Der Fußballverein
Keine Sportart ist breiter aufgestellt. Einerseits ist Fußball etwas für sehr fitte Menschen mit ausgeprägtem sportlichem Ehrgeiz und Spaß am Mannschaftswettkampf. Andererseits kann man das Vereinsleben auch als passives Mitglied unterstützen und die Fanbasis seines Vereins stärken und dort Freunde finden.
Der Amateurfußball ist jünger geworden. Wer zwischen 15 und 25 ist, findet hier genau seine Altersgruppe. Ab 27 geht es dann schon sehr zügig in Richtung „Herrenfußball“. Jenseits der 40 werden dann die Plätze kleiner, die Spielzeiten kürzer, und der Spaß am Kicken tritt in den Vordergrund – oder man wechselt zur passiven Fanbasis.
Damit hat Fußball die breiteste Alterspyramide aller Sportarten. Zudem ist er der größte „Melting Pot“ überhaupt; kein anderer Sport ist über alle Herkunftsgrenzen hinweg beliebter. Ungeachtet der großen Erfolge der Frauen im Profifußball bleibt Fußball ein Männersport. Von den rund 7,7 Millionen Mitgliedern sind knapp eine Million Frauen.
Die Kosten sind erfreulich überschaubar: Der Monatsbeitrag liegt je nach Verein zwischen 20 und 30 Euro. Gute Fußballschuhe gibt es für rund 200 bis 280 Euro, dazu das Trikot des Vereins. Zwei- bis dreimal pro Woche wird trainiert, hinzu kommen die Wochenenden für die Wettkämpfe.
Der Handball-Verein
Ohne die breite Fankultur des Fußballs spricht Handball vor allem aktive Menschen mit Lust am Teamsport an. Handball ist ein körperlich intensiver, emotionaler Sport, bei dem es oftmals genauso ruppig zugeht wie beim Kicken. Der Deutsche Handballbund (DHB) ist mit über 750.000 Mitgliedern, etwa 4200 Vereinen und über 21.000 Mannschaften der größte Handballverband der Welt. Ein Vorteil gegenüber dem Fußball: Als Hallensportart ist er nicht wetterabhängig.
Zudem ist Handball ausgesprochen jung: Knapp die Hälfte der Mitglieder ist unter 18. Frauen stellen fast die Hälfte aller Spieler; eine Frauenhandballmannschaft zu finden, ist daher im Vergleich zu anderen Sportarten leicht. Da die Handballteams mit sieben Spielern klein und die Vereine stark lokal verankert sind, lassen sich hier schnell Freundschaften schließen. Selbst zurückhaltende Menschen gehen nicht verloren.
Die Mitgliedschaft in einem Handball-Verein kostet etwa 20 bis 30 Euro im Monat, und für die Erstausstattung genügen gute Hallenschuhe und Knieschoner.
Der Volleyballverein
Was das Schließen von Freundschaften betrifft, ist Volleyball ganz weit vorn. Es ist eine der wenigen Sportarten mit einem leicht höheren Frauenanteil, bei der auch gemischte Teams gut funktionieren. Technik, Sprungkraft und Übersicht sind wichtiger als reine Körperkraft. In den kleinen Teams muss jeder ständig mitran – kein Spielzug wird nur von einer Person gemacht.
Es gibt rund 6300 Volleyballvereine mit etwa 436.000 Mitgliedern in Deutschland. Die Mitglieder sind in der Mehrzahl zwischen 14 und 30; ab 40 aufwärts wird es dünn. Viele Vereine sind eher freizeit- als leistungsorientiert. Sie finden sich an Schulen, Universitäten oder als Abteilungen von Breitensportangeboten. Im Sommer wird der Strand zum Beachvolleyballfeld. Volleyball ist eine der offensten und sozial zugänglichsten Teamsportarten in Deutschland.
Der Basketballverein
Zwar treiben rund 300.000 Spieler hierzulande im Verein Basketball, doch drei von vier Spielern sind männlich. Nur ein Teil der rund 2200 Basketballvereine bietet Damenteams an. Möglichst groß zu sein hilft, doch Körpergröße ist vor allem im Amateurbereich nachrangig. Gebraucht werden auch kleine, schnelle Spieler und solche mit Durchblick – also Spielmacher. Menschen, denen Körperkontakt unangenehm ist, sollten die Finger vom Basketball lassen. Wie Handball ist auch Basketball ein Kontaktsport.
Neben den jungen Leistungsteams finden sich in vielen Vereinen aber auch Freizeitmannschaften mit großer Altersspanne. In den kleinen Mannschaften und Vereinen lernt man schnell Leute kennen und wird Teil einer Gruppe. Ähnlich wie Fußball ist Basketball als urbaner Sport ein Schmelztiegel von Menschen aus allen möglichen Herkunftsländern.
Der Hockeyverein
Feldhockey kann durchaus eine echte Möglichkeit sein, im Sportverein Freundschaften zu knüpfen – allerdings funktioniert das auf eine etwas andere Weise als in vielen anderen Sportarten. Während etwa Volleyball oder Basketball oft schnell viele neue Kontakte ermöglichen, zeichnet sich Hockey eher durch stabile, langfristige soziale Strukturen aus. Man findet dort weniger eine offene „Komm rein und gehör sofort dazu“-Atmosphäre, sondern eher gewachsene Teams und Freundeskreise, in die man mit etwas Geduld hineinwächst.
Organisiert ist der Sport in Deutschland unter dem Dach des Deutschen Hockey-Bundes, der eine vergleichsweise kleine, aber gut strukturierte Vereinslandschaft betreut. Insgesamt gibt es rund 400 Hockeyvereine mit etwa 100.000 Mitgliedern.
Die Menschen, die man im Hockey trifft, stammen überdurchschnittlich häufig aus der mittleren bis gehobenen Mittelschicht. Viele sind Studierende, Akademiker oder kommen aus bildungsnahen Haushalten. Das liegt weniger daran, dass der Sport „teuer“ oder exklusiv im engeren Sinne wäre, sondern vielmehr an seiner historischen Entwicklung: Hockey war lange in bestimmten städtischen Milieus, an Gymnasien und in bürgerlichen Vereinen verankert. Dadurch hat sich ein Umfeld etabliert, das häufig als eher strukturiert, organisiert und bildungsorientiert wahrgenommen wird.
Das soziale Miteinander im Hockey gilt als einer seiner größten Pluspunkte. Bei der Geschlechterverteilung herrscht nahezu Parität. Der Umgang ist in der Regel respektvoll, fair und wenig aggressiv. Teams funktionieren oft zuverlässig und verbindlich, viele Spieler bleiben über Jahre oder sogar Jahrzehnte im selben Verein. Diese Kontinuität führt dazu, dass Freundschaften häufig tief und belastbar sind. Gleichzeitig kann genau das den Einstieg etwas erschweren: Wer neu dazukommt, trifft nicht selten auf bereits eingespielte Gruppen. Es dauert daher oft etwas länger, bis man wirklich Teil des sozialen Gefüges wird.
Der Tennisverein
Mannschaftssportarten stehen unter einem gewissen Gruppendruck. Wer das nicht mag, für den könnte ein Tennisverein der richtige Ort zum Knüpfen neuer Freundschaften sein. Anschluss finden indes nur diejenigen, die selbst aktiv werden, da sich das soziale Miteinander im Tennisverein grundlegend von klassischen Teamsportarten unterscheidet.
Als Individualsport fehlt der automatische Gruppenzusammenhalt, der etwa beim Handball oder Volleyball entsteht. Kontakte ergeben sich eher über feste Spielpartner, Trainingsgruppen oder gemeinsame Veranstaltungen im Verein. Freundschaften entstehen daher oft langsamer und selektiver. Viele Vereine versuchen, diese Hürde durch Clubabende, Turniere oder Hobbyrunden zu überbrücken.
Dafür ist die Geschlechterverteilung ausgewogen, wobei jenseits der 30 die Männer leicht überwiegen. Anders als im Hockey, wo viele Mitglieder seit der Jugend im selben Verein sind, kommen im Tennis häufiger auch Erwachsene neu hinzu – sei es als Wiedereinsteiger oder Späteinsteiger. Dadurch sind die Gruppen oft weniger „geschlossen“, aber auch weniger automatisch verbindlich. Man kann relativ leicht Kontakte knüpfen, bleibt jedoch ebenso leicht in loseren Bekanntschaften, wenn man nicht aktiv mehr daraus macht.
Tennis hat vergleichsweise hohe Mitgliedsgebühren, da darüber der Betrieb und die Pflege der Tennisplätze und -hallen finanziert werden. Hinzu kommen Kosten für die Ausrüstung sowie Ausgaben für Trainerstunden.
Der Badmintonverein
Viele verbinden Badminton mit einem lockeren Federballspiel im Park – ein paar schnelle Ballwechsel, ein bisschen Bewegung, mehr Freizeitspaß als ernsthafter Wettbewerb. Wer jedoch einen Blick in die Vereine wirft, entdeckt eine ganz andere Welt: strukturiert, engagiert und vor allem sozial erstaunlich durchlässig. Organisiert wird der Sport unter dem Dach des Deutschen Badminton-Verbandes, der eine breite Basis vom ambitionierten Ligabetrieb bis zum reinen Hobbyspiel in rund 2500 Vereinen mit etwa 500.000 Mitgliedern abdeckt.
Im Unterschied zu traditionsreicheren Sportarten wie Tennis oder Hockey haftet Badminton kaum ein elitärer Ruf an. Die Einstiegshürden sind niedrig, sowohl finanziell als auch organisatorisch. Ein Schläger, ein paar Hallenschuhe, ein Verein in der Nähe – mehr braucht es nicht. Diese Zugänglichkeit prägt auch die soziale Zusammensetzung der Spielenden. In den Hallen treffen Studierende auf Berufstätige, Auszubildende auf Akademiker, Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte. Badminton ist, was Soziologen einen „durchmischten Raum“ nennen würden: kein Milieu dominiert, viele finden ihren Platz.
Anders als in klassischen Teamsportarten gibt es keine feste Aufstellung, keine klar abgegrenzten Gruppen. Gespielt wird im Einzel, im Doppel oder Mixed – und die Partner wechseln häufig. Wer neu dazukommt, steht selten lange am Rand. Nach ein paar Ballwechseln ist man im Spiel, nach ein paar Abenden im Gespräch. Die Kommunikation entsteht beiläufig.
Gerade für Menschen, die im Erwachsenenalter Anschluss suchen, liegt darin ein großer Vorteil. Badminton zwingt niemanden in enge Strukturen, es verlangt keine sofortige Zugehörigkeit. Kontakte entstehen niedrigschwellig, fast nebenbei. Man spielt zusammen, wechselt die Seiten, lernt sich kennen. Aus Bekanntschaften können Freundschaften werden – müssen sie aber nicht.
Der Ruder-Verein
Rudern gehört in Deutschland zu jenen Sportarten, die auf den ersten Blick ruhig und beinahe abgeschottet wirken, sich bei näherem Hinsehen aber als erstaunlich vielseitig und sozial offen entpuppen. Rudern bedeutet nicht nur Leistungsrudern auf schmalen Rennbooten, sondern ebenso Wanderruderfahrten in der Gemeinschaft.
Organisiert ist der Sport im Deutschen Ruderverband, einem Verband mit langer Tradition. Daher haftet dem Rudern ein gewisser bürgerlicher, teils sogar elitärer Anstrich an. Bis heute sind viele Vereine traditionsbewusst, mit gepflegten Anlagen und einem gewissen Sinn für Ordnung und Ritual. Mitgliedsbeiträge und Ausrüstung sind höher als in vielen anderen Sportarten, was dazu führt, dass man überdurchschnittlich häufig auf Menschen aus der mittleren bis gehobenen Mittelschicht trifft.
Und doch ist Rudern kein geschlossener Zirkel. Viele Vereine bemühen sich aktiv um Nachwuchs und bieten Einsteigerkurse an, die den Zugang erleichtern. Wer den Weg ins Bootshaus findet, merkt schnell: Entscheidend ist weniger die Herkunft als die Bereitschaft, sich auf den Rhythmus des Sports einzulassen.
Denn dieser Rhythmus prägt das soziale Gefüge entscheidend. Rudern ist ein Mannschaftssport – zumindest in den meisten Bootsklassen. Im Achter, Vierer oder Doppelzweier ist man aufeinander angewiesen, jede Bewegung muss sitzen, jeder Schlag im gleichen Takt erfolgen. Kommunikation findet oft nonverbal statt, über Timing, Körperspannung und Vertrauen.
Das soziale Leben im Verein spielt sich außerhalb des Wassers ab. Vor und nach dem Training wird gemeinsam angepackt: Boote tragen, reinigen, verstauen. Es sind diese Routinen, die Gespräche ermöglichen, Vertrautheit schaffen und Zugehörigkeit wachsen lassen.
Der Golf Club
Golf in Deutschland ist weit mehr als ein elitärer Freizeitvertreib älterer Herren im Polohemd – auch wenn sich dieses Bild hartnäckig hält. Tatsächlich hat sich der Sport in den vergangenen Jahren geöffnet und diversifiziert. Golf ist weniger „Trainingseinheit“ als vielmehr ein soziales Ritual. Oder: Ziel eines Golfspiels ist es, möglichst wenig Golf zu spielen. Und genau das lässt viel Raum zum Knüpfen von Freundschaften.
Eine Runde Golf dauert mehrere Stunden und findet in kleinen Gruppen, sogenannten Flights, statt. Diese Konstellation schafft einen Rahmen, in dem Gespräche nicht Nebensache, sondern integraler Bestandteil des Spiels sind. Zwischen den einzelnen Schlägen bleibt Zeit für Austausch, und die gemeinsame Bewegung über den Platz verstärkt das Gefühl von Nähe und Vertrautheit.
Im Gegensatz zu schnelleren, trainingsintensiven Sportarten entstehen soziale Kontakte im Golf weniger über unmittelbare Teamdynamik als über Wiederholung und gemeinsame Routinen. Wer regelmäßig zur gleichen Zeit spielt oder an Turnieren teilnimmt, trifft auf bekannte Gesichter. Auch das anschließende Clubleben mit Gastronomie und geselligen Turnierausklängen trägt erheblich zur sozialen Bindung bei.
Freundschaften im Golf entstehen daher selten spontan, sondern eher langsam und kontinuierlich, dafür über viele Jahre häufig stabil.
Die Geschlechterverteilung ist mit rund 60 Prozent männerdominiert. Die Kosten für Mitgliedschaften, Ausrüstung und Platzpflege sind höher als in vielen anderen Sportarten, und die Mitgliederstruktur spiegelt häufig ein etabliertes, beruflich gefestigtes Publikum wider.
Der Segelflug-Verein
Sie sind männlich, über 40, technisch interessiert und suchen neben neuen Freunden eine neue, knackige Herausforderung? Dann könnte Segelfliegen etwas sein. In Deutschland gibt es rund 900 Vereine, die meisten davon südlich von Frankfurt; das Wetter ist im Süden verlässlicher für das motorlose Fliegen geeignet. Freunde findet man beim Segelfliegen recht leicht, da alle der gleichen Leidenschaft folgen und es immer reichlich Gesprächsstoff rund um die Fliegerei gibt. Dabei spielen Alter, Herkunft und Bildung selten eine Rolle. Kaum eine andere Sportart verbindet die Generationen besser.
Das Alter der aktiven Mitglieder reicht von 15 bis 70, wobei die Youngsters nach einer Zeit die gleichen Aufgaben wie die „Alten“ übernehmen. Damit einer fliegen kann, müssen fünf andere arbeiten: in der Flugleitung, als Startleiter, an der Winde, als Starthelfer und Seilrückholer.
Die meisten Segelflieger beginnen mit 15 und hängen ihre Flügel mit Ausbildung und beruflicher Karriere für einige Jahre an den Nagel. Segelfliegen ist ein Zeitfresser: Bei gutem Wetter sind am Wochenende acht Stunden pro Tag keine Seltenheit.
Daher steigen neben Jugendlichen auch ältere Semester mit entsprechendem Freizeitkontingent in den Sport ein. Die einen kaufen sich ein Motorrad oder ein Segelboot, andere fliegen. Die Kosten sind niedriger als gemeinhin vermutet. Wer die Lizenz in einem Segelflug-Verein erwirbt, zahlt nur Mitgliedsgebühren von rund 80 bis 100 Euro pro Monat sowie eine Gebühr für den Start und, je nach Verein, die Flugminute. Die Fluglehrer stellt der Verein.
Zur praktischen Ausbildung kommen die Theorieprüfung vor der Landesluftfahrtbehörde mit rund 1.200 Fragen aus zehn Themenbereichen, die Funkprüfung durch die Bundesnetzagentur und die praktische Flugprüfung durch einen amtlich bestellten Prüfer.
Und was ist daran Sport? Segelfliegen bedeutet das Beherrschen des Flugzeugs, das laufende Lesen der Wolken und der Bodenstrukturen auf der Suche nach Thermik, die Beobachtung des Luftraums und die Navigation – alles gleichzeitig. Einsteiger sind gewöhnlich nach zwei Stunden an ihrer mentalen Grenze. Gute Streckenflieger legen 1000 Kilometer zurück und sind sechs und mehr Stunden unterwegs.