Die Berliner Linke will in allen Bezirken staatlich subventionierte "Kiezkantinen" aufbauen, in denen Menschen mit wenig Geld eine preiswerte Mahlzeit für drei Euro bekommen. Zudem sollen die Einrichtungen in der Single-Hauptstadt Berlin als Begegnungsstätten dienen und einen Beitrag gegen Einsamkeit leisten.
"Zunächst wollen wir den Aufbau und Betrieb von 20 Kiezkantinen mit 19 Millionen Euro pro Jahr finanzieren", sagte die Linke-Spitzenkandidatin für die Berlin-Wahl im September, Elif Eralp. Das Vorhaben sei auch der Versuch, dem Kantinensterben in der Stadt etwas entgegenzusetzen.
Warme Mahlzeit für viele ein Problem
In Zeiten hoher Mieten und stark gestiegener Lebensmittelpreise sei es für viele Menschen, vor allem Empfänger von Sozialleistungen, ein Problem, sich täglich eine warme Mahlzeit zu leisten, so Eralp. "Fast jedes vierte Kind lebt in Armut. Gleichzeitig wächst die Einsamkeit." Kiezkantinen, die ihre Partei zunächst vor allem in Großsiedlungen schaffen möchte, könnten hier helfen.
Mehrere Stufen
Ihr Programm hat die Linke zunächst auf vier Jahre angelegt, es umfasst drei Phasen. Zunächst sollen bestehende Kantinen gefördert werden. In einer zweiten Phase sollen bis zu 15 neue Kantinen mittels Ausschreibungen geschaffen werden. Langfristig, so die Idee, könnte ein landeseigener Betrieb als Träger solcher Einrichtungen aufgebaut werden.
"Wir gehen davon aus, schon im zweiten Jahr des Projekts täglich 14.000 Essen anbieten zu können", so Eralp. Subventionierte Kantinen müssten dem Konzept zufolge hohe Ernährungsstandards erfüllen und ihre Beschäftigten fair bezahlen. Zunächst ist eine Öffnung von Montag bis Freitag angedacht. Perspektivisch sei das auch am Wochenende denkbar. Vorbild für die Idee seien ähnliche Projekte in Städten wie Kopenhagen oder Paris, so die Linke.
Ungleiche Verteilung
In Berlin gibt es mehrere Dutzend öffentliche Kantinen, in denen warme Speisen im Moment deutlich mehr als drei Euro kosten. Sie sind nach Angaben der Linken aber unterschiedlich auf die Stadt verteilt. Während es in Mitte 16 seien, gebe es in Bezirken wie Marzahn-Hellersdorf, Spandau oder Neukölln jeweils nur eine Kantine. Gerade dort sei die Armutsgefährdungsquote aber besonders hoch.