Piste mit Tradition Skigebiet zu verkaufen: Viele Anfragen zum "Sahnehang"

An winterlichen Wochenenden wie hier 2024 lockt der Sahnehang auch viele Familien auf die Piste. (Archivbild) Foto: Henning Kais
An winterlichen Wochenenden wie hier 2024 lockt der Sahnehang auch viele Familien auf die Piste. (Archivbild) Foto
© Henning Kaiser/dpa
Im Sauerland sucht ein Skigebiet einen neuen Besitzer - als Komplettpaket mit Schneekanonen, Hütte, Lift und Pistenraupen. Das kuriose Inserat weckt Nachfrage, aber findet sich auch ein Käufer?

Mit Schlepplift, Pistenraupen, Berghütte und kleiner Abfahrt: Im Sauerland steht mit dem "Sahnehang" ein kleines, aber traditionsreiches Skigebiet zum Verkauf - und das Interesse ist nach Auskunft des Maklers groß. "Seit der Veröffentlichung haben uns zahlreiche Anfragen über unterschiedliche Kanäle erreicht", teilt eine Sprecherin der Sparkasse in der Region auf Anfrage der dpa schriftlich mit. 

Das Immobilien-Center des Bankinstituts hat die Vermarktung und Vermittlung des Familienskigebiets Sahnehang übernommen. Fragen zum Kaufpreis und ob es bereits ernsthafte Kaufinteressenten gebe, will man nicht beantworten. Hintergrund seien die anhaltende Nachfrage und laufende Gespräche zu dem Objekt, so die Mitteilung. Mehrere Medien hatten zuvor berichtet. 

Klein, aber mit allem, was dazugehört

Auf dem Internetauftritt des Immobilien Centers der Sparkasse ist mehr über das besondere Objekt zu erfahren: "Zum Verkauf steht ein ganzes Skigebiet mit einer der schönsten Hütten im Sauerland", wirbt der Makler in einem kleinen Werbevideo. Knapp 26.000 Quadratmeter Nutzfläche umfasst demnach das Freizeitgelände. Der Sahnehang gilt mit seiner Pistenlänge von 700 Metern als kleines Skigebiet - als einer der höchstgelegenen Nordhänge aber als vergleichsweise schneesicher. 

Zum Verkauf steht neben der Hütte auch das gesamte Equipment für den Wintersportbetrieb: Dazu zählen neben dem Schlepp- und Rodellift, Räumen für einen Skiverleih auch der Fuhrpark mitsamt Pistenraupen und Motorschlitten. Auch vom Naturschnee ist die Piste unabhängig: Zum Portfolio gehören Schneekanonen und Wasserspeicher. 

Kleine Skigebiete brauchen Herzblut und Erfindergeist

Einen Investitionsstau gebe es nicht, betont das Inserat. Auch im Sommer biete die Fläche mit ihrer Gastronomie mitten im Wandergebiet Potenzial, so die Makler weiter. Warum der Besitzer seinen Betrieb verkaufen will, ist nicht zu erfahren. Er stehe für Interviews nicht zur Verfügung, sagt er auf Nachfrage. 

Also eine lohnenswerte Investition? "Das erfordert Herzblut und vollen Einsatz", sagt Susanne Schulten von der Wintersport Arena Sauerland. Zu dem Zusammenschluss der Skigebiete der Region gehört auch der Sahnehang. "Kleine Skigebiete haben es schwer", so Schultens Einschätzung. Gegenüber den großen Skigebieten müssten sie mit einem besonderen Angebot eine Nische finden - etwa für Familien oder Anfänger. Dass das gelingen kann, dafür gebe es gute Beispiele in der Region. 

Strukturwandel in der Skiregion seit Jahrzehnten

Seit den schneereichen 1960er und -70er Jahren ist sowohl die Zahl der Skigebiete als auch die Pistenfläche im Sauerland insgesamt rückläufig. Während in den großen Zentren Winterberg und Willingen massiv auch in technische Beschneiung und Ausbau der Lifte wurde, gaben kleine Skigebiete auf - vor allem in Lagen mit mittlerer Höhe und abseits der Zentren, wie die Wintersport-Arena nachzeichnet. 

Sahnehang: Piste mit Tradition

Der kleine Sahnehang am Fuße des Kahlen Astens fällt mit seiner Höhe von 836 Metern und Anbindung an den Skibus vom Winterberger Bahnhof in eine andere Kategorie. Schon früh galt er als "Schneeloch", eine Piste, die oft Skispaß bis ins Frühjahr bot. In den 1950er Jahren gehörte er zu den ersten, in denen ein Lift installiert wurde. Seinen Namen soll der Sahnehang dabei vor mehr als 100 Jahren bekommen haben: "Hier liegt der Schnee ja noch wie Sahne.", so ein begeisterter Gast der Überlieferung zufolge ausgerufen haben.

dpa