"Gelber Schein" Krankenkassen: Krankenstand in MV weiter auf hohem Niveau

Bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten liegt MV bei zwei Krankenkassen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. (Symbolbild) Foto:
Bei den krankheitsbedingten Fehlzeiten liegt MV bei zwei Krankenkassen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. (Symbolbild) Foto
© Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa
Derzeit wird bundesweit viel über das Thema Krankschreibung diskutiert. Mecklenburg-Vorpommern liegt bei krankheitsbedingten Fehlzeiten deutlich über dem Bundesschnitt. Das zeigen Zahlen für 2025.

Auch wenn der Krankenstand bei Arbeitnehmern in MV stabil blieb oder gar leicht zurückging - die Fehlzeiten in dem Bundesland liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Bei der Barmer Krankenkasse wurden im vergangenen Jahr 26,6 Krankheitstage je Versicherten erfasst, das waren statistisch 0,2 Tage weniger als 2024. Damit sei der Krankenstand leicht von 7,34 auf 7,29 Prozent gesunken, teilte die Barmer mit. Von 1.000 Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern waren damit täglich etwa 73 krankgeschrieben. 

Warum der Krankenstand in Mecklenburg-Vorpommern trotz Rückgangs deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 6,03 Prozent liege, könnte laut Barmer verschiedene Ursachen haben. Neben soziodemografischen Faktoren spiele möglicherweise auch die geringere Tarifbindung in Ostdeutschland eine Rolle. Beschäftigte mit Tarifvertrag könnten in der Regel krankheitsbedingt drei Tage "ohne Gelben Schein" zu Hause bleiben. Diese Krankentage würden statistisch nicht erfasst.

DAK: Krankenstand auf hohem Niveau 

Bei der Krankenkasse DAK waren die Versicherten 2025 durchschnittlich rund 23 Kalendertage krankgeschrieben. Damit liege der Arbeitsausfall zwar auf dem Niveau des Vorjahres, aber deutlich über dem Bundesdurchschnitt bei DAK-versicherten Beschäftigten von 19,5 krankheitsbedingten Fehltagen pro Kopf.

Die meisten Fehltage gingen laut DAK auf das Konto von Atemwegserkrankungen, auf die annähernd jeder fünfte Fehltag entfiel. Weitere wichtige Ursachen waren Muskel-Skelett-Erkrankungen auf Rang zwei, gefolgt von psychischen Krankheiten.

Insgesamt pendele sich der Krankenstand in MV auf einem hohen Niveau ein, so ein DAK-Sprecher. Die DAK-Gesundheit fordere eine fundierte Ursachenforschung. Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzteschaft und Krankenkassen sollten gemeinsam an einen Tisch kommen, um neue Lösungswege zu entwickeln und auch ein gesundes Arbeitsumfeld in den Fokus zu rücken. 

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuletzt den hohen Krankenstand in Deutschland kritisiert und in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeiten zur telefonischen Krankschreibung bemängelt. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte an, die Regelung überprüfen zu wollen.

Für die aktuelle Analyse wertete das Berliner IGES Institut die Daten von mehr als 64.000 erwerbstätigen DAK-Versicherten in Mecklenburg-Vorpommern aus. Die Barmer analysierte die Daten von Erwerbspersonen, die 2025 bei der Kasse versichert waren. Im Jahr 2025 hatte die Barmer in MV nach eigenen Angaben rund 216.000 Mitglieder (ohne Familienversicherte).

dpa