Prozess in Freiburg
"Rulantica"-Prozess: Wie eine Tat mehrere Leben verändert

Die Vorwürfe, die der Vater den Mitarbeitern des Erlebnisbades macht, wiegen schwer. (Archivbild) Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
Die Vorwürfe, die der Vater den Mitarbeitern des Erlebnisbades macht, wiegen schwer. (Archivbild) Foto
© Philipp von Ditfurth/dpa
Stundenlang sucht ein Vater verzweifelt seine Tochter im Erlebnisbad. Was er den Mitarbeitern und der Polizei im Gericht vorwirft – und wie das Mädchen heute mit der Tat umgeht.

Während der Vater von der stundenlangen, verzweifelten Suche nach seinem Kind im Erlebnisbad "Rulantica" erzählt, während er unruhig mit dem Fuß wippt und seine Stimme bricht, sitzt der mutmaßliche Entführer im Gerichtssaal nur wenige Meter von ihm entfernt. Die Arme vor der Brust verschränkt, den Blick starr zum Boden gerichtet, Fußfessel am Bein, hört er zu, wie die Dolmetscherin die Worte in die rumänische Sprache übersetzt.

Und er hört auch von den Vorwürfen, die der Vater den Mitarbeitern des Bades macht, von den Versäumnissen der Polizei und von den Ermittlungsfehlern, die er sieht. Niemand, schildert der 41-Jährige im Prozess gegen den Mann, der seine Tochter aus dem "Rulantica" gelockt und sexuell missbraucht haben soll, niemand habe seine Sorgen ernst genommen. 

Der angesprochene Europa-Park teilte auf Anfrage mit, man äußere sich nicht zu laufenden Gerichtsverfahren.

Vater: "Alle völlig uninteressiert" 

Anders der Vater. Immer wieder habe er die Aufsicht um Hilfe gebeten, sagte der 41-Jährige vor Gericht aus. Erfolglos. "Die waren alle völlig uninteressiert, es wurde auch nichts weitergegeben." Die Videoaufnahmen seien ebenfalls trotz seiner Bitte nicht gesichtet, die Security und auch die Kasse am Ausgang nicht alarmiert worden. 

Nach mehr als drei Stunden verzweifelter, aber erfolgloser Suche habe es seine Frau nicht mehr ausgehalten. "Sie hat mit der Faust auf die Theke der Informationsstelle geschlagen und gerufen "Wo ist meine Tochter?"", erinnert sich der Vater. Und selbst dann - nichts, erzählt er weiter. Erst vier Stunden nach dem Verschwinden des Kindes sei die erlösende Nachricht gekommen: Die Tochter wurde gefunden - und sie lebt. 

Leben geraten ins Wanken

Sie lebe, aber sie sei nicht mehr dieselbe, erzählt der Vater. "Sie ist schüchtern geworden, sie schläft seit dem Tag nicht mehr alleine und hat sich am ersten Schultag wie ein Baby benommen. Und sie will erst wieder in das Erlebnisbad, wenn sie so groß ist wie der Mann. Dann kann er ihr nichts mehr tun, sagt sie."

Auch sein eigenes Leben sei ins Wanken geraten. Er werde psychologisch betreut, könne seither nicht mehr zur Arbeit gehen. Seinen Job als Postbote hat er nach zwölf Jahren verloren und auch seine Frau erhält professionelle Hilfe.

Fall sorgte für Entsetzen 

Der angeklagte 31-Jährige hatte zuvor gestanden, das Mädchen aus dem Erlebnisbad gelockt und in einem Maisfeld sexuell missbraucht zu haben. Zu Details und offenen Fragen etwa zum Motiv will er sich im Laufe des Prozesses äußern. 

Der Fall sorgte im Sommer 2025 bundesweit für Entsetzen: Das Mädchen war erst Stunden nach dem Verschwinden mehrere Kilometer entfernt entdeckt worden – verletzt und nur mit Bikini und Badeschlappen bekleidet. Dem Angeklagten wird unter anderem sexueller Missbrauch von Kindern, sexuelle Nötigung und versuchte gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

dpa