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Berlin U-Bahnhof Mohrenstraße soll Glinkastraße heißen – auch am neuen Namensgeber gibt es Kritik

U-Bahnhof Mohrenstraße in Berlin
Der U-Bahnhof Mohrenstraße in Berlin soll in Glinkastraße umbenannt werden
© Gerald Matzka / DPA
Der Berliner U-Bahnhof Mohrenstraße soll umbenannt werden, so viel ist klar. Doch auch in der Biografie des neuen Namensgebers, des russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka, finden sich dunkle Flecken.

Jahrelang zog sich die Diskussion um den U-Bahnhof Mohrenstraße in Berlin. Den Namen der Station im Ortsteil Mitte empfanden viele Menschen, vor allem solche mit schwarzer Hautfarbe, als rassistisch. Im Zuge der "Black Lives Matter"-Bewegung hatte die Debatte in den vergangenen Wochen noch einmal Fahrt aufgenommen und diesmal auch zu einer Veränderung geführt: Die Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) hatte angekündigt, den Bahnhof in Glinkastraße zu ändern.

Die Diskussion ist damit allerdings keineswegs beendet, sie hat sich höchstens verschoben. Denn nur wenige Tage nach Ankündigung der Namensänderung gibt es auch an dem neuen Namensgeber bereits Kritik. Dem russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka, der von 1804 bis 1857 lebte und nach dem der Bahnhof nun benannt werden soll, wird vorgeworfen, zu Lebzeiten ein Antisemit gewesen zu sein.

Berlin: Diskussion um U-Bahnhof Mohrenstraße geht weiter

Nach Glinka ist in Berlin bereits seit 1951 eine Straße, die an der Ecke zur Mohrenstraße liegt, benannt. So lag die neue Namensgebung für die BVG offenbar nahe, da die Stationen geografisch eindeutig zuzuordnen sein müssen. Offenbar ist aber auch die Biografie des Komponisten nicht unkritisch. In der Oper "Fürst Cholmski", für die Glinka 1840 die Musik schrieb, geht es um eine jüdische Verschwörung. Außerdem soll er einen jüdischen Komponisten in einem Brief antisemitisch beleidigt haben.

Der Historiker Michael Wolffsohn, der bereits die Abschaffung des Namens "Mohrenstraße" kritisiert hatte, nannte den neuen Namen in der "Bild" eine "Dummheit" und "total daneben". "Wir haben uns nicht für etwas entschieden, sondern ganz bewusst gegen eine Bezeichnung, die von vielen Menschen als eine Kränkung empfunden wird", sagte eine BVG-Sprecherin. 

Änderung soll in diesem Jahr vollzogen werden

Die neue Namensgebung für den Bahnhof in Berlin könnte sich somit gleich als nächstes Problem entpuppen. "Als weltoffenes Unternehmen und einer der größten Arbeitgeber der Hauptstadt lehnt die BVG jegliche Form von Rassismus oder sonstiger Diskriminierung ab", hatte die Verkehrsgesellschaft die Umbenennung begründet. Die Änderung soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Es wäre bereits der fünfte Name, den der U-Bahnhof in seiner 112-jährigen Geschichte trägt. Ursprünglich hießt die Station "Kaiserhof", in der DDR hieß sie zunächst Thälmannplatz, dann Otto-Grotewohl-Straße. Nach der Wiedervereinigung wurde sie in Mohrenstraße umbenannt. Die erneute Änderung des Namens in Glinkastraße könnte nicht die letzte gewesen sein.

Quellen:"Bild" / "Jüdische Allgemeine" / Berliner Verkehrsgesellschaft

epp

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