Fahrt über Bundesstraßen
Autokonvoi gegen hohe Spritpreise rollt Richtung Berlin

Bei der Abfahrt in Emden kamen etwa zwei Dutzend Fahrzeuge zusammen. Foto: Lars Penning/dpa
Bei der Abfahrt in Emden kamen etwa zwei Dutzend Fahrzeuge zusammen. Foto
© Lars Penning/dpa
Mit einer Autokolonne will ein Ostfriese ein Zeichen gegen die stark gestiegenen Kraftstoffpreise setzen. Wo der Protest überall lang rollt und warum dem Initiator "die Hutschnur platzt".

Aus Protest gegen die stark gestiegenen Spritpreise ist seit dem Morgen ein Autokonvoi von Ostfriesland unterwegs Richtung Berlin. Kurz nach der Abfahrt in Emden hatten sich rund 35 Fahrzeuge zu der Kolonne zusammengeschlossen, wie ein Sprecher der Polizeidirektion Osnabrück sagte. Es seien rund 50 Teilnehmer. Größere Verkehrsbehinderungen gab es zunächst nicht. "Es läuft alles reibungslos", sagte der Polizeisprecher.

Auf der mehrstündigen Fahrt durch mehrere Bundesländer sollen sich nach Angaben der Organisatoren weitere Teilnehmer und Fahrzeuge anschließen. Angemeldet wurde bei der Polizei ein Konvoi von 20 bis 100 Fahrzeugen. Die Polizei sichert die Kolonne, die über mehrere Bundesstraßen bis zum Reichstagsgebäude führen soll, mit Polizeiautos und Polizeimotorrädern ab. 

Protest gegen Spritpreis-Explosion

Angemeldet und genehmigt ist die Demonstration unter dem Namen: "17.04.2026 Generalstreik - Von Emden nach Berlin mit 50 km/h". Der Veranstalter, Sebastian Bormann aus Emden, hatte über soziale Netzwerke zu dem Protest unter anderem gegen hohe Kraftstoffpreise aufgerufen. Die Videos wurden seinen Angaben zufolge hunderttausendfach geklickt.

Mit dem Konvoi wolle er ein sichtbares Zeichen setzen, sagte Bormann. "Die ganzen Kosten sind einfach immens hoch." Von der Bundesregierung und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) fühle er sich im Stich gelassen, Wahlversprechen würden nicht eingehalten. "Und da platzt uns als Bürgern natürlich irgendwann die Hutschnur." 

Wo der Konvoi lang fahren soll 

Für den Konvoi gelten bestimmte Regeln. Beteiligen dürfen sich etwa nur Fahrzeuge, die für eine Geschwindigkeit von mehr als 60 Kilometer pro Stunde zugelassen sind. Auch Autobahnen darf der Konvoi nicht nutzen – das hatte der Organisator zunächst geplant. 

Nun wurde eine Route über mehrere Bundesstraßen festgelegt. Diese führt unter anderem über Cloppenburg, Nienburg, Celle und Wolfsburg bis zur niedersächsischen Landesgrenze und dann weiter über Sachsen-Anhalt nach Brandenburg. Am Abend sollen die Fahrzeuge in Berlin ankommen. 

Zuletzt hat sich die Preissituation an den Tankstellen weiter entspannt. Seit dem Hoch rund um Ostern sind die Spritpreise deutlich gefallen. Vor allem Diesel, aber auch Superbenzin der Sorte E10 werden billiger. Im bundesweiten Tagesschnitt kostete E10 pro Liter 2,077 Euro, wie der ADAC mitteilte. Das waren 1,2 Cent weniger als am Vortag. Diesel verbilligte sich um 2,6 Cent auf 2,211 Euro pro Liter. Am Freitagmorgen boten einzelne Tankstellen in einigen Regionen den Liter E10 für weniger als 2 Euro an.

dpa