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Kunstprojekt: Entkleidet im Stadion

Für eine Großinstallation des US-Künstlers Spencer Tunick trafen sich fast 2000 Nackte im Wiener Ernst-Happel-Stadion - und ließen sich in verschiedenen Positionen fotografieren. stern.de präsentiert die Ergebnisse.

Fast 2000 Freiwillige sind in das Wiener Ernst-Happel-Stadion gekommen, der Endspielarena der Fußball-Europameisterschaft, um sich für eine Kunstinstallation des Amerikaners Spencer Tunick nackt auszuziehen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit gibt der Künstler Anweisungen per Megafon oder Stadionlautsprecher und lässt die entkleideten Menschen in immer anderen Stellungen neben dem Spielfeld oder auf der Tribüne posieren.

"Wenn ich in Amerika mit Nackten in ein Stadion ginge, würden die mich sofort festnehmen", sagt Tunick. Mit seinen Aktionen mit nackten Menschenmassen, die er "Körperlandschaften" oder "soziale Plastiken" nennt, ist er schon um die ganze Welt gezogen. Die bisher größte entblätterte Menschenmenge fotografierte er mit 18.000 Freiwilligen in Mexiko Stadt. "Ich wundere mich immer wieder über die Ausdauer der Leute", sagt er. In Österreich seien die Menschen leicht zu dirigieren und ehrlich bemüht, ein Kunstwerk zu werden.

Es sind überwiegend junge Leute, die sich im Sinne der Kunst in Wien entblättern. Mit der Zeit wird die Zahl der Frauen aber immer weniger. "Die haben mehr gefroren", sagt Kunsthallen-Direktor Gerald Matt, einer der Mitorganisatoren. Auch er zieht sich für einige Fotos aus. "Nach kurzer Zeit entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, da geniert sich keiner mehr", berichtet der Kunstexperte. Einige besonders zeigefreudige Teilnehmer drehen Solorunden im Stadion oder versuchen durch Posen die Aufmerksamkeit der Medienleute - den einzig erlaubten Zuschauern - zu erregen.

Vor dem Stadion sehen die vielen Schaulustigen das Ganze kritischer. "Wozu soll das gut sein", sagt eine ältere Frau. Für sie komme so etwas nicht infrage, ab einem gewissen Alter sollte man besser die Kleidung anbehalten. "Ah geh, lauter Nackerte im Stadion", schimpft ein grauhaariger Österreicher mit Lederweste. Aber kurz schauen würde er doch ganz gerne. Pech gehabt: Er scheitert am Ordner, der ihm mitteilt: "Entweder mitmachen oder draußen bleiben."

DPA / DPA
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