Archäologen haben bei Genthin im Jerichower Land Spuren eines ehemaligen Konzentrations-Außenlagers sowie weiterer Zwangsarbeitslager aus der Zeit des Nationalsozialismus freigelegt. Bei der Forschungsgrabung im März wurden unter anderem Hinweise auf die Bauweise der Baracken sowie zahlreiche Alltagsgegenstände ehemaliger Häftlinge und Zwangsarbeiter entdeckt, wie das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mitteilte.
Tausende Menschen arbeiteten in der Munitionsfabrik
Nördlich von Genthin befand sich den Angaben zufolge von 1935 bis 1945 die Munitionsfabrik Silva-Metallwerke. Rund um das Werk entstand während des Zweiten Weltkriegs eine weitläufige Lagerlandschaft mit verschiedenen Formen von Internierungs- und Zwangsarbeitslagern. Dort waren zeitweise mehrere tausend Menschen untergebracht, darunter vor allem Frauen, die unter schweren Bedingungen in der Munitionsproduktion arbeiten mussten, wie es hieß.
Persönliche Gegenstände von Insassen gefunden
Im Rahmen einer einwöchigen Grabungskampagne untersuchten Archäologen vier frühere Barackenstandorte. Die Arbeiten erfolgten bewusst nur kleinräumig und mit möglichst geringen Eingriffen in den Boden, so das Landesamt. Dabei seien Erkenntnisse über die Konstruktion und Nutzung der Lager gewonnen worden. Gefunden wurden unter anderem Geschirrteile, Flaschen und persönliche Gegenstände ehemaliger Insassen.
Funde ergänzen Schrift- und Bildquellen
Die Funde geben nach Angaben der Forscher Hinweise auf die Lebensbedingungen und den Alltag der Menschen in den Lagern. Insbesondere bei Fundorten aus der Zeit des Nationalsozialismus können sie wichtige Erkenntnisse liefern, die in Schrift- und Bildquellen nicht überliefert sind.
Das Gelände bei Genthin wird seit Jahren vom Museum Jerichower Land und von Ehrenamtlichen des Fördervereins Genthiner Stadtgeschichte untersucht. Die Ergebnisse der aktuellen Forschungsgrabung sollen künftig öffentlich präsentiert werden.