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100 Jahre Alfa Romeo: Sportlerherzen aus Mailand

Den 100. Geburtstag feiert in diesem Jahr Alfa Romeo. Die italienische Marke hat Höhen und Tiefen erlebt. Alfa baut auch heute noch atemberaubend schöne Wagen, doch jetzt benötigt die Marke dringend einen Verkaufsschlager.

Bevor 1910 das erste Automobil, der A.L.F.A 24 HP, vom Band rollt, mussten die Italiener einige Hürden überwinden. Schon 1907 versucht der multinationale Konzern Darracq, in Mailand eine Autofabrikation aufzuziehen, doch Aktienkrise und mangelnde Nachfrage machen einen Strich durch die Rechnung. Eine Gruppe italienischer Investoren kauft die Fabrik und beginnt, Autos für den italienischen Markt zu konstruieren.

Am 24. Juni 1910 wird der Name Alfa geboren, die Abkürzung von "Anonima Lombarda Fabbrica Automobili". 1915 übernimmt der Ingenieur Nicola Romeo die Firmenleitung. Ab 1919 tragen alle Autos den Namen Alfa Romeo. Das Wappen der Stadt Mailand und die Visconti-Schlange bilden das Firmenlogo, das übrigens noch viele Jahre lang den Schriftzug "Milano" enthält.

Die Technik steht bei den Italienern im Vordergrund, den Karosseriebau überlässt man renommierten Firmen wie Touring, Zagato oder Pininfarina. Bis zum Zweiten Weltkrieg konzentriert sich Alfa Romeo auf exklusive Tourer und Sportwagen. Die Italiener erwerben sich einen legendären Ruf durch zahlreiche Erfolge wie den Doppelsieg des Sechszylinder-Renners 6C 1750 bei der Mille Miglia 1930. Doch die Produktion bleibt arg begrenzt. Im Jahr 1925 zum Beispiel entstehen bei Alfa kaum mehr als 1.000 Autos, bei Fiat sind es schon 37.000.

Das Wunder von Mailand

Die folgenden Jahre werden hart für Alfa. Wirtschaftskrise, italienischer Faschismus und Zweiter Weltkrieg hinterlassen ihre Spuren. Trotzdem entstehen berühmte Modelle wie der 8C 2300 mit Reihenachtzylinder. Die Großserienproduktion allerdings ist ein Fremdwort für Alfa - bis zum Modell 1900 von 1950. Die Limousine eröffnet den Italiener ganz neue Käuferschichten und legt den Grundstein für den bedeutendsten Alfa der 50er Jahre, die Giulietta. Sie wird von der Presse als das "Wunder von Mailand" gefeiert. Die Limousine ist ein Verkaufsschlager, es folgen die Coupé-Versionen Giulietta Sprint, Sprint Speciale, SZ sowie der Spider.

Alfa fährt mit an der Spitze

Erfolge feiert auch die Giulia. Die 1962 in Monza präsentierte Limousine überzeugt mit ihrer klar gezeichneten Karosserie und dem geräumigen Interieur. 1966 entsteht eine weitere Legende: Der Spider Duetto ersetzt die Giulietta Spider. Dustin Hoffman cruist in seinem roten Duetto über die Brücken von San Francisco und macht damit im Film "Die Reifeprüfung" den Alfa-Flitzer weltbekannt. Auch mit den Limousinen 1750 und 2000 setzt Alfa Maßstäbe in Sachen Fahrspaß, mit Konkurrenten wie BMW können die schnellen und leichten Alfas locker mithalten. Zwischendrin gönnen sich die Italiener immer wieder reinrassige Sportwagen. Von Bertone etwa stammt der traumhafte Montreal mit Achtzylindermotor.

Die Ära der Rostlauben

1971 beginnt ein eher unrühmliches Kapitel der Alfa-Geschichte. Um dem verarmten Süden Italiens unter die Arme zu greifen, entsteht ein runderneuertes Werk zur Produktion des hochmodernen Schrägheckmodells Alfasud mit Frontantrieb. Mehr als eine Million Autos rollen bis 1983 vom Band, bis heute ist der Alfasud der meistverkaufte Alfa aller Zeiten. Leider sorgen hunderte von Streiks und eine katastrophale Rostvorsorge dafür, dass viele Autos schon nach kurzer Zeit von der braunen Pest zerfressen werden. Auf den Motor gaben die Italiener zwei Jahre Garantie, für das Blech hätte nicht einmal Gott bürgen wollen. Doch die Alfisti tun das, was sie immer tun - sie verzeihen ihrer Kultmarke solche Fehler.

Dunkle Wolken am Alfa-Himmel tauchen 1986 auf. Das Staatsunternehmen wird an Fiat verkauft, von jetzt an müssen sich die Alfas im großen Konzernbaukasten bedienen. Doch Alfa Romeo darf bis heute die Rolle des technischen Vorreiters spielen. Ob Commonrail-Dieselmotoren, Allradantrieb oder jüngst die elektrohydraulische Ventilsteuerung MultiAir - die Innovationen des Fiat-Konzerns feiern traditionell bei Alfa ihren Einstand.

Schöne Wagen geringer Marktanteil

Zum 100-jährigen Jubiläum müssen die Italiener allerdings einsehen, dass man nicht allein von der glorreichen Tradition zehren kann. 117.000 Autos wurden 2009 verkauft, weit weniger als die einst von Fiat-Chef Sergio Marchionne als Ziel angepeilten 300.000 Stück. Immerhin läuft der Kleinwagen Mito sehr erfolgreich, der Alterdurchschnitt der Kunden ist mit 37 Jahren im Branchenvergleich geradezu blutjung. Große Hoffnungen setzen die Italiener in den Golf-Gegner Giulietta. Auch in den USA soll die neben Ferrari emotionalste Marke der Fiat-Familie wieder Fuß fassen.

Was Alfa gut tun würde, wäre ein puristisches Modell, das die Emotionen wieder zum Kochen bringt. Die Studie 2uettottanta von Pininfarina zeigt, wie ein neuer kleiner Alfa-Flitzer aussehen könnte: Der auf dem Genfer Salon gezeigte Spider ist einfach atemberaubend. Und die vorgesehen Technik - Längsmotor mit Hinterradantrieb - wäre für viele Alfa-Fans sicher ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Sebastian Viehmann/MID

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.