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Bier gewinnt: Belgien baut eine Bier-Pipeline – wer zieht nach?

In Brügge baut eine Brauerei eine drei Kilometer lange Bier-Pipeline unter der Altstadt hindurch. Eine tolle Idee, für die sich noch viele weitere Anwendungsgebiete vorstellen ließen.

Mit seiner historischen Altstadt und den mittelalterlichen Gässchen ist Brügge ein Touristenmagnet. Auch die Traditionsbrauerei "De Halve Maan" im Stadtzentrum freut sich jährlich über mehr als 100.000 Besucher. Der 500 Jahre alte Standort hat allerdings einen entscheidenden Nachteil: Für große Lastwagen voller Bierkisten sind die engen Gassen denkbar ungeeignet. Daher hat sich der Bierkonzern etwas einfallen lassen: Er plant, eine drei Kilometer lange Pipeline zu bauen, die von der Brauerei im Stadtzentrum bis zur Abfüllanlage in einem Industriegebiet führt. Vier Millionen Liter pro Jahr sollen durch die unterirdischen Leitungen fließen. Beim Bau soll Technik aus der Rohölförderung eingesetzt werden. Die Stadtverwaltung soll für das Projekt bereits ihr Okay gegeben haben.

Für die Bierbranche ist das eine tolle Nachricht. Schließlich ließen sich für die Technologie der Bier-Pipeline noch unzählige weitere Anwendungsgebiete finden. So könnten etwa die Münchener Brauereien Standleitungen zur Theresienwiese legen, um die Oktoberfest-Logistik zu optimieren. Unverzichtbar erscheint auch eine Kölsch-Pipeline in die Düsseldorfer Altstadt, damit die rheinischen Nachbarn endlich mal was Ordentliches zu Trinken bekommen. In Franken kann man dagegen auf eine Pipeline-Infrastruktur getrost verzichten, weil sowieso jedes Kaff sein eigenes Bier braut.

Warten auf die Wohnzimmer-Pipeline

Langfristig wird die Bier-Revolution nicht aufzuhalten sein. Der nächste Schritt ist die Wohnzimmer-Pipeline, die Privathaushalte direkt mit ihrer örtlichen Brauererei vernetzt. Wie man hört, arbeitet Zukunftsminister Alexander Dobrindt bereits an einer Strategie für flächendeckende Breitband-Leitungen, sodass auch die Bierversorgung in ländlichen Regionen sichergestellt ist. Aber Vorsicht: Jugendschützer und Gesundheitsexperten warnen schon vor sogenannten Pipeline-Partys.

Zu bedenken sind auch die politischen Implikationen: In Verhandlungskreisen munkelt man, der Knackpunkt des Freihandelsabkommens könnte die Frage sein, welche Regeln für eine transatlantische Bier-Pipeline gelten würden. Ein brisanter Punkt: Immerhin bekämen die Amerikaner auf diesem Wege die Möglichkeit, ihre Panschereien direkt in unser Reinheitsgebot-Hoheitsgebiet zu pumpen.

Bei aller Pipeline-Euphorie müssen wir außerdem zusehen, dass wir nicht den gleichen Fehler wie beim Gas begehen und uns zu einseitig von Lieferungen aus dem Ausland abhängig machen. Denn: Wenn Putin den Gashahn zudreht, ist das zu verkraften, wir müssten uns halt einen Pullover mehr anziehen. Aber wenn irgendein irrer Diktator in der Lage wäre, uns den Bierhahn zuzudrehen, dann wären wir wirklich erpressbar.