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Netzpolitik: Nackt in New York: Hunderte protestieren gegen Zensur auf Facebook und Instagram

Hunderte Menschen haben am vergangenen Sonntag unbekleidet vor Facebooks Büro in New York gelegen. Sie protestierten damit gegen eine Zensur von Nacktheit auf dem Online-Netzwerk.

Protest gegen eine Zensur auf Facebook

So protestierten hunderte Menschen am vergangenen Sonntag in New York gegen eine Zensur auf Facebook und Instagram

Getty Images

Der Astor Place in Manhattan, New York City, am Sonntagmorgen. Auf dem Platz, der nur wenige Blocks vom Washington Square Park entfernt ist, liegen 125 nackte Menschen. Und als sei dieser Anblick nicht schon komisch genug, halten sie dabei noch Fotos von Nippeln hoch – von beharrten, dunkelbraunen, gepunkteten, pinken. Was so aussieht wie ein Vielfalt-Festival der Brustwarzen, ist eine Mischung aus Kunst und Protest.

Inszeniert hat es der Künstler Spencer Tunick. In Zusammenarbeit mit der Organisation National Coalition Against Censorship (NCAC) möchte er eine fotografisch-künstlerische Nacktheit auf Facebook und Instagram ermöglichen. Kurzum: Er setzt sich gegen die Zensur von Nacktheit in den sozialen Netzwerken ein. Aus diesem Grund lagen die hunderten Menschen am vergangenen Sonntag auf dem Astor Place. Dort hat Facebook nämlich sein New Yorker Büro (Anm. d. Red.: der Hauptsitz befindet sich in der kalifornischen Stadt Menlo Park).

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At sunrise on Sunday, June 2, 2019, 125 people posed nude in front of Facebook and Instagram’s New York City headquarters at Astor Place to challenge social media censorship. In collaboration with the National Coalition Against Censorship, artist @SpencerTunick created a photographic artwork as part of their #WeTheNipple campaign. The campaign calls for a change in the polices of both social media platforms to allow photographic artistic nudity. NCAC has written an open letter to Facebook, which owns Instagram, asking them to commit to supporting artists, rather than silencing them. NCAC has asked Facebook to convene a group of stakeholders in the arts to develop new guidelines for artistic content. Participants in Sunday’s art action covered their nipples with stickers of photographed male nipples, to highlight the rigid—and anachronistic—gender inequality in existing nudity policies. Svetlana Mintcheva, Director of Programs at NCAC said, “We recognize that moderating content for billions of users is challenging and draw the line between art and images that are not art is hard. Yet, if Facebook and Instagram want to be platforms for artists, they need to modify their current overbroad ban on photographic nudity, which harms artists who work with the human body, especially those exploring issues of gender and identity. We urge the company to adopt an art-friendly policy developed with the help of a group of global stakeholders, such as arts advocates, historians, curators and artists.” (Ncac.org)

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Facebook und der Umgang mit Nacktheit

Mit ihrer Aktion wollten die Aktivisten zudem die Ungleichheit der Geschlechter bei der Zensur von Nacktheit noch einmal hervorheben. Denn oftmals werden lediglich weibliche Nippel zensiert. Die Teilnehmer der Kunstaktion bedeckten sich deshalb auch mit Bildern von männlichen Nippeln. So sollte eine Sperrung der Bilder von der Aktion in den sozialen Netzwerken verhindert – und die Absurdität der Regelung deutlich werden.

Das Kuriose: Die Fotos der Nippel sind tatsächlich von bekannten Persönlichkeiten "gespendet" worden, darunter etwa Schauspieler Adam Goldberg und Chad Smith, Drummer der kalifornischen Rockband Red Hot Chili Peppers. Das berichtet die britische Tageszeitung "Guardian".

Seit Jahren sorgt Facebook mit seiner Löschpolitik bei Abbildungen von Nacktheit für Irritationen und Kritik. Auf der Plattform werden weibliche Brüste und Nacktheit generell fast vollständig zensiert. Und obwohl historische Fotos von Statuen und Gemälden davon ausgenommen sind, fallen sie trotzdem gelegentlich der automatischen Erkennung zum Opfer.

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Quellen: Instagram / National Coalition Against Censorship / Guardian

rpw