Eine ehemalige Lehrerin der Justizvollzugsanstalt (JVA) Neustrelitz ist nach Vorwürfen, Sex mit einem jugendlichen Häftling gehabt zu haben, rechtskräftig freigesprochen worden. Die Staatsanwaltschaft zog ihre Berufung am zweiten Verhandlungstag eines Berufungsprozesses am Landgericht Neubrandenburg zurück. Ein Sprecher des Gerichts verwies auf die schwierige Beweislage. Es sei im Wesentlichen auf die Aussagen des im vermeintlichen Tatzeitraum 17-jährigen Häftlings als Hauptbelastungszeugen angekommen. Zuvor berichtete der "Nordkurier".
Das Amtsgericht Waren hatte die heute 43-Jährige 2024 vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Schutzbefohlenen freigesprochen. Schon damals waren Zweifel an der Aussage des jungen Mannes ausschlaggebend. Im damaligen Urteil war aber auch von teils grenzwertigem und unangemessenem Verhalten der Pädagogin die Rede. Den vorgeworfenen einvernehmlichen Sex sah es aber nicht als erwiesen an. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Monate auf Bewährung beantragt und nach dem Freispruch Berufung eingelegt.
Pädagogin bestritt Vorwürfe - Zweifel an Zeugenaussage
Zum Auftakt des Berufungsprozesses vergangene Woche reagierte der Mann, der aktuell wieder in der JVA inhaftiert ist, ungehalten, als ihn die Vorsitzende Richterin, Daniela Lieschke, mit Widersprüchen in seinen Aussagen konfrontierte. Teils gerieten beide lautstark aneinander. Auch Lieschke ließ Zweifel an seinen Aussagen erkennen. Sie wollte von ihm Details und genaue Zeitpunkte des Sex wissen, der nach seiner Aussage mehr als 20 Mal stattgefunden haben soll. Die Beantwortung fiel ihm sichtbar schwer.
Die Pädagogin bestritt die Vorwürfe. "Sex oder Geschlechtsverkehr hat da jedenfalls nicht stattgefunden." Sie habe sich in ihrer kurzen Zeit in der JVA unbeliebt gemacht, nicht nur bei den Häftlingen, etwa weil sie bei dem Zeugen für eine Haftraumdurchsuchung gesorgt hatte. Gefangene seien "nicht blöd" und wüssten, wie man einen Lehrer loswerde. "Er hat doch nichts zu verlieren."
Angeklagte spricht von Erpressung
Die Angeklagte hatte Ende 2022 bis Anfang 2023 in der JVA gearbeitet und den Häftling einzeln betreut. Sie war noch in ihrer Probezeit gekündigt worden. Die Sex-Vorwürfe gegen sie seien erst nach der Kündigung erhoben worden. Andere zuvor erhobene Vorwürfe bezeichnete sie als "Geschwätz der Bediensteten".
Unklar blieb die Art des Kontakts zwischen den beiden nach der Zeit der Lehrerin in der JVA. Die Frau sprach etwa von Erpressung seitens des Zeugen per Telefon. Sie sagte aber auch aus, dass sie ihn als Teil ihrer eigenen "Ermittlungsarbeit" auch selbst angerufen habe. Zudem sagte sie, sie habe einen Boxkampf des Mannes besucht, als dieser gerade nicht in Haft saß. Er wiederum gab an, sie habe ihn auch bei ihm zu Hause aufgesucht.