Männerrolle in Deutschland Kochen kommt, Windeln bleiben liegen


Die traditionelle Rollenverteilung in Deutschland verändert sich nur langsam: Frauen gehören zwar nicht mehr unbedingt an den Herd, dafür müssen sie sich nach wie vor mehr um die Kindererziehung kümmern als ihre Ehemänner. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen Ost und West.

Deutsche Männer hängen bei der Kindererziehung aus Forschersicht weiter an traditionellen Rollenbildern. Ihre Hilfsbereitschaft bestehe meistens nur aus Lippenbekenntnissen, wie eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Universität Rostock attestiert. Demnach teilen zwar immer mehr junge Paare klassische Hausarbeit wie Kochen oder Putzen untereinander auf. Die Betreuung des Nachwuchses bleibe aber eine weibliche Domäne, schrieben die Bevölkerungsexperten vom Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels. "Ein Wandel hin zu einer ausgeglichenen Arbeitsteilung in Partnerschaften findet nur langsam statt", hieß es in der Studie. Paare mit Kindern würden ihre Aufgabenteilung wesentlich traditioneller als kinderlose Paare gestalten.

Kinder bewirken Veränderung

Die Geburt des ersten Kindes bewirke einen Traditionalisierungsschub und "zementiert oft bestehende Rollenbilder", erklärten die Wissenschaftler. Nach Erhalt des Trauscheins würden zudem viele Paare zu einer herkömmlichen Arbeitsteilung zurückkehren. Gründe dafür sehen die Forscher bei der bisherigen Erziehungszeitregelung, die oft einen Rückzug der Frau aus dem Arbeitsmarkt zufolge hatte. Das 2007 eingeführte Elterngeld könne daher förderlich für die Gleichberechtigung sein.

Unterschiede zwischen Ost und West

Im innerdeutschen Vergleich fielen auch 20 Jahre nach der Wende "Differenzen in den weiblichen Erwerbsmusterns" ins Gewicht. Weil in Ostdeutschland schon zu DDR-Zeiten die Rolle der Frau im Arbeitsleben stärker gewürdigt worden sei, müssten daheim auch ihre Männer häufiger mit anpacken. "Wer mehr in klassische Erwerbstätigkeit investiert, leistet weniger im Haushalt", erläuterten die Demografen.

Auch international zeigten sich Abweichungen von der deutschen Familien- und Geschlechternorm. So verstünden skandinavische Länder die Gleichstellung "als Grundprinzip ihrer sozialstaatlichen Ausrichtung", während in den USA oder Kanada Frauen stärker ins Erwerbsleben einbezogen seien. Beides führe dazu, dass die Aufgabenteilung zwischen den Geschlechtern besser ausbalanciert sei.

DPA DPA

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