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Teil 4: Billig? Kann gut sein

Aus der Rebsorte Chenin blanc wurden in Südafrika bislang Massenweine: viel Alkohol, wenig Geschmack. Clever Winzer machen mehr daraus - in dieser Flasche lagert der Beweis.

Südafrika, Wein 4

Der Typ

Ein richtiger Schmeichler

Chenin blanc - diese Sorte war bis vor Kurzem das große weiße Problem des südafrikanischen Weinbaus. Weil die Weinfarmer lange Zeit ihr Einkommen durch die Produktion großer Traubenmengen erzielten, haben sie aus dieser fruchtbaren Sorte herausgeholt, was nur ging, und ihre Eigenschaft genutzt, im heißen Klima jede Menge Zucker zu bilden. Das bringt zwar viel Alkohol, ist aber schlecht für delikate Weißweine. So wurde der Löwenanteil des südafrikanischen Chenin blanc vor allem zu Brandy destilliert, mit dem die Farmer zu Zeiten der Apartheid ihre schwarzen Tagelöhner oft ausbezahlten.

Bis heute ist Wein in Südafrika das Getränk der weißen Oberschicht: Die rund 40 Millionen farbigen Südafrikaner (Gesamteinwohnerzahl: 47 Millionen) trinken so gut wie keinen, sondern vor allem Bier. Allerdings trägt die leider immer noch extrem billig zu habende Arbeitskraft der Schwarzen zum niedrigen Preis des Weins bei. Und der ist ein wichtiger Grund dafür, dass der südafrikanische zurzeit so erfolgreich wie kaum ein anderer aus Übersee verkauft wird. Nach wie vor liegt der Weinbau des Landes fast ausschließlich in weißen Händen.

Bisher gibt es nur wenige Projekte der Bewegung Black Economic Empowerment, die unter der Leitung von Farbigen stehen, zum Beispiel die Kellereien "Fairvalley" und "Freedom Road".

Die europäischen Winzer

sind gerade dabei, die Ernte 2007 abzuschließen, ihre südafrikanischen Kollegen haben den Jahrgang schon in der Flasche, weil die Lese auf der Südhalbkugel zwischen Februar und April stattfindet. So wie bei unserem Chenin blanc, der am Kap "Steen" genannt wird. Die ganz große Zeit dieser Rebsorte ist vorbei, ihre Anbaufläche schrumpft und schrumpft. Sie will nicht mehr zur Aufbruchstimmung unter den Kapwinzern passen und muss den neuen Lieblingen Chardonnay und Sauvignon, Cabernet und Shiraz Platz machen.

Soll der Chenin komplett aus dem Anbau verschwinden? Nein, die Winzer müssen sich nur mehr Mühe geben, so wie die Leute von Spier, deren Chenin blanc aus der Weinbauregion Western Cape stammt. Das ist eine weinrechtliche Herkunftsbezeichnung, die fast alle Weindistrikte Südafrikas umfasst, eine richtige Mega-Appellation. Aus der gewaltigen Überproduktion pickt sich Spier die besten Chargen an Chenin-blanc-Trauben heraus und vinifiziert sie zu einem marktkonformen Gaumenschmeichler, einem molligen Charmeur, der bis obenhin voll ist mit Aromen von reifer Banane, Ananas und Honig. So etwas schaffen die französischen Winzer bei dieser Sorte nur selten. Im atlantischen Klima der Loire fallen Vouvray, Anjou und Saumur, wie die bekanntesten Weine aus dieser Rebsorte dort genannt werden, säurebetonter und drahtiger aus als in Südafrika.

Der Wein

Chenin blanc, Spier, 2007

Glas: Weißweinkelch
Stil: säurearmer, blumiger Weißwein. Ausbau im Stahltank
Farbe: helles Gelbgrün
Duft: reife tropische Früchte
Geschmack: kraftvoll mit Bananen-, Birnen- und Honignoten, weich
Herkunft: Western Cape
Trinktemperatur: 8 bis 10 Grad
Trinkzeitpunkt: jetzt bis 2008
Essen: fruchtig-cremige Gemüsesuppen (Kürbis, Karotte), Curry-Gerichte mit süßlichem Akzent

Das Land

Fakten Südafrika

Weinbau:

seit 1659

Rebfläche:

rund 100 000 Hektar (Rang 15 weltweit)

Weinbau:

31. bis 34. Grad südlicher Breite

Bekannteste Weinbauregionen:

Stellenbosch und Paarl

Häufigste Rebsorten:

Weiß (55 %): Chenin blanc, Colombard, Chardonnay, Sauvignon blanc
Rot (45 %): Cabernet Sauvignon, Shiraz, Merlot, Pinotage

Wichtigste Exportmärkte:

Großbritannien, Niederlande, Deutschland, Schweden

Cornelius und Fabian Lange / print
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