Industrieschau
Weniger Besucher – Hannover Messe künftig nur noch vier Tage

Nach schwächeren Besucherzahlen verkürzt sich die Hannover Messe. (Archivbild) Foto: Julian Stratenschulte/dpa
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Die Hannover Messe verliert Besucher und Aussteller – und wird kürzer. Die Landespolitik streitet über den Kurs und die Zukunft des Messestandorts.

Nach einem deutlichen Besucherrückgang in diesem Jahr stellt sich die Hannover Messe neu auf und wird verkürzt. Sie dauert künftig nur noch vier statt fünf Tage, wie die Deutsche Messe AG am letzten Ausstellungstag mitteilte. "Die Hannover Messe entwickelt sich konsequent weiter – fokussierter, effizienter und näher an der Industrie", sagte Messe-Chef Jochen Köckler. 

Die Konzentration auf die vier besucherstärksten Tage von Montag bis Donnerstag sei ein konsequenter Schritt, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen, Benedikt Hüppe. "Eine klare Fokussierung, eine stringente Struktur und eine zukunftsgerichtete Ausrichtung erhöhen die Effizienz für Aussteller und Besucher gleichermaßen."

Ernüchternde Bilanz und politische Kritik

In diesem Jahr kamen rund 110.000 Besucher auf das Messegelände – das waren 13.000 weniger als im Vorjahr. Zudem ging die Zahl der Aussteller um ein Viertel zurück. "Die diesjährige Hannover Messe war kein Aufbruchssignal, sondern ein Stresstest – und dieser fällt ernüchternd aus", sagte der AfD-Landtagsabgeordnete Omid Najafi. Nicht einmal die Hälfte der Messehallen sei belegt gewesen. "Das ist nicht Verdichtung, das ist Rückbau." 

Den Besucherrückgang begründete die Messe unter anderem mit Warnstreiks im Flug- und Nahverkehr, die die Anreise erschwert hätten. Rund 40 Prozent der Gäste seien aus dem Ausland gekommen. Im Mittelpunkt standen Künstliche Intelligenz, Automatisierung und Robotik, erstmals auch Rüstung.

CDU bringt Investor ins Spiel

Kritik kam auch von der CDU im Landtag. Fraktionschef Sebastian Lechner zeigte sich besorgt um den Messestandort Hannover. Die Messe sei für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes von großer Bedeutung. Niedersachsen hält 50 Prozent der Anteile an der Deutschen Messe AG. 

Lechner forderte ein Zukunftskonzept für die Messe, auch mit Blick auf ihre Größe. Es müsse geklärt werden, ob die aktuelle Dimension langfristig tragfähig sei oder Anpassungen nötig würden. Zudem sprach er sich für eine Investitions- und Modernisierungsoffensive aus und brachte einen strategischen Investor ins Spiel, der neben Kapital auch Know-how einbringe. 

Der Landesregierung warf er vor, nicht entschlossen genug zu handeln. "Auf mich wirkt es so, dass es noch keine Grundsatzentscheidung gibt, wo die Messe hin will", sagte Lechner.

Regierung betont Erfolg – und Handlungsbedarf

Die Landesregierung widersprach der Kritik. Politisch sei die Messe ein "voller Erfolg" gewesen, sagte ein Regierungssprecher. Als Beleg verwies er unter anderem auf den Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und des Präsidenten des Partnerlands Brasilien, Luiz Inácio Lula da Silva, sowie auf zahlreiche Gespräche zu internationalen Handelsbeziehungen.

Zugleich räumte die Landesregierung ein, dass wirtschaftliche Herausforderungen sich negativ auf die Zahl der Besucher und Aussteller ausgewirkt hätten. Themen wie ein Zukunftskonzept und die weitere Ausrichtung der Messe würden im Aufsichtsrat der Messegesellschaft beraten, sagte der Regierungssprecher. Im Aufsichtsrat sitzen unter anderem Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) und Umweltminister Christian Meyer (Grüne).

Konzept in Arbeit

Vom Wirtschaftsministerium hieß es, alle Beteiligten seien sich darüber im Klaren, dass Handlungsbedarf bestehe. Die Strategie werde derzeit angepasst, Details würden jedoch zunächst intern erarbeitet. Ein Konzept sei in Vorbereitung. Sobald die Planungen abgeschlossen seien, solle darüber informiert werden. "Da braucht sich Herr Lechner wirklich keine Sorgen zu machen, dass die Messe nicht im Fokus dieser Landesregierung steht."

Die nächste Hannover Messe findet vom 5. bis 8. April 2027 statt. Partnerland ist Spanien.

dpa