Fast genau alle eineinhalb Minuten wird irgendwo im Land entweder ein Mensch angefahren oder es kracht auf den Straßen. Drei Dutzend Unfälle und fünf Verletzte - pro Stunde. Und jeden Tag kommt auf einer Straße in Baden-Württemberg ein Mensch ums Leben. Zahlen aus der jüngsten Statistik des baden-württembergischen Innenministeriums, die, jede für sich, auch für ein Schicksal stehen.
"In 99,4 Prozent der Unfälle war menschliches Versagen die Ursache", sagte Innenminister Thomas Strobl (CDU) bei der Vorlage der Bilanz in Stuttgart. Das sei zwar schlecht - aber: "Wir können da etwas machen, das ist kein unabwendbares Schicksal." Unfälle, die durch Fehler verursacht würden, seien vermeidbar.
Nach Angaben Strobls wurden im Laufe des vergangenen Jahres 314.129 Unfälle registriert, das sind einige mehr als im Jahr zuvor (plus 0,6 Prozent). Auch die Zahl der Menschen, die bei den Unfällen verletzt wurden oder die gar dabei ums Leben kamen, legte leicht zu. Auf längere Sicht aber, mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre, ist die Zahl der Todesopfer um ein Fünftel gesunken, die der Schwerverletzten sogar um 40 Prozent. "Die Statistik zeigt: Wir sind auf dem richtigen Kurs", sagte Strobl.
Wichtige Punkte aus der Statistik:
Opfer
Bei den weitaus meisten Unfällen kommt bis aufs Blech niemand zu schaden. Nur in einem von zehn Unfällen werden Menschen verletzt oder getötet. Insgesamt erlitten 42.802 Menschen Verletzungen (plus 1,6 Prozent), 367 kamen ums Leben - das sind 7,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor (340). Die Zahl der Schwerverletzten erreichte nach einem deutlichen Rückgang 2024 nun mit 5.561 Fällen einen Tiefstand (minus 6,5 Prozent).
Junge Menschen am Steuer
Junge Fahrerinnen und Fahrern im Alter zwischen 18 bis 24 Jahren waren 2025 zwar in 21.284 Verkehrsunfällen verwickelt - das ist in etwa das Vorjahresniveau. Aber mehr als doppelt so viele wie zuvor kamen auf den Straßen Baden-Württembergs ums Leben. Die Zahl sei um 19 auf 50 gestiegen, teilte das Ministerium mit.
Zu schnell und zu unaufmerksam
Das deckt sich mit einer anderen Zahl aus der Statistik: Denn bei vier von zehn tödlichen Unfällen, die junge Erwachsene insgesamt verursachten und bei denen sie oder andere starben, waren sie zu schnell unterwegs. In 14 Prozent waren sie abgelenkt. Insgesamt sind Menschen aus dieser Altersgruppe 2025 in 21.284 Verkehrsunfällen verwickelt gewesen – das ist in etwa das Vorjahresniveau.
"Rasen kann das Leben kosten", sagt Strobl. "Jeder Stundenkilometer zu schnell, jede Unachtsamkeit kann über Leben oder Tod entscheiden. Dafür müssen wir besonders junge Menschen sensibilisieren."
Seniorinnen und Senioren
Auch die Zahl der getöteten Seniorinnen und Senioren legte zu. Im Vergleich zum Vorjahr kamen 21 ältere Menschen mehr ums Leben (2025: 127) - jeder vierte beim Fahrradfahren oder mit dem Pedelec und fast die Hälfte davon ohne Helm.
Fahrräder und Pedelecs
Auch die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern und Pedelecs nahm zu, im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent auf 13.073. In fast zwei Drittel der Fälle (64,3 Prozent) mit Verletzten oder Toten verursachten die Fahrradfahrenden die Unfälle selbst - egal ob mit oder ohne Motor.
Pedelecs
Problematisch bleiben vor allem die Pedelecs, also Fahrräder mit einem Elektromotor, der bis zu einem Tempo von 25 Kilometern pro Stunde beim Treten unterstützt: Von den 60 tödlich verunglückten Radlerinnen und Radlern (2025: 57) waren fast zwei Drittel mit einem solchen Zweirad unterwegs - und auch hier trug mehr als die Hälfte trotz der deutlich höheren Geschwindigkeiten keinen Fahrradhelm. Pedelecs sind vor allem bei älteren Menschen beliebt – entsprechend hoch ist deren Anteil unter den Unfallopfern.
Unfallursache Nummer 1
Wie gehabt: Es kracht in Baden-Württemberg vor allem, weil Menschen zu schnell unterwegs sind. Etwa jeder dritte tödliche Verkehrsunfall war 2025 auf zu schnelles Fahren zurückzuführen, wie aus der Statistik hervorgeht. 129 Menschen kamen ums Leben, weil ein Autofahrer oder eine Autofahrerin schneller ans Ziel kommen wollte. 55 weitere starben, weil eine Vorfahrt missachtet wurde.
Mit Handy und ohne Anschnallgurt
Mangelnde Verkehrstüchtigkeit war die Ursache für Unfälle mit 46 Toten. Und 36 verloren ihr Leben, weil Ablenkung, zum Beispiel durch ein Handy, im Spiel war. Mehr als jeder Dritte (2025: 42) von 150 gurtpflichtigen Opfern war nicht oder nicht richtig angeschnallt.
Übrigens...
... passieren am Freitag, den 13., dem Tag der Veröffentlichung der Zahlen, laut Statistik durchschnittlich die meisten Verkehrsunfälle in Baden-Württemberg. Wie das Statistische Landesamt mitteilt, kam es in den vergangenen dreizehn Jahren an diesen "Unglückstagen" im Durchschnitt zu mehr Unfällen im Bundesland – auch im Vergleich zu normalen Freitagen, an denen es laut den Datenexperten im Vergleich zu den anderen Wochentagen häufiger kracht.
Laut Statistischem Landesamt kann es einen Freitag, den 13., maximal dreimal im Jahr geben – dieses Jahr ist das noch im März und im November der Fall.