Die Freien Wähler haben nach Ansicht von CSU-Chef Markus Söder bei den Stichwahlen von Stimmen aus dem AfD-Lager profitiert. "Dass die AfD in der Stichwahl eher die Freien Wähler unterstützt hat, das ist wohl so", sagte der bayerische Ministerpräsident in seiner Nachlese für die kommunalen Stichwahlen. Söder nannte es "bedauerlich", dass in vielen Regionen CSU-Kandidatinnen und Kandidaten zwar vor der Stichwahl noch deutlich vorne gelegen, am Ende aber nicht gewonnen hätten.
Angriff auf CSU als Bollwerk gegen AfD
Auf Nachfrage relativierte Söder, dass diese Einschätzung aus der CSU wegen des geltenden Wahlgeheimnisses nicht wissenschaftlich bewiesen werden könne, "aber es gibt Tendenzen". Die CSU sei das Bollwerk gegen die AfD, daher hätten deren Wähler aus der ersten Runde sicher nicht die für die CSU gestimmt. Ohnehin hätten viele CSU-Kandidaten nur in die Stichwahlen gemusst, weil in der ersten Wahlrunde wegen AfD-Bewerbern erforderliche Mehrheiten nicht erreicht werden konnten.
Die CSU hatte bei der Stichwahl einige schmerzhafte Niederlagen hinnehmen müssen - so verloren die Christsozialen etwa die Städte Augsburg, Rosenheim oder Schweinfurt und Landkreise wie Ansbach oder das Berchtesgadener Land. "Die CSU kann, was früher undenkbar war, heute in jeder Stadt gewinnen. Sie kann aber auch in jedem Landkreis verlieren. Das hängt von der Person ab", betonte Söder. So habe die CSU fast 1.000 Bürgermeister und Oberbürgermeisterposten bei der Kommunalwahl gewonnen - das sei sehr gut. Schmerzhaft seien aber die Verluste bei den Landratsämtern.
Söder: "Dämpfer an einigen Stellen"
Das Abschneiden der CSU in den Stichwahlen sei "schon ein Dämpfer an einigen Stellen" gewesen, so Söder. "Das nehmen wir und das nehme auch ich ernst. Aber man darf jetzt nicht beleidigt darauf reagieren, weil die Wähler anders entschieden haben. Und auch Wehklagen bringt weniger." Ein Trend für die Landtagswahl sei daraus aber nicht abzuleiten. Er rief seine Partei dazu auf, die Ärmel hochzukrempeln und hart zu arbeiten.
Gesunkene Wahlbeteiligung
Auch die gesunkene Wahlbeteiligung im Vergleich zu 2020 habe der CSU nicht geholfen, so Söder. "Wir nehmen das Thema sehr ernst und schauen uns jetzt jeden einzelnen Fall noch einmal genauer an."