Seltene Branche
Wie arbeiten eigentlich Gerbereien?

Nur wenige junge Menschen erlernen noch den Beruf des Gerbers. (Archivbild) Foto: Patrick Pleul/dpa
Nur wenige junge Menschen erlernen noch den Beruf des Gerbers. (Archivbild) Foto
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Nur noch etwa zehn größere Betriebe existieren in Deutschland. Warum das Handwerk nahezu ausgestorben ist.

Es ist ein nahezu ausgestorbenes Handwerk: Gerber. In Deutschland gibt es nur noch wenige größere Betriebe, wie Martin Kleban berichtet, der Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Lederindustrie in Frankfurt. Wie arbeiten diese Firmen?

Wie geht Gerben?

"Ungefähr 40 Verarbeitungsstufen muss eine Haut oder ein Fell durchlaufen, bis aus dem biologischen Rohstoff das Naturprodukt Leder geworden ist", berichtet der Verband. Der Prozess dauere "trotz moderner Gerbverfahren immer noch mehrere Wochen".

Zuerst werden die Felle gereinigt und - wenn es Leder werden soll - die Häute enthaart. Fette und Eiweiße werden in riesigen rotierenden Fässern mit verschiedenen Behandlungsbädern herausgelöst. Dann werden die Häute in Glatt- und Rauleder gespalten. Dieses Zwischenprodukt heißt "Blöße".

Beim eigentlichen Gerben wird das Material je nach gewünschter Lederqualität in verschiedene Gerbstoffe eingelegt. Bei Schuhsohlen sind das Pflanzenextrakte, bei feinem Leder kommt eine "mineralische Chromgerbung" zum Einsatz.

"Das Gerben verwandelt die Blöße in Rohleder", erklärt Kleban. "Das ist nötig, um das Leder auf Dauer zu stabilisieren und damit es im Trockenen beweglich bleibt." Am Ende wird das Leder gefärbt und gefettet und je nach Wunsch angeschliffen oder bedruckt.

Wie viele Gerbereien gibt es?

"In Deutschland gibt es noch etwa zehn Lederhersteller mit 50 oder mehr Mitarbeitern", sagt Kleban. "Dazu kommen rund 20 kleine Betriebe und 40 bis 50 sehr kleine, die nicht Mitglied im Verband sind. Die Branche habe insgesamt rund 2.000 Beschäftigte. 

Als Beruf ist Gerber fast ausgestorben: Nur etwa ein Dutzend Lehrlinge gibt es pro Jahr. Sie sitzen in einer einzigen Berufschulklasse bei Reutlingen.

"Die Zahl der Gerbereien sei in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen", sagt Kleban. Gründe seien hohe Arbeitskosten in Deutschland und sehr hohe Umweltauflagen für die Betriebe. "Da ist es einfacher, die Produktion nach Asien zu verlagern."

Die großen Betriebe seien hoch technisiert, erklärt der Geschäftsführer. Chemikalien würden beispielsweise automatisch abgewogen und durch geschlossene Rohrleitungen zugeleitet. Gerberei sei "eine arbeitsintensive Arbeit", die Geruchsbelastung sei aber weniger stark als viele dächten.

dpa