Es ist wieder so weit: Am Mittwoch schicken sich die Menschen auf der ganzen Welt in den April. Der Ursprung des Aprilscherzes ist noch immer nicht genau belegt. Hinweise sprechen dafür, dass man schon im 16. und 17. Jahrhundert im April mit einer gewissen Schadenfreude über Menschen lachte, die leichtgläubig auf einen Scherz hereinfielen.
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Natürlich sind längst nicht alle Aprilscherze so großartig wie jene in unseren Top Ten, über die man noch immer lachen kann:
Platz 1: Der Spaghettibaum-Aprilscherz
Beginnen wir mit einem Meisterwerk: Die altehrwürdige BBC schickte ihre Zuschauer 1957 mit einem wunderbaren kleinen Schwarz-Weiß-Film in den April: Der Nachrichtenbeitrag kam hochseriös daher und schilderte den Frühling im Tessin. Ein ungewöhnlich milder Winter führe dort zu einer reichen Spaghetti-Ernte. Die letzten beiden Wochen im März seien für Spaghettibauern meist sehr heikel – wegen der Gefahr von Nachtfrost, welcher den Geschmack der Pasta negativ beeinflussen könne. In diesem Jahr sei der Frost zum Glück ausgeblieben. Dazu zeigte die BBC Aufnahmen von stolzen Erntehelferinnen, die die (gekochte) Pasta von Bäumen pflückten und zum Trocknen in die Sonne legten …
Platz 2: Der Pommes-Scherz
Zum 1. April 2016 lancierte die Fastfood-Kette Burger King in Frankreich einen genial gemachten Film, in dem sie ein neues Produkt bewarb: die „Single Fries“. Einzeln verpackte Pommes Frites, je nach Appetit in drei Längen erhältlich, für Genießer. Dadurch höre auch die lästige Frage von Mitessenden auf, ob man sich mal eine Pommes klauen dürfe.
Platz 3: Die fliegenden Pinguine
Wieder ein fabelhafter Scherz der BBC – dieses Mal ganz in der Tradition der Comedy-Klassiker von „Monty Python’s Flying Circus“. Die Komikertruppe hatte einst fliegende Schafe erfunden. Der Clip im Stile jener Naturdokus, für die die BBC berühmt ist, stellte 2008 eine tierische Sensation vor: fliegende Pinguine. Der kurze Film mit Monty-Python-Star Terry Jones als Dokumentarfilmer wird unterlegt von dramatischer Musik. Umso komischer der Effekt, wenn klar wird, wo das Ziel der fliegenden Pinguine ist: Sie überwintern angeblich in den tropischen Regenwäldern Südamerikas.
Platz 4: Die erfundene Insel
Noch eine Kreation aus Großbritannien: 1977 erfand die britische Zeitung „The Guardian“ die Insel San Serriffe, eine „wandernde Insel“ in Form eines Semikolons, die sich im Pazifik mit 1,4 Kilometern pro Jahr in Richtung Sri Lankas bewege. Infolge des Artikels versuchten tatsächlich Menschen, Reisen auf die Insel zu buchen. Scherze mit dem fiktiven Eiland wurden immer wieder gemacht, zuletzt 1999 mit einem großen Artikel im „Guardian“, in dem unter anderem zu lesen war, dass die Fußball-Nationalmannschaft von San Serriffe 1922 gegen England in Wembley 0:13 verloren hatte.
Platz 5: Die Tagesschau-Melodie
Man hatte der staubtrockenen Tagesschau so viel Sinn für Humor gar nicht zugetraut: Am 1. April 2007 vermeldete die Nachrichtensendung ein wahrhaft epochales Ereignis: Erstmals seit 53 Jahren sei die Titelmelodie der Hauptausgabe der Tagesschau nicht mehr live von einem Orchester gespielt worden, sondern „aus der Konserve“ gekommen. Lediglich der Gong um Punkt 20 Uhr werde wie bisher weiterhin live vom jeweiligen Chef vom Dienst geschlagen. Der Verzicht auf das Liveorchester spare Kosten „im hohen sechsstelligen Bereich“ ein und sei als logischer Schritt im Zuge der Digitalisierung zu begreifen, wurde verkündet.
Platz 6: Die Präsentation von Matthew Weathers
Matthew Weathers ist Dozent für Mathematik an einer Hochschule in Kalifornien. 2019 überraschte er seine Studentinnen und Studenten als Aprilscherz mit einer Videopräsentation, die scheinbar vollkommen aus dem Ruder lief: Weathers ließ verschiedene Lehrvideos von sich als Lehrer auf einer Leinwand laufen und interagierte plötzlich mit der Präsentation. Wie von Zauberhand verwandelte er etwa ein Windows-Fenster aus der Präsentation in einen echten Gegenstand, den er aus der Leinwand in den Raum zog. Die Verschmelzung von digitaler Welt mit seinem Liveunterricht wirkt noch heute sehr charmant.
Platz 7: Youtube – komplett auf DVD
Wer genau den Einfall hatte? Unbekannt. Aber die Idee ist noch immer überaus originell. Die Internetplattform Youtube nahm sich vor 13 Jahren selbst auf den Arm und machte ihren Nutzerinnen und Nutzern ein unglaubliches Angebot: alle Youtube-Videos in einer einzigartigen DVD-Box! Geliefert in 175 Lkw-Ladungen. Inklusive Kommentarformularen auf Papier, um die besten Filme per Post bewerten zu können. Wer wollte da nicht sofort zuschlagen?
Platz 8: Die Fastfood-Freiheitsglocke
Die Tex-Mex-Fastfoodkette Taco Bell gehört zu Amerika wie die Freiheitsstatue. Oder die Freiheitsglocke. Jene Glocke also, die am 8. Juli 1776 geläutet wurde, als in Philadelphia die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung verlesen wurde. Die Freiheitsglocke ist als Symbol der Unabhängigkeit eine Art Nationalheiligtum der Vereinigten Staaten. Umso größer war die Aufregung, als Taco Bell am 1. April 1996 in sechs großen US-Zeitungen ganzseitige Anzeigen schaltete. Darin verkündete das Unternehmen, es habe die Freiheitsglocke gekauft. Die Glocke solle bald offiziell „Taco Liberty Bell“ heißen. Tausende besorgte Bürger beschwerten sich. Taco Bell löste den Scherz auf und spendete Geld für den Erhalt der Glocke. Angeblich entsprach der Wert der PR-Aktion einem Werbewert von 25 Millionen US-Dollar.
Platz 9: Farbfernsehen durch Nylons
Eine bestechende Erfindung präsentierte das schwedische Fernsehen seinen Zuschauerinnen und Zuschauern am 1. April 1962. Der Sender SVT – damals der einzige in Schweden – sendete noch in Schwarzweiß, brachte sein Publikum aber auf eine kostengünstige, geniale Idee, um das Programm in Farbe zu sehen: Man möge einfach eine Nylonstrumpfhose über den Bildschirm ziehen. Die Erklärungen zum Wirkprinzip waren überaus kompliziert und hatten etwas mit Lichtbrechung, Prismen und der netzartigen Gitterstruktur des Nylons zu tun. Viele Schweden glaubten das und suchten eilig nach einer Strumpfhose. Bis zum offiziellen Start des „echten“ Farbfernsehens in Schweden dauerte es dann noch acht Jahre.
Platz 10: Spendenaufruf für die FDP
Immer auf die Kleinen! Wiederum die Tagesschau verkündete am 1. April 2012 schier Unglaubliches: Die ARD setze sich mit einer Spendengala für die Rettung der FDP ein. Moderator des Abends unter dem Motto „Die große Freie Demokratische Party“ sei Florian Silbereisen, einer der Preise beim Parteienquiz mit Eckart von Hirschhausen seien ein „echter Genscher-Pullunder“ und „bisher unveröffentlichte Original-Gesangsaufnahmen von Walter Scheel“. Weiter heißt es in der Meldung: „Sollte die Partei trotz der ARD-Initiative nicht gerettet werden können, werden die Gelder in eine Stiftung zur sozialverträglichen Abwicklung der Partei sowie zur Einrichtung eines FDP-Museums einfließen.“ Eine Idee, die in diesen Wochen und Monaten angesichts der Wahlergebnisse der FDP wieder aufgegriffen werden könnte …