Es ist bereits das dritte Mal in der aktuellen Tarifrunde, dass in mehreren Bundesländern gleichzeitig gestreikt wird. Die Gewerkschaft verhandelt nach eigenen Angaben in der Tarifrunde für knapp 100.000 Beschäftigte in 150 Unternehmen in allen Bundesländern.
In den Verhandlungen zielt die Gewerkschaft vor allem auf verbesserte Arbeitsbedingungen ab, etwa Entlastungen bei der Wochenarbeitszeit und den Schichtdiensten, sowie höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. In Bayern, Brandenburg, dem Saarland, Thüringen und bei der Hamburger Hochbahn wird auch über höhere Löhne und Gehälter verhandelt.
In Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg wurden bereits Tarifergebnisse erzielt. In Hessen einigten sich die Verhandler laut Verdi in der Nacht auf Dienstag auf einen Kompromiss. Zunächst hatte die Gewerkschaft für Donnerstag auch Streiks im Saarland und in Brandenburg angekündigt - dort wird nach Verdi-Angaben aber weiterverhandelt, es finden demnach keine Arbeitsniederlegungen statt.
In Bayern hatte die Gewerkschaft im Vorfeld der Streiks hingegen kritisiert, dass mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) noch keine nennenswerte Annäherung erzielt worden sei. Dabei bräuchten die Beschäftigten "dringend deutliche Verbesserungen sowohl in Bezug auf das Entgelt als auch die Arbeitsbedingungen". Deshalb sehe Verdi "keine andere Möglichkeit", als den Druck vor der nächsten Verhandlungsrunde am Montag kommender Woche noch einmal "deutlich" zu erhöhen.
Die Kommunalen Arbeitgeberverbände kritisierten die neuerlichen Streiks. Die Forderungen der Gewerkschaft seien nicht finanzierbar, erklärte der KAV Bayern. "Die Erfüllung dieser Forderungen erfolgt aus öffentlichen Geldern und würde zu erheblichen Fahrpreisanstiegen und Sparmaßnahmen bei Verkehrsangeboten, Investitionen und Personal führen." Berücksichtigt werden müsse neben den Interessen der Beschäftigten auch die wirtschaftliche Situation der Unternehmen.
In Nordrhein-Westfalen hatte der Landesbezirk der Gewerkschaft indes am Mittwoch angekündigt, dass auch für den Freitag dieser Woche "landesweit zu ganztägigen Warnstreiks" aufgerufen werde. "Die Beschäftigten zeigen vor der dritten Verhandlungsrunde, wie ernst es ihnen mit ihren Forderungen ist", erklärte der NRW-Verhandlungsführer von Verdi, Heinz Rech. "Die derzeitigen Arbeitsbedingungen führen dazu, dass die Zeit zwischen den Schichten oft nur noch zum Schlafen reicht - das Leben bleibt dabei auf der Strecke und die Gesundheit in nachweisbar steigender Zahl auch."
Auch in Hamburg, wo die nächste Verhandlungsrunde am Montag kommender Woche beginnt, warf Verdi der Arbeitgeberseite mangelnden Einigungswillen vor und kündigte zusätzlich zu den aktuellen Arbeitsniederlegungen einen weiteren 24-stündigen Warnstreik für Samstag an, der demnach die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) und die Hamburger Hochbahn betrifft. Der Hochbahn zufolge war am Donnerstag in der Hansestadt kein U-Bahn-Betrieb und lediglich ein Not-Betrieb mit Bussen möglich.
In Sachsen-Anhalt hatte der Landesbezirk der Gewerkschaft unterdessen zu einem gleich viertägigen Warnstreik bis einschließlich Sonntag aufgerufen, der sich am Donnerstag insbesondere auf die Verkehrsbetriebe in Magdeburg, Halle und Dessau auswirkte. Verdi warf der Arbeitgeberseite vor, ein "Pseudoangebot" vorgelegt zu haben. Der KAV Sachsen-Anhalt kritisierte hingegen, die Forderung der Gewerkschaft sei angesichts der knappen kommunalen Finanzmittel nicht realisierbar.