Weniger Zeitgeist, mehr Spiritualität: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat die Kirchen dazu aufgerufen, sich nicht an "innerweltlichen Trends" zu orientieren. "Wenn Kirche sich um Verkehrsregeln kümmern will, dann kann sie das machen. Aber Kirche darf sich in der Wahrnehmung doch nicht darin erschöpfen. Wenn Kirche den Eindruck macht, sie sei wie ein Parteitag – ganz gleich welcher Partei –, wird sie nicht das erfüllen, was die Menschen in ihr suchen", sagte sie vor ihrem Besuch auf dem Katholikentag in Würzburg der "Augsburger Allgemeinen" (Freitag).
"Ich glaube wirklich: Viele Menschen erwarten von der Kirche vor allem spirituelle Impulse, nicht Austauschbarkeit oder Beliebigkeit. Wenn Kirche dem Zeitgeist gefallen und sich ständig neuen innerweltlichen Trends anpassen will, verliert sie ihr Alleinstellungsmerkmal", betonte Klöckner. "Kirche muss stattdessen sie selbst bleiben, über das Hier und Jetzt hinausweisen und Halt bieten in den grundlegenden Fragen, denen von Anfang und Ende des Lebens."
Kirche als Sehnsuchtsort für junge Menschen?
Gerade die junge Generation wachse in einer Welt auf, die wenig Halt biete. Es gebe viele Krisen und Kriege und zugleich eine Sehnsucht nach etwas, "das trägt". Das könne keine Nichtregierungsorganisation (NGO) leisten. Kirche "kann dieser Sehnsuchtsort, dieser Anziehungspunkt sein. Mit ihren Ritualen, der Liturgie, den jahrtausendealten Geschichten der Bibel". In vielen Ländern gewinne die katholische Kirche aktuell neue Mitglieder. "Nicht, weil sie tagespolitisch ist, sondern weil sie es eben nicht ist und die Sinnfragen des Lebens stärker in den Blick nimmt."
Klöckner wird heute auf dem Katholikentag in Würzburg erwartet. Bereits im vergangenen Jahr hatte die CDU-Politikerin kritisiert, dass Kirche sich zu tagespolitischen Themen äußert.