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AfD-Parteitag in Marl gestartet – Laute Proteste vor Halle

Gegen den AfD-Landesparteitag regen sich lautstarke Proteste. Foto: Fabian Strauch/dpa
Gegen den AfD-Landesparteitag regen sich lautstarke Proteste. Foto
© Fabian Strauch/dpa
Rund 500 Delegierte wählen auf dem AfD-Parteitag in Marl einen neuen Landesvorstand. Mehrere Lager ringen um Einfluss – begleitet von lautstarken Protesten vor der Halle.

Begleitet von lautstarken Protesten von Demonstranten hat der Parteitag der nordrhein-westfälischen AfD in Marl begonnen. Ein gutes Jahr vor der Landtagswahl wählen rund 500 Delegierte des mitgliederstärksten AfD-Landesverbandes einen neuen Vorstand. Der gemäßigt auftretende Landeschef Martin Vincentz stellt sich zur Wiederwahl.

Die AfD NRW befindet sich in einem Machtkampf zwischen einem eher moderat auftretenden und einem äußerst rechten Lager. Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel rief den tief zerstrittenen Landesverband zur Geschlossenheit auf.

Besonders im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW werde eine "handlungsfähige und schlagkräftige" AfD gebraucht, sagte Weidel in einem Grußwort. Der größte Landesverband müsse als "geeint und vertrauenswürdig" wahrgenommen werden, der angriffslustig gegen die Regierung auftrete und alle einbinde, die sich engagieren wollten.

Kein Zutritt für Helferich

Der umstrittene, äußerst rechte Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich, der in erster Instanz aus der Landespartei ausgeschlossen wurde, bekam keinen Zutritt zum Parteitag. Helferich sei keine Gästeakkreditierung ausgestellt worden, sagte ein AfD-Sprecher. Der Dortmunder Helferich gilt als Strippenzieher des extrem rechten Lagers in der AfD NRW.

Vor der Zufahrt zur Parteitagshalle in einem Gewerbegebiet in Marl versammelten sich nach Polizeiangaben in der Spitze rund 330 Demonstranten zu lautstarkem Protest. Sie hielten Plakate mit den Aufschriften "Vetternwirtschaft AfD" und "AfD-Verbot jetzt" hoch.

Doppelspitze tritt gegen Vincentz an

AfD-Landeschef Vincentz wird herausgefordert von den beiden Bundestagsabgeordneten Fabian Jacobi und Christian Zaum, die als Doppelspitze antreten wollen. Der Ausgang der Wahl gilt als ungewiss. Über eine Doppelspitze müssten die rund 500 Delegierten entscheiden, bevor es in die Wahl des Landesvorstands geht.

Der 39-jährige Partei- und Landtagsfraktionschef Vincentz führt den Landesverband seit 2022. Mit einer erneuten Wahl möchte sich der Arzt auch ein Sprungbrett für die Spitzenkandidatur zur NRW-Landtagswahl Ende April 2027 schaffen.

Die AfD ist auch im Westen immer stärker geworden. Bei der Kommunalwahl in NRW im vergangenen Herbst hatte sie ihr landesweites Ergebnis mit 14,5 Prozent im Vergleich zu 2020 fast verdreifacht. Laut einer jüngsten WDR-Umfrage käme die AfD bei der Landtagswahl 2027 auf 15 Prozent (2022: 5,4 Prozent).

Die Rolle der AfD-Jugend und Helferichs

Nur einen Tag vor Beginn des Parteitags hatte der NRW-Verfassungsschutz die neue AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) in NRW als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft.

Der einflussreiche Jugendverband stellte sich gegen Vincentz und will in Marl dessen Herausforderer Zaum und Jacobi unterstützen.

dpa