Tödlicher Arbeitsunfall
Schwefelwasserstoff tötete Arbeiter in Runkel

Eine Schwefelwasserstoff-Vergiftung hat sich als Hauptursache für den Tod von vier Arbeitern in Runkel herausgestellt. (Foto Arc
Eine Schwefelwasserstoff-Vergiftung hat sich als Hauptursache für den Tod von vier Arbeitern in Runkel herausgestellt. (Foto Archiv) Foto
© Sascha Ditscher/dpa

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Tödliches Gas, tiefe Betroffenheit: Nach dem Unglück in der Lederfabrik Runkel kämpfen Angehörige, Helfer und die Stadt mit den Folgen.

Eine Woche nach dem tödlichen Arbeitsunfall in einer Lederfabrik im hessischen Runkel steht die Todesursache fest. Die Obduktionen bei drei der vier Verstorbenen hätten ergeben, dass eine Schwefelwasserstoff-Vergiftung "hauptursächlich" für den Tod gewesen sei, teilten die Staatsanwaltschaft Limburg und die Polizei mit. 

Es seien aber weitere Untersuchungen notwendig. Eine forensisch-toxikologische Untersuchung wurde demnach in Auftrag gegeben. Auch die Ermittlungen zum Unfallhergang dauern den Angaben nach an. Die Behörden waren zunächst davon ausgegangen, dass eine Kohlenmonoxidvergiftung den Tod der Männer verursacht hatte.

Schwefelwasserstoff ist ein äußerst giftiges Gas, das einen charakteristischen Geruch nach faulen Eiern aufweist. Bei höheren Konzentrationen setzt beim Menschen jedoch die Geruchswarnung aus, wie es in der sogenannten Gestis-Stoffdatenbank des Instituts für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung heißt. Demnach hat das Gas lebensbedrohliche Wirkungen auf Nerven- und Herz-Kreislaufsystem und führt zu Schädigungen im Atemtrakt. 

Vier Todesopfer nach Arbeitsunfall

Rettungskräfte hatten am vergangenen Donnerstag (16. April) insgesamt fünf Männer aus einer Grube auf dem Gelände der Lederfabrik geholt. Drei von ihnen im Alter von 38, 58 und 59 Jahren starben vor Ort, die beiden anderen wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Einer von ihnen, ein 35 Jahre alter weiterer Mitarbeiter des Betriebs, war am Mittwoch im Krankenhaus an den Folgen des Unglücks gestorben.

Weiter tiefe Betroffenheit in Runkel

Bürgermeisterin Antje Hachmann (parteiunabhängig) zeigte sich weiterhin tief bewegt von den Ereignissen. Als sie die Mitteilung zum Tod des vierten Arbeiters bekommen habe, habe sie erst einmal weinen müssen, sagte sie, "weil das einfach schrecklich ist". Wenn man ein solches Amt übernehme, stelle man sich solche schlimmen Ereignisse nicht vor - "aber gerade in solchen Krisen zeigt sich für mich dann immer, wie gut kann man für die Bürger wirklich da sein, wenn was ist." 

Sie wolle dazu beitragen, dass Informationen gesammelt würden, "dass das Vertrauen da ist, dass sich gekümmert wird, zuverlässig gekümmert wird, eben das, was man in der Macht hat, auch wirklich zu tun, vor Ort zu sein". Gerade der Umstand, dass Runkel mit seinen 9.500 Einwohnern so klein sei und die Menschen sich kennen, mache die Betroffenheit der Menschen und ihre eigene sehr groß. 

Bereits am Freitagabend hatten zahlreiche Menschen in einem Trauergottesdienst für die Toten und Verletzten gebetet. Auch in den kommenden Gottesdiensten werde das Thema eine Rolle spielen, erwartet der Pfarrer der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde mittleres Lahntal, Christian Grän. Es herrsche weiter ein großes Entsetzen und Trauer über das Geschehene. Er habe auch Gespräche mit den Helfern geführt, die am vergangenen Donnerstag vor Ort im Einsatz waren. 

Task Force untersucht Unglücksort

Eine Task Force sei derweil mit Untersuchungen am Unglücksort beschäftigt. Diese sollten der lückenlosen Aufklärung des Arbeitsunfalls dienen, teilte die Bürgermeisterin auf Facebook mit. In diesem Zusammenhang könne es auch zu Drohnenflügen über das Gelände kommen. Für die Bürgerinnen und Bürger bestehe keine Gefahr. Hachmann appellierte, die Ermittler ihre Arbeit in Ruhe machen zu lassen. Je geordneter sich die Ermittlungen gestalteten, desto effizienter könne gearbeitet werden.

Arbeitsministerium plant Gespräch in Runkel

Zur Aufarbeitung des Unglücks ist auch ein Gespräch zwischen Vertretern des für den Arbeitsschutz zuständigen hessischen Ministeriums für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales und Hachmann geplant. Man wolle zum einen ausloten, wie man unterstützen, Beileid und Mitgefühl bekunden könne, hatte ein Ministeriumssprecher erklärt. Dabei soll es um die Frage gehen, wie das Ministerium dazu beitragen könne, dass so etwas künftig nicht mehr passiere. 

Stadt sammelt Spenden für Opferfamilien und Rettungskräfte

Der tödliche Arbeitsunfall hat derweil auch große Hilfsbereitschaft ausgelöst. Wie Bürgermeisterin Hachmann auf der Homepage der Stadt bekanntgab, haben sich mittlerweile zahlreiche Menschen bei der Stadtverwaltung gemeldet, die die Angehörigen der Betroffenen und die beteiligten Rettungskräfte mit Spenden unterstützen wollen. Dieser Bitte komme man gerne nach - Spenden könnten an das Konto der Stadt Runkel unter Angabe des jeweiligen Verwendungszwecks überwiesen werden, sagte Hachmann. Zuvor hatte mittelhessen.de darüber berichtet.

dpa

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