Lehrer ohne Examen
Weniger Lehrer ohne Examen – aber auch weniger Unterricht

Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat kritisiert den Umgang mit Vertretungslehrkräften. (Archivbild) Foto: Marcus Brandt/dp
Der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat kritisiert den Umgang mit Vertretungslehrkräften. (Archivbild) Foto
© Marcus Brandt/dpa
Die Zahl der Vertretungslehrkräfte ohne Ausbildung sinkt in Schleswig-Holstein. Doch laut SPD liegt das auch daran, dass die Landesregierung die Unterrichtsstunden gekürzt hat.

An Schleswig-Holsteins Schulen unterrichten weniger Vertretungslehrkräfte ohne Hochschulabschluss. Laut Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der SPD hatten zum Stichtag 1. Oktober 1.074 Lehrerinnen und Lehrer weder eine abgeschlossene Lehramts-noch eine anderweitige Hochschulausbildung. Darunter fielen auch Lehramtsstudenten ohne Abschluss. Ein Jahr zuvor waren es einer früheren Kleinen Anfrage zufolge noch 1.211 Lehrkräfte gewesen.

Wie aus der Antwort auf die Fragen des SPD-Bildungspolitikers Martin Habersaat hervorgeht, beschäftigten die Schulen mit Stand 1. Oktober 3.823 Vertretungslehrkräfte. Von ihnen verfügten 1.152 über keine vollständige Lehramtsausbildung, darunter 275 Seniorlehrkräfte. 1.600 hatten einen Bachelor, Master oder anderen Abschluss.

Ein Jahr zuvor waren noch 4.247 Vertretungslehrerinnen und -lehrer in Schleswig-Holstein angestellt. Von ihnen hatten 1.081 eine vollständige Lehramtsausbildung, darunter 270 Senioren. 1.955 Personen hatten einen Hochschulabschluss.

Weniger Unterricht

Zwar seien die Zahl der Vertretungslehrkräfte insgesamt und die Zahl der Vertretungslehrkräfte ohne Hochschulabschluss gesunken, sagte Habersaat der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist leider nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht, denn diese Zahlen erklären sich vor allem dadurch, dass die Landesregierung die Zahl der zu unterrichtenden Stunden reduziert." An den Gymnasien um vier Stunden in den Klassen 5 bis 10 und an den Gemeinschaftsschulen um sechs Stunden in Klasse 5 bis 10. "Sprich: Es werden schlicht weniger Lehrkräfte gebraucht."

"Schlechter als im Rest des Landes sieht es allerdings im Hamburger Umland aus: An Stormarns Grundschulen stieg die Zahl der Vertretungslehrkräfte ohne Lehramtsausbildung und Hochschulabschluss von 59 auf 96, in Pinneberg von 97 auf 104 und im Kreis Herzogtum Lauenburg von 59 auf 82", sagte Habersaat.

Vertretungslehrer

Die Zahl der Vertretungslehrerinnen und -lehrer zeige, dass Schleswig-Holstein noch immer auf diese angewiesen sei, sagte Habersaat. "Leider geht die Landesregierung nach wie vor schäbig mit diesen Kräften um. Wie viele Vertretungslehrkräfte gegen ihren Wunsch und den der Schulleitung gehen mussten, will das Ministerium lieber nicht wissen." Obwohl länger gebraucht, würden viele an die Luft gesetzt, bevor sie sich in eine unbefristete Stelle einklagen könnten. "Nicht immer gelingt das Manöver: 286 Menschen ohne abgeschlossene Lehramtsausbildung sind inzwischen unbefristet als Lehrkräfte beschäftigt."

Habersaat kritisierte, aussortierte Vertretungslehrkräfte würden durch andere Nicht-Fachkräfte ersetzt, die von den Schulen mühsam angelernt werden müssten. "Hier werden Menschen hingehalten, die dringend auf Ergebnisse und Möglichkeiten warten. So sollte ein Arbeitgeber nicht mit Menschen umgehen, schon gar nicht, wenn der Arbeitgeber das Land ist und diese Menschen mit unseren Kindern an unserer Zukunft arbeiten."

dpa