Wohnungsauflösung
Diese 15 Tipps können beim Räumen des Elternhauses Gold wert sein

Thema Elternhaus: Ein Bett in einer Wohnung von Verstorbenen
Was vom Leben übrig bleibt: Ein Bild aus dem Elternhaus-Projekt von Fotograf Jörg Egerer, der Eindrücke aus dem Haus seines verstorbenen Vaters festgehalten hat 
© Jörg Engerer
Wenn Angehörige ihr Elternhaus auflösen müssen, ist das eine große emotionale und körperliche Herausforderung. Diese Ideen für Herz und Verstand können die Arbeit erleichtern.

Alle Texte, Tipps und Protokolle zum Thema „Abschied vom Elternhaus“ finden Sie hier.

Wo anfangen? Wie anfangen? Und wie geht es dann weiter? Das Haus oder die Wohnung von Angehörigen aufzulösen und auszuräumen, kommt für die, die sich kümmern müssen, oft einer Herkulesaufgabe gleich. Die Diplompädagogin, Coachin und Autorin Christina Erdmann hat über das Thema ein bemerkenswertes Buch geschrieben: „Adieu Elternhaus“ gibt auf mehr als 200 Seiten viele wertvolle Tipps und Empfehlungen – aufgeteilt in zwölf Schritte, bei denen es abstrahiert um drei Felder geht: um das Sortieren der Dinge, um das Wertschätzen dessen, was war – und um das Loslassen und den Blick nach vorn. 

Das Elternhaus aufzulösen, kann eine Herkulesaufgabe sein

Folgende Tipps stammen teilweise aus diesem Buch, teilweise basieren sie auf persönlichen Erfahrungen von Menschen, die so ein Projekt bereits bewältigt haben.

  1. Es geht beim Auflösen einer Wohnung nicht um optimale Organisation und schnellen Fortschritt um jeden Preis. Psyche und Bauchgefühl verdienen ebenso Beachtung. Der Abschied sollte sich „richtig“ anfühlen. Dafür gibt es kein Rezept.
  2. Nehmen Sie sich deshalb nach Möglichkeit so viel Zeit, wie Sie brauchen, aber schieben Sie das Notwendige auch nicht immer wieder auf die lange Bank.
  3. Klären Sie zu Beginn, was der Wille jenes Menschen war oder ist, dessen Zuhause Sie nun auflösen. Haben Sie alle notwendigen Dokumente? Gibt es ein Testament, Vollmachen oder Verfügungen? Kennen Sie Ihre Rechte und Pflichten? Wissen Sie, was Sie beim Auf- und Ausräumen „dürfen“. Müssen oder wollen Sie andere Angehörige beteiligen?
  4. Es kann hilfreich sein, Wohnung oder Haus vor Beginn der Arbeiten Raum für Raum, Detail für Detail zu fotografieren. Für Erinnerungsarbeit, für nachfolgende Generationen oder für das Gefühl, das etwas fortbesteht – zumindest in den Aufnahmen.
  5. Holen Sie sich Verbündete und Helfer. Ganz konkret für die Arbeit, die ansteht, aber auch als Gesprächs- oder Reflexionspartner, die Sie emotional unterstützen können.
  6. Verschaffen Sie sich einen Überblick, was genau zu tun ist. Finden Sie eine eigene Arbeitsroutine und -Systematik, die zu Ihnen passt.
  7. Klären Sie, gegebenenfalls in Absprache mit anderen Angehörigen, welche Gegenstände Ihnen so wichtig sind, dass Sie sie behalten möchten.
  8. Was wollen Sie vom Rest verkaufen? Lohnt sich der Aufwand? Viele einzelne Gegenstände privat zu verkaufen, kann extrem anstrengend sein.
  9. Belasten Sie Geist und Seele nicht mit Überlegungen daran, was bestimmte Dinge vor vielen Jahren mal gekostet haben. Früher war früher.
  10. Verschenken Sie Dinge an soziale Einrichtungen und an Menschen, die Interesse an den Gegenständen haben.
  11. Kümmern Sie sich gegebenenfalls rechtzeitig um einen Makler oder eine Maklerin.
  12. Planen Sie ausreichend Pausen ein. Belohnen Sie sich für Ihre Arbeit und Fortschritte.
  13. Ist die Beschäftigung mit dem, was Sie vorfinden, zu belastend, beauftragen Sie eine professionelle Firma. Sie dürfen das. Selbstschutz ist kein Zeichen von Feig- oder Faulheit.
  14. Verabschieden Sie sich von der leeren Wohnung oder dem Haus mit einem kleinen, selbstgestalteten Ritual. Sie können zum Beispiel mit einem Besen jeden Raum auskehren. Oder eine Kerze für die Wohnung anzünden. Oder gute wie schlechte Erinnerungen an die Wohnung oder das Haus aufschreiben und dann verbrennen oder an einem guten Ort deponieren.
  15. Gegenstände, die Sie mitgenommen haben, können einen würdigen Platz in Ihren eigenen vier Wänden finden. Etwas vom Alten lebt fort – im Hier und Jetzt. 

    Alle Texte, Tipps und Protokolle zum Thema „Abschied vom Elternhaus“ finden Sie hier.