HOME

Burhan Ozbilici: Der Fotograf des Siegerfotos der World-Press-Awards spricht über sein Bild

Zum 23. Mal präsentiert Gruner + Jahr gemeinsam mit dem stern und GEO die Deutschlandpremiere der World Press Photo-Ausstellung am Baumwall. Verena Steinkamp sprach mit Burhan Ozbilici, dem Fotografen des "World Press Photo of the Year" 2016.

Burhan Ozbilici im Gespräch mit Christian Krug bei der Ausstellungseröffnung.

Burhan Ozbilici im Gespräch mit Christian Krug bei der Ausstellungseröffnung.

Das des Jahres zeigt das Attentat auf den russischen Botschafter in Ankara am 19. Dezember 2016 während einer Ausstellungseröffnung.

Herr Ozbilici, die Wahl Ihrer Aufnahme als Gewinnerbild wurde kontrovers diskutiert. Haben Sie damit gerechnet?

Nein. Ich habe dort vor Ort nur versucht meine Arbeit zu machen. Ich hatte keine andere Wahl und ich wünschte, es wäre gar nicht erst dazu gekommen. Der Tod eines Menschen ist etwas Furchtbares. Es ist das Recht eines jeden, dieses Foto zu kritisieren und seine Meinung dazu zu sagen. Es ist ein sehr schwieriges Foto. Aber aus dem richtigen Blickwinkel zeigt dieses Bild die Hässlichkeit des Krieges. Es zeigt die furchtbaren Umstände und die Katastrophe in Syrien. Meiner Ansicht nach steht dieses Foto dafür, dass wir mehr für Menschrechte und für den Frieden tun müssen. Gegen den Krieg. Nun ist das Bild - neben zahlreichen beeindruckenden Pressefotos - auch in einer Ausstellung des Verlagshauses Gruner + Jahr am Baumwall in zu sehen.

Was hoffen Sie, was dieses Bild oder Ihre Bilder allgemein bewirken können?

Ich habe versucht als unabhängiger Journalist ohne unter irgendeinem Einfluss stehend und ohne Vorurteile meine Arbeit zu machen. Ich fotografiere, weil ich die Ereignisse für die Welt dokumentieren will. Ich möchte eine Sensibilität dafür schaffen, was woanders passiert. Wenn man keine Fotos macht, nicht darüber berichtet, dann würden Kriege eher zunehmen und die Mörder könnten ungestört weitermorden. Katastrophen und schlimme Dinge, die überall passieren, müssen der Welt mitgeteilt werden. Sonst wird alles nur noch schlimmer. Das Foto von dem am Strand angespülten toten Flüchtlingskind Aylan ist zum Beispiel ein sehr schmerzhaftes Foto. Dieses Bild hat die Gesellschaft schockiert und war eine Warnung an die Welt.

Sie fotografieren häufig in Krisengebieten. Wie hält man das aus? Kann man lernen mit solchen Ereignissen umzugehen?

Alle Katastrophen und alle Todesfälle machen mich traurig und nehmen mich mit. Beim Fotografieren von Erdbebenopfern, bin ich nicht einmal in der Lage irgendetwas zu essen. Es ist sehr schwer. Aber ich habe ein ruhiges Gewissen. Ich kann das psychisch tragen.

Die Ausstellung ist vom 5. bis zum 28. Mai im Foyer des Gruner + Jahr-Pressehauses zu sehen, Am Baumwall 11, 20459 Hamburg.

Die Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 10-18 Uhr, Mittwoch 10-20 Uhr.
Der Eintritt ist frei.

Die Ausstellung zieht in jedem Jahr rund 50.000 Besucher in das Hamburger Verlagshaus. Gruner + Jahr ist zum 23. Mal Gastgeber der Deutschlandpremiere. Die Ausstellung zeigt Arbeiten von 45 Fotografen aus 25 Ländern.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren