"Was mich an Scotts Blick fasziniert", resümiert Giorgio Armani im Eröffnungstext dieses Fotobands, "ist seine Klarheit: Er kommt direkt zum Punkt und spielt mit Licht und Bildausschnitt. Wie ich ist er Wahlmailänder, weshalb er Dinge sieht, die anderen entgehen." Scott Schuman war der erste Modeblogger für Straßenfotografie, der mit seinen Bildern breite Aufmerksamkeit erregte. Er hatte "The Sartorialist" mit der Idee gegründet, einen Dialog zwischen der Welt der Mode und ihrer Nutzung im Alltag herzustellen, indem er Menschen in ihrer Stadt fotografiert.
In "The Sartorialist. Milano" bleibt es jedoch nicht dabei. Auf den Doppelseiten schafft Schuman Bezüge zwischen seinen Motiven, die von seinem Humor zeugen. Das "Konzept Buch" ermöglicht ihm diese Herangehensweise, die er verspielt einsetzt, etwa, indem er Menschen nicht nur Menschen, sondern auch Gebäude, Kunst oder die Farben des Himmels gegenüberstellt. Der Bildband des Taschen Verlags macht das Durchblättern zu einer Entdeckungsreise, die sich wie eine Mission anfühlt: Was hat Schuman hier gesehen? Habe ich etwas übersehen? Das Erfreuliche daran ist: Man lernt ihn kennen, lernt, ihn zu lesen. Bildunterschriften sind überflüssig, man findet sie zwar am Ende des Buches, doch sie bestehen fast nur aus Adressen.
Vom Hausmann in die erste Reihe der Fashionshows
Zwar hat Schuman Mode studiert, sich dann aber entschieden, nicht im kreativen Bereich zu arbeiten, sondern als Salesman. Als 2005 sein Kindermädchen zurück in die Heimat ging, entschloss er sich, zu Hause zu bleiben. In seinem Blog beschreibt er ausführlich, dass er damals mit der Straßenfotografie begann, während seine Kinder in der Schule waren. Er setzte "The Sartorialist" auf, obwohl er vom Fotografieren kaum Ahnung hatte – aber ein gutes Auge für Motive. "Aber ja, es stimmt, dass ich innerhalb von etwa 10 Monaten vom Hausmann in die erste Reihe der Fashion Week, zu meiner eigenen Seite im "GQ-Magazin" und zu einem fortlaufenden Job bei Style.com (jetzt Vogue.com) gekommen bin", schreibt er. "Zum Glück konnte ich mit einer neuen Kameraausrüstung und viel harter Arbeit meine fotografischen Fähigkeiten auf das Niveau meines Auges bringen und wusste, dass ich mir endlich meine Nische in der Modewelt geschaffen hatte!"