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Geschlechtsneutrale Sprache Gender-Streit bei Audi: Gericht weist Klage eines VW-Mitarbeiters ab

Audi-Symbol leuchtet an einer Hausfassade
Der Verein Deutsche Sprache, der das Gendern generell ablehnt, hatte die Klage gegen Audi unterstützt
© LaPresse.Alessandro Bremec/LaPre/ / Picture Alliance
Weil ein VW-Mitarbeiter sich daran gestört hatte, dass die Konzerntochter Audi in der Kommunikation von "Mitarbeiter_innen" spricht, hatte er Klage gegen den Autobauer eingereicht. Das Gericht wies dies jedoch als unbegründet ab.

Das Landgericht Ingolstadt hat eine Klage gegen einen Leitfaden für geschlechtergerechte Sprache bei der Audi AG abgewiesen. Ein Mitarbeiter der Konzernmutter VW, der mit Audi-Kollegen zusammenarbeiten muss, hatte den Ingolstädter Autohersteller auf Unterlassung verklagt (der stern hatte berichtet). Er hatte sich daran gestört, dass die Audi-Mitarbeiter in der Kommunikation mit ihm wegen des Leitfadens Gender-Formen mit Unterstrich ("Mitarbeiter_innen") nutzen.

Wie die Zivilkammer am Freitag entschied, gibt es keinen Unterlassungsanspruch des Klägers. Der Vorsitzende Richter Christoph Hellerbrand betonte, dass der VW-Mitarbeiter nicht zur aktiven Nutzung des Leitfadens verpflichtet sei, weil dieser sich nur an Audi-Mitarbeiter richte. Der Kläger kündigte an, dass Urteil nun mit seinen Anwälten prüfen zu wollen. "Dass es weitere Schritte gibt, schließe ich explizit nicht aus", sagte er zu möglichen Rechtsmitteln.

Aus "Audianern" wurde "Audianer_innen"

Audi hatte im März 2021 "zur besseren Sichtbarkeit geschlechtlicher Vielfalt" einen Leitfaden für gendersensible Sprache eingeführt. Dabei geht es darum, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schriftlich gendersensibel kommunizieren sollen. Audi schlägt entweder neutrale Formulierungen ("Führungskraft" statt "Chef") oder den sogenannten Gender-Gap vor, mit dem die männliche und die weibliche Form mit einem Unterstrich verbunden wird – so werden auch aus den bisherigen "Audianern" die "Audianer_innen".

stern-DISKUTHEK: Sollte Gendern Pflicht sein?

Verein Deutsche Sprache hatte die Klage unterstützt

Der Verein Deutsche Sprache, der das Gendern generell ablehnt und von einer "Ideologie" spricht, hatte die Klage des Audi-Mitarbeiters unterstützt. "Unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung wird durch das Gendern das Kommunikationsmittel Sprache geopfert", sagte der Verein im vergangenen Monat. Andere Organisationen der Sprachpflege hatten sich weniger deutlich geäußert, verwiesen wie die Gesellschaft für deutsche Sprache mitunter aber darauf, dass beim Gendern trotzdem die grammatikalischen Regeln eingehalten werden sollten.

yks DPA

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