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Erste Hummeln unterwegs - Experten sehen Rückgang

Hummeln gehören zu den wichtigsten Bestäubern – viele Arten sind jedoch selten geworden in Sachsen-Anhalt. (Archivbild) Foto: Ch
Hummeln gehören zu den wichtigsten Bestäubern – viele Arten sind jedoch selten geworden in Sachsen-Anhalt. (Archivbild) Foto
© Christian Modla/dpa-Zentralbild/dpa
Die ersten Hummeln sind wieder in Sachsen-Anhalt zu sehen. Sie gelten als Frühlingsboten. Doch es gibt eine besorgniserregende Entwicklung.

Mit den milderen Temperaturen vor kurzem sind in Sachsen-Anhalt die ersten Hummeln des Jahres unterwegs. "Die ersten Hummelköniginnen sind bereits seit einigen Tagen zu beobachten", teilt das Landesamt für Umweltschutz mit.

Viele Arten - wenig Daten

In Sachsen-Anhalt wurden bislang 30 Hummelarten registriert, drei davon gelten als ausgestorben oder verschollen. Weitere Arten sind selten oder sehr selten. Daten zur Entwicklung der Bestände sind jedoch nur eingeschränkt verfügbar. 

"Entwicklungstrends bei Hummeln lassen sich derzeit noch nicht sicher ableiten, flächendeckende Monitoringprogramme haben hierzu erst begonnen", sagt Daniel Rolke, Entomologe und Dezernent für Biodiversität und Insektenschutz beim Landesamt. Ohne es evidenzbasiert beziffern zu können, bemerke er jedoch einen spürbaren Rückgang von Hummeln in der Kulturlandschaft. 

Wichtige Helfer im Ökosystem

Hummeln erfüllen wie andere Wildbienen wichtige Funktionen in Ökosystemen. Sie bestäuben zahlreiche Pflanzen und sind zugleich Nahrungsgrundlage für andere Arten.

Im Frühjahr sind zunächst vor allem einzelne große Hummeln zu sehen. Dabei handelt es sich um Königinnen, die den Winter überlebt haben und nun nach Nistplätzen suchen. Erst später im Jahr entstehen daraus größere Völker.

Naturschutz sieht Ursachen

Auch aus dem Naturschutz gibt es Hinweise auf Probleme. Leider gebe es immer weniger Hummeln, sagt Doris Seibt, Vorsitzende des Nabu-Kreisverbands Mansfeld-Südharz. Der größte Grund: "Es gibt immer weniger entomologische, samenechte Blütenpflanzen und auch Wasserflächen, die ohne Pestizide und schädliche andere Stoffe vorhanden sind, um Nutzinsekten eine gesunde Vermehrung zu gewährleisten."

Ehrenamt am Limit

Zugleich verweist der Nabu auf begrenzte Möglichkeiten bei der Datenerhebung. Die Kapazitäten des ehrenamtlich tätigen Nabu reichten nicht aus, exakte Zählungen durchzuführen, betont Seibt. Für verlässliche Zahlen seien langfristige Untersuchungen durch Fachleute notwendig. Viele Naturschutzverbände arbeiteten überwiegend ehrenamtlich und seien auf zusätzliche Unterstützung und finanzielle Mittel angewiesen.

dpa

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