es dabei ging?", erinnert sich die 82-Jährige. Gemeinsam mit dem deutschen Chefkurator Klaus Biesenbach und seinem Kollegen Christophe Cherix erstellte Ono dann eine neue und diesmal ganz offizielle Schau. "Ich bin so dankbar, dass ich auf diese zwei Menschen gestoßen bin, die verstehen, was ich gemacht habe."

Die "One Woman Show" konzentriert sich auf die Jahre 1960 bis 1971 und zeigt bis Anfang September rund 125 Werke. Darunter ist selbstverständlich ein "War is Over if You Want it"-Plakat von Ono und Lennon, aber auch selten gesehene Performances, Filme, Fotos und Installationen mit viel nackter Haut. Besucher werden häufig zum Mitmachen eingeladen und können beispielsweise unter ein schwarzes Laken krabbeln, oder sich in einem Raum gegenseitig anfassen. Eröffnet wird die Schau im ersten Raum mit einem simplen knatschgrünen Apfel auf einem Glassockel. "Den werden wir wohl alle paar Tage ersetzen müssen", sagt der Museumswärter und lacht. "Das werden ganz schön viele Äpfel."

In den 60er Jahren sei Ono eine "historisch bedeutende, bahnbrechende und einflussreiche Künstlerin" gewesen, sagte Kurator Biesenbach der "New York Times". "Ihre Leistungen verschwinden inzwischen fast unter ihrer Berühmtheit - wir wollen sie wieder ausgraben."

Christina Horsten/DPA DPA

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