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Kolumne

Tresengeschichten: Tschüss Gordon's Gin – Warum ich dich aus meiner Bar werfe

Gordon's Gin launcht einen alkoholfreien Gin Tonic. Etwas, das dem Bartender Jörg Meyer bitter aufstößt. In seiner neuen stern-Kolumne "Tresengeschichten" rechnet er mit Gordon's Gin ab.

Von Jörg Meyer

Gordon's Gin

Gordon's Gin launcht einen alkoholfreien Gin Tonic. Das gefällt nicht jedem.

Getty Images / Picture Alliance

Letzte Woche saß ich in London im Coffeeshop und knabberte an einem Croissant, als Diageo, einer der weltgrößten Spirituosenkonzerne mit Marken wie Tanqueray, Zacapa oder Baileys, in einer Pressemitteilung eine Hiobsbotschaft verkündete: Gordon's Gin, der zu den Gin-Marktführern weltweit gehört, launcht einen "Ultra-low Alcohol Gin & Tonic flavoured drink". Mir blieb der Bissen im Halse stecken.

Worum es dabei geht? Im Prinzip um einen alkoholfreien Gin Tonic (weniger als 0,5% Vol. - wie beispielsweise bei den meisten "alkoholfreien" Bieren). Zusätzlich versichert Gordon's Gin, dass es sich vom klassischen Gin Tonic geschmacklich gar nicht unterscheidet: "ein alkoholfreies Getränk mit Gin & Tonic Aromen und einen Schuss "Gordon's" mit der Tiefe und Komplexität eines klassischen Gin Tonics.

Ich verstehe: Die großen Konzerne haben Angst. Alkoholkonsum in Deutschland ist rückläufig. Alkoholfrei ist jetzt der "große Trend", in den alle globalen Player hohe Millionenbeträge investieren. Und tatsächlich schätze auch ich alkoholfreie Getränke sehr. Regelmäßiger Alkoholkonsum ist gesundheitsschädlich - da gibt es nichts zu diskutieren.

Lieber Gordon's: Du hast die Sache verraten

Aber lieber Gordon's: Ich weiß, die letzten Jahre waren nicht leicht für dich. All die schönen neuen Gin-Flaschen mit Affen und Schiffen, die die Kunden auf der Welle der Ginflut hochpreisig, von den fein dekorierten Präsentationstischen in ihre Körbe legten, während du in der Regel mit deinen 37,5% Vol. und 12,99 Euro neben dem Korn verstaubtest. Das ist frustrierend. Aber ich habe dich immer in Ehren gehalten. Hatte stets eine Flasche mit deinen traditionsreichen 47% Vol. in meinen Bars, dich manchmal hervorgeholt, und wir haben nostalgisch über gute alte Gordon's-Schweppes-Tonic-Zeiten philosophiert.

Bis jetzt. Denn ich werde dich aus der Bar nehmen. Ein Gin Tonic ist ein großartiges, ernst zunehmendes, aber stets alkoholisches Getränk. Mir ist egal, ob du gierig oder verzweifelt bist. Du hast die Sache verraten: unsere gemeinsame Sache für einen guten Drink. Dir scheint derzeit viel durch den Kopf zu gehen. Nur um ordentlichen Gin geht es dir leider nicht mehr. Also mach's gut - in Hamburg sagt man Tschüss!

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.