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Telefonzelle, Einkaufszentrum ...: Wo man in Tokio überall prima pennen kann

Der japanische Fotograf Kenji Kawamoto hat seine Landsleute in ungewöhnlichen Situationen abgelichtet: beim Schlafen im öffentlichen Raum. Denn das fernöstliche Land kennt eine ganz andere Schlafkultur.

Schlafender auf einer Bank

Die Müdigkeit überfällt plötzlich die Menschen: dennoch Haltung bewahren, mit dem Rucksack auf den Knien.

Andere Länder, andere Schlafsitten: Schon in Spanien wird die Kunst der Siesta gepflegt. In Deutschland dagegen wird durchgearbeitet und mittags keine Verschnaufpause eingelegt. Höchstens Rentner dürfen sich nach dem Mittagessen "aufs Ohr legen". Wer die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt und dabei im Sitzen einschläft, wird schräg angesehen oder als Penner und Alkoholiker abgetan.

Ganz anders dagegen ist das Verhalten in Japan. Keiner, der dort in der U- oder S-Bahn die Augen schließt und vor sich hindämmert, muss mit bösen Blicken rechnen. Da die Menschen in der Metropolregion mit ihren 37 Millionen Einwohnern auf dem täglichen Weg von und zur Arbeit stundenlange Wege zurücklegen, gehört das Nickerchen nicht nur zum guten Ton, sondern zur Pflicht. Japaner können sich viel einfacher in sich zurückziehen und beherrschen die Kunst des Cocooning.

Für diesen Kurzschlaf in der Öffentlichkeit gibt es sogar einen eigenen Begriff: Inemuri. Das Wort besteht aus Schriftzeichen: "I" steht für "anwesend sein" und "nemuri" für Schlaf. Der Fotograf Kenji Kawamoto zeigt in einer Fotoserie weniger bekannte Bilder schlafender Japaner: nicht in den Zügen dicht gedrängt sitzende Personen, sondern einzelne Wesen auf den Treppenstufen von U-Bahnhöfen, auf Bänken und den Fliesen in unterirdischen Einkaufszentren.

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