Der Cottbuser Altmarkt war ganz in Rot beleuchtet, als der Energie-Mannschaftsbus am frühen Sonntag um 0:17 Uhr die Stadtmitte erreichte und die Party daheim mit Feuerwerk und lauten Gesängen eingeleitet wurde. "Nie mehr dritte Liga" schallte es über den Platz zu den Spielern, die neun Stunden zuvor mit dem 1:0-Sieg bei Jahn Regensburg den Aufstieg in die 2. Fußball-Bundesliga nach zwölf Jahren Abstinenz perfekt gemacht hatten.
"Jetzt brennen wir Cottbus ab", hatte Energie-Präsident Sebastian Lemke bereits in Regensburg angekündigt. Ein Jahr nach dem am letzten Spieltag verpassten Durchmarsch verwandelte sich Trainer Claus-Dieter Wollitz wie angekündigt in das "Feierbiest". Der Kult-Coach tanzte und sang auf der Bühne mit der Mannschaft sowie den Tausenden von Anhängern rund um den Marktplatz.
Friedlicher Platzsturm
Schon im Regensburger Jahnstadion hatten die meisten der mitgereisten rund 8.000 Fans nach dem Abpfiff mit einem friedlichen Platzsturm die Feierlichkeiten gestartet. An den drei Raststätten, an denen der Mannschaftsbus auf dem Weg in die Heimat Halt machte, veranstalteten Spieler und Fans kurze Partys, ehe kurz vor zwölf das Stadion erreicht wurde. Dort schlüpfte die Mannschaft für die Nacht in neue und trockene Aufstiegsshirts.
"Für uns ist das Erreichen der zweiten Liga wie für andere Clubs die Qualifikation für die Champions League", sagte Wollitz, der immer wieder auf die schwierigen vergangenen fünf Jahre verwies. In der Regionalliga hatte Wollitz zum dritten Mal Energie als Trainer übernommen und sich nun mit dem Aufstieg gekrönt.
"Höhepunkt einer fünfjährigen Reise"
Gemeinsam mit Lemke, der den Verein im Dezember 2020 als Präsident übernommen hatte, wurde der am Rande zur Insolvenz stehende Verein umgekrempelt. Die Mitglieder und Fans mussten Sonderzulagen stemmen, was sie allerdings verbunden mit der sportlichen Leistung immer näher an die Mannschaft brachte. 8.000 Fans beim 1:0-Sieg in Regensburg – Tausende in der Innenstadt: Energie hat Cottbus angezündet.
"Diese neue Euphorie in der Lausitz ist phänomenal. Das ist der Höhepunkte einer Reise", sagte Lemke, "wir haben den Verein vor fünf Jahren übernommen, als er am Boden lag, finanziell und sportlich. Es war alles zugrunde gerichtet. Aber wir haben nie aufgesteckt."
Landespokalfinale steht noch an
Nach einer kurzen Nacht gingen die Feierlichkeiten am Sonntag weiter. Mittags gab es einen Empfang vor der Stadthalle. Am Montag fliegt die Mannschaft nach Mallorca, ehe dann die Vorbereitung auf das Landespokalfinale am kommenden Samstag gegen den Oberligisten VfB Krieschow auf dem Programm steht.
Wollitz denkt aber schon weiter und warnt vor Fehlern, die aus der Euphorie heraus gemacht werden. Inmitten der großen Emotionen blieb "Pele" Realist und stellte fest: "Wir haben Cottbus jetzt zwei Jahre Profifußball gesichert."