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Teil 23: Einer zum Kuscheln

Sein aufregendes Aroma verwirrt die Sinne, sein Geschmack verblüfft: Der Merlot aus Kalifornien kommt so weich und samtig daher, dass der Genießer augenblicklich entspannt

Von Cornelius und Fabian Lange

Kalifornien, Wein 4

Der Typ: Gefällig

Welch eine Schüssel Obstsalat vor uns im Glas! Wir können kaum glauben, was uns da entgegenwallt: gewaltige Wellen von Schwarzen Johannisbeeren, gefolgt von einem Himbeer-Tsunami, einer Springflut schwarzer Kirschen und einer Monsterwelle Trockenpflaumen. Wie haben die Guys vom Weingut Delicato Family all das in die Flasche bekommen? Ihr Merlot ist ein ideales Studienobjekt für diejenigen, die beim Duft an die Grenzen der Frucht gehen wollen.

Also das Glas an den Mund, die Rettungsweste angelegt und schlürfen, spülen, schlucken … und? Tja, im Mund ist vom Tidenhub wenig zu spüren. Harmlos dümpelt der Merlot vor sich hin, schmeckt süßlich nach Traubensaft. Kuschelig-weich kommt er daher, mit dem Geschmack von Gewürznelken, Vanille und Milchschokolade, abgerundet durch geröstetes Eichenholz. Säure? Ganz zum Schluss ein bisschen. Gerbstoffe? Merkt man kaum. Und Alkohol? Auch kaum zu spüren, trotz dreizehneinhalb Knoten. Das alles kann kein Zufall sein. Dieser Wein ist so gewollt, für Leute, die mit Wein ihre Sehnsucht nach Weichem, Rundem, Kuscheligem stillen.

Merlot spielt neben Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc im klassischen Bordeaux-Mix eine unverzichtbare Rolle. Mit etwas Merlot gleichen dort Winzer die Strenge des Cabernets perfekt aus. Kalifornische Winzer aber arbeiten genau anders herum, sie machen dem Softy Merlot meist mit einem Schuss Cabernet Beine. Nur nicht unsere Männer aus Manteca im Central Valley, sie versuchen ihn so weich wie irgend möglich zu halten.

Als die Kalifornier mit Merlot dieser Klasse bei uns auftauchten, war unter europäischen Winzern Heulen und Zähneklappern angesagt, dem Newcomer hatten sie nichts entgegenzusetzen. Was, wenn die Kundschaft Gefallen am Neue-Welt- Stil fände? Ihre Sorge war berechtigt, denn er hat schnell viele Freunde gefunden, vor allem bei Menschen, die sich zuvor nur wenig aus Wein gemacht haben. Unser Merlot mundet am besten, wenn die Sonne untergeht. Füße hoch, das Glas in die Hand und abschalten. So lässt sich’s aushalten und von Lammkeulen am Spieß träumen, abwechselnd Rosmarin und Thymian in die Glut werfen und den Schlegel mit dem aufsteigenden Duft aromatisieren. Zur Not tut’s aber auch eine Tüte Chips

Der Wein

  • 2005 Merlot, Stone Barn Vineyards, Kalifornien, USA
  • Stil: fruchtiger Rotwein der Sorte Merlot
  • Farbe: dunkles Schwarzrot
  • Duft: schwarzes Johannisbeergelee, Himbeere, Drops
  • Geschmack: ganz weich,mild und rund
  • Herkunft: Central Valley
  • Trinktemperatur: 17 Grad
  • Glas: Bordeauxtyp
  • Trinkzeitpunkt: jetzt
  • Essen: gegrilltes, gebratenes Fleisch oder Pasta mit Knoblauch-Öl-Sauce
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Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.