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Bier gewinnt: Muss man einen Monat ohne Bier aushalten können?

In der Fastenzeit soll man auf ein liebgewonnenes Laster verzichten. Bierblogger Daniel Bakir versucht's ohne Alkohol. Ob er das Apfelschorlen-Experiment durchhält?

Diesen Monat kann ich leider nicht über Bier schreiben. Weil: Ich faste. Nicht Fleisch, nicht Süßigkeiten, sondern Bier. Und ja, bevor hier der erste schlaue Kommentar kommt: Ich ersetze das Bier nicht durch Wein oder Schnaps, sondern durch Apfelschorle und Wasser. Der Grund für meine Abstinenz ist nicht religiös, sondern ziemlich weltlich: Ich habe in sechs Tagen Karneval mehr Bier getrunken als sonst in sechs Wochen. Das will ich zumindest halbwegs wieder ausgleichen.

Bierverzicht ist natürlich ein Stimmungskiller in einem Blog, der für Bierfreunde gemacht ist und den Genuss desselbigen betonen soll. Aber irgendwann muss man auch dieses Thema mal ansprechen. Also bringen wir es hinter uns. Schließlich bin ich nicht der einzige, der sowas tut. Laut stern-Umfrage fastet beinahe jeder fünfte Deutsche in der vorösterlichen Zeit in irgendeiner Form. Und 57 Prozent dieser Fastenden verzichten auf Alkohol. Es gibt schließlich Schlimmeres für den Mann: Einer aktuellen Umfrage von "Men's Health" zufolge würden 83 Prozent der Männer eher einen Monat auf Bier verzichten als auf Sex. Alles andere hätte mich auch gewundert.

Interessant wäre in diesem Zusammenhang auch, die Biertreue gegen andere Leidenschaften abzufragen: Lieber einen Monat ohne Bier oder ohne Fußball? Ohne Bier oder ohne Facebook? Ohne Bier oder ohne Rührei mit Speck, Zwiebeln und Tomaten?

Zum Glück kommt man eher selten in eine solche Zwickmühle. Ich kenne aber doch auch persönlich einige Bierliebhaber, die sich jedes Jahr freiwillig eine Auszeit nehmen. Dabei muss es gar nicht unbedingt die klassische Fastenzeit mit vollen 40 Tagen sein. Manche schwören auf einen "Sober October", andere auf einen enthaltsamen Januar nach all der Weihnachts- und Silvesterprasserei.

Die Alkoholikerfrage

Mich würde interessieren: Wie seht ihr das, geschätzte Bierliebhaber? Haltet ihr Bierfasten für eine gute Sache? Sollte man sich einmal im Jahr beweisen, dass es auch einen Monat ohne geht? Ist man Alkoholiker, wenn man das nicht kann? Oder ist euch der Alkohol eh egal, aber ihr macht's wegen der Kalorien?

Bisher habe ich für mich nie die Notwendigkeit des Komplettverzichts gesehen, weil ich nicht übermäßig viel trinke (das ist zumindest meine Wahrnehmung). Aber dieses Jahr hat es sich einfach so angefühlt, als müsste es mal sein. Und wenn man das dann durchzieht mit dem Trockenbleiben, merkt man erst, bei wie vielen Gelegenheiten man sonst so gewohnheitsmäßig zulangt.

Ich habe jetzt schon zwei Wochenenden, einen Champions-League-Kneipenabend, einen Eishockey-Stadionbesuch, ein Abendessen bei Freunden und einen Restaurantbesuch hinter mich gebracht und mich eisern an Apfelschorle und Cola gehalten. Ich habe keine zitternden Hände oder sonstigen Entzugserscheinungen. Wenn das nicht Beweis genug ist, dass ich ohne kann. Ist doch wirklich nicht nötig, jetzt noch bis Ostern weiterzumachen. Oder?