Prozess gegen 28-Jährige
Ex-Freundin lügt für korrupten Staatsanwalt

Nach Falschaussagen im Fall des verurteilten Staatsanwalts aus Hannover muss eine 28-Jährige 12.600 Euro zahlen. Foto: Julian St
Nach Falschaussagen im Fall des verurteilten Staatsanwalts aus Hannover muss eine 28-Jährige 12.600 Euro zahlen. Foto
© Julian Stratenschulte/dpa

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Nach Ende des Prozesses gegen einen korrupten Staatsanwalt steht seine Ex-Partnerin vor Gericht - wegen Strafvereitelung. Sie wehrt sich gegen die Folgen eines Strafbefehls. Mit Erfolg?

Eine 28-Jährige ist wegen Strafvereitelung und Falschaussagen im Fall des korrupten Staatsanwalts aus Hannover zu einer Geldstrafe von 12.600 Euro verurteilt worden. Insgesamt geht es um 180 Tagessätze zu je 70 Euro. Die Entscheidung des Amtsgerichts Hannover entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zuvor war ein entsprechender Strafbefehl gegen die Ex-Partnerin des Juristen rechtskräftig geworden, sie wandte sich allerdings gegen dessen Höhe von 30.000 Euro.

Der 40 Jahre alte Staatsanwalt, der Informationen aus Ermittlungsverfahren an Drogenhändler weitergegeben und eine Razzia verraten hatte, wurde im März zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt - er legte Revision ein. Der Jurist hatte nach einem Verständigungsvorschlag der Strafkammer den Großteil der ihm vorgeworfenen Taten gestanden. Ein wegen Beihilfe zur Bestechung angeklagter 42 Jahre alter Boxtrainer wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Auch er will das Urteil anfechten. 

Anklagebehörde: Wegen Falschaussagen viele Straftaten verjährt

Nach Einschätzung der Anklagebehörde verjährten wegen der Falschaussagen der 28-Jährigen mehr als 30 Straftaten des Juristen. Die Behörde warf ihr "bewusste Lügen" vor - im Landeskriminalamt habe sie wörtlich ausgesagt: "Er hat sowieso keine Informationen mit mir geteilt. Mir war auch bewusst, dass ein Staatsanwalt nicht über seine Arbeit sprechen darf." In einer WhatsApp-Nachricht schrieb sie dagegen laut Anklage an den 40-Jährigen: "Du machst das wundervoll, liebe es, deine Anklagen zu lesen."

Die Frau gestand vor Gericht die Vorwürfe und zeigte Reue. Sie entschuldigte sich auch: "Es tut mir unfassbar leid." Dies wirkte sich strafmildernd aus, ebenso der Druck, unter dem sie lebte. Der verurteilte Staatsanwalt hatte sie ihren Worten zufolge in emotionaler Abhängigkeit gehalten - sie sprach von bewusster Manipulation. Er habe sie isoliert, geohrfeigt und ihre Wahrnehmung infrage gestellt. Er habe sie durch eine Haustürkamera bewacht und das Handy kontrolliert. Zwischen 2019 und 2022 sei sie in einer Beziehung mit dem Juristen gewesen, Anfang 2023 gab es eine erneute Annäherung.

Jurist setzte 28-Jährige nach ihren Worten "massiv unter Druck"

Bei der Zeugenaussage beim Landeskriminalamt habe sie "massiv unter Druck" gestanden. Ihr Ex-Freund habe sie eingeschüchtert und sie und ihre Familie bedroht - unter anderem mit der Veröffentlichung von Nacktbildern. Ihre Anwältin sagte, die Frau habe sich durch die Drohungen dazu hinreißen lassen, falsch auszusagen, auch aus Leichtgläubigkeit und Naivität. 

Die Anwältin der 28-Jährigen sagte auch, die Frau habe den Staatsanwalt in seinem Büro getroffen - was die Vorgesetzten gewusst hätten: "Sie ist dort ein und aus gegangen."

dpa